Sein längster Kampf: Heimische Boxlegende muss Schmerzen vor Gericht verteidigen

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Ex-Profiboxer Reinhard Jassmann befindet sich seit fast zehn Jahren im Rechtsstreit mit dem Klinikum Kassel.

2003 wurde beim prominenten Ex-Profiboxer Reinhard Jassmann Krebs diagnostiziert. Die Behandlung hat weitreichende Folgen.

Korbach - Reinhard Jassmann kämpft seit 15 Jahren um seine Gesundheit. Der prominente Ex-Boxer erlebt dabei einen Leidensweg, wie es sich niemand wünscht. 2003 bekommt die heimische Boxlegende eine niederschmetternde Krebsdiagnose. Eine bösartige Geschwulst hat sich an seiner Zunge gebildet. Es folgt eine Chemotherapie und der Tumor wird herausgeschnitten. Die Ärzte am Klinikum Kassel setzen anschließend auf eine Bestrahlung, die häufig eingesetzt wird, um neuen Krebszellen vorzubeugen. „Der hätte ich nie zugestimmt, wenn ich gewusst hätte, dass alles gut ist“, sagt der 64-Jährige im Nachhinein. Nach der Chemo und der OP habe es keinen Krebs mehr gegeben.

Die Bestrahlung erstreckt sich über rund zwei Monate und hat üble Nebenwirkungen. Schilddrüse, Mund, Hals und Rachen werden geschädigt. Jassmann leidet wie noch nie in seinem Leben. Zähne fallen aus: Strahlenkaries. Zahnärzte können sie nicht retten, auch Brücken sind nach den Strahlenschäden nicht möglich. Jassmann ist verzweifelt. Der Kieferknochen muss abgeschält werden. Ersatz kommt aus der eigenen Hüfte. Vollnarkose folgt auf Vollnarkose bei den dazugehörigen Operationen. Zwischenzeitlich geht es vor Gericht.

Statt einer Bestrahlung hätten regelmäßige Kontrollen ausgereicht, findet Jassmanns Rechtsanwalt Eckhard Schulze. 2009 kommt es zur Klage. Jassmann fordert Schmerzensgeld. Das Gericht sieht ein Versäumnis bei der ärztlichen Aufklärung. Die erfolgte nicht gesondert vor dem jeweiligen Therapieverfahren, insbesondere der Bestrahlung. Das juristische Verfahren zieht sich. Das Klinikum geht in Berufung. Die wird als fehlerhaft zurückgewiesen, wie der Bundesgerichtshof schließlich feststellt. Wieder muss der Fall aufgerollt werden, bis erneut die Berufung zurückgewiesen ist und das Urteil Jassmann Recht gibt. Bis dahin gehen allein sieben Jahre ins Land. Doch es geht noch weiter.

Aktuell läuft das Beitragsverfahren, bei dem die Höhe des Schmerzensgeldes zu klären ist. Das Landgericht Kassel hat im November 2017 einen Vergleichsvorschlag unterbreitet. Für 120.000 Euro sollen sämtliche gegenseitigen Ansprüche endgültig abgegolten sein. Diesen Vorschlag lehnt Jassmann ab. Zu viel habe er bis dahin gesundheitlich einstecken müssen. Auch der lange Rechtsstreit hat Spuren hinterlassen. „Das war vielleicht ein Fehler“, sagt er heute mit heiserer Stimme, die ebenfalls gelitten hat. Denn jetzt muss wieder ein Gutachter klären, welche angeführten Beeinträchtigungen auf die Strahlentherapie zurückzuführen sind. Und Gutachten kennt Jassmann zur Genüge.

„Das alles, was in den vorangegangenen Verhandlungen an Gutachten auf den Tisch kam, nicht ausreicht, verstehe ich nicht.“ Er fühlt sich schikaniert. „Ohne meinen Anwalt wäre ich aufgeschmissen. Manchmal denke ich, dass ich das Ende des Verfahrens nicht mehr erleben soll.“ Sein Anwalt weiß aber, dass es sich aktuell um ein übliches Verfahren handelt. Laut Schulze sitzt das Klinikum nun mehr zwischen den Stühlen. Die Vermögenshaftpflichtversicherung der Ärzte führe eigentlich das Verfahren. Der Beklagte ist aber weiterhin das Klinikum. Erschwerend ist aus Sicht der Klinikum Kassel GmbH, dass auch die Versicherung der damals selbständigen Strahlentherapiepraxis zu berücksichtigen sei.

„Das Klinikum hat großes Interesse daran, das Beitragsverfahren zügig abzuschließen, und hatte dem Vergleichsvorschlag des Landgerichts zugestimmt“, teilt uns die GmbH auf Anfrage mit. Doch an ein zügiges Ende glaubt Jassmann nach all den Jahren nicht. Der aktuelle Besuch beim Gutachter in Bonn habe ihm dies nochmal gezeigt: „Der konnte mir auch nur bestätigen, was vorher schon bekannt und dokumentiert war.“

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