Steinalter Preisträger: Schiefer ist "Gestein des Jahres", aber warum?

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Links: Geschiefertes Gestein im Waldeckischen Upland. Rechts: Mit Dachschiefer bedeckte Hausfassade. 

Die Sedimentgesteine prägen unsere Region. Norbert Panek vom Geopark GrenzWelten erklärt, was es mit dem Schiefer auf sich hat.

Waldeck-Frankenberg. Es gibt ein Tier des Jahres, den Baum des Jahres, den Sportler des Jahres, usw. Wussten Sie, dass es auch ein Gestein des Jahres gibt? Da ein Fachgremium des Berufsverbands Deutscher Geowissenschaftler den Schiefer zum „Gestein des Jahres 2019“ gekürt hat und dieser im Nationalen Geopark GrenzWelten eine zentrale Rolle spielt, hat sich Norbert Panek vom Projektbüro Nationaler Geopark GrenzWelten in Korbach Gedanken dazu gemacht.

Neben dem Sandstein ist Schiefer das häufigste Gestein im Geopark. Eine ganze Landschaft – das Rheinische Schiefergebirge – wurde nach ihm benannt. Der Begriff „Schiefer“ leitet sich aus dem mittelhochdeutschen „schivere“ ab, was so viel wie Splitter bedeutet. So wurden traditionell alle feinkörnigen, meist tonigen Sedimentgesteine mit einer guten Spaltbarkeit als Schiefer bezeichnet. Im heutigen Verständnis ist Schiefer ein Sammelbegriff für verschiedene durch Hitze und Druck überprägte, tonige Sedimentgesteine. Vielfach ist das Gestein so stark zusammengedrückt, dass die Merkmale des ehemaligen Sediments nicht mehr zu erkennen sind.

Typisch ist die gute Spaltbarkeit des Schiefers. Leicht lassen sich dünne Platten abtrennen, die für Dachbedeckungen oder Wandtäfelungen verwendet werden. Die im Geopark GrenzWelten vorkommenden Schiefer sind hauptsächlich im Erdaltertum (Devon und Karbon) vor über 300 Millionen Jahren entstanden. Es handelte sich ursprünglich um tonige oder kieselige Ablagerungen in einem Meer. Im Zuge der Entstehung des Rheinischen Schiefergebirges wurden diese Sedimente dann stark gepresst und gefaltet.

Verschiedene Arten, vornehmlich Ton- und Kieselschiefer, sind heute vor allem im Hochsauerland und im Kellerwald verbreitet. Schiefer ist bis heute ein nachgefragter Baustoff. Schieferbedeckte Häuser prägen bis heute das Ortsbild der Dörfer im Hochsauerland und Waldeckischen Upland. In früheren Zeiten, als der Gebrauch von Papier noch nicht üblich war, dienten Schiefertafeln als Schreibunterlage.

Begehrter Baustoff

Im Hochsauerland hatte der Dachschiefer-Bergbau eine lange Tradition. Der Abbau konzentrierte sich auf Reviere zwischen Schmallenberg und Willingen („Fredeburger Revier“) sowie zwischen Meschede und Brilon („Nuttlarer Revier“). Der Dachschiefer wurde dort mindestens seit dem 16. Jahrhundert zunächst in Kleinbetrieben abgebaut. Ab Mitte des 19. Jahrhundert entwickelte sich der Schieferabbau im Hochsauerland zu einem regional bedeutenden Industriezweig. Einige Abbaubetriebe waren noch bis in die 1990er Jahre hinein aktiv, so z.B. die Nuttlarer Grube „Ostwig“ oder die Grube „Brilon“ in Willingen-Schwalefeld, wo zuletzt noch bis zu 900 Tonnen Schiefer pro Jahr gefördert wurden.

Das einzige, aktuell noch aktive Schieferbergwerk liegt im „Fredeburger Revier“ bei Schmallenberg. Neben den Schiefergruben im Hochsauerland gab es kleinere Bergwerke im Kellerwald, wo etwa am „Hahnberg“ bei Bad Wildungen-Reinhardshauen oder an der „Doneiche“ bei Frebershausen Dachschiefer gewonnen wurde.

Einblicke in den Schieferabbau

Im Besucherbergwerk "Grube Christine" wurde bis 1971 mehr als 100 Jahre lang Dachschiefer abgebaut. Führungen: November bis März Mi. – So. um 10.30 Uhr; April bis Oktober Mi. – Sa. jeweils um 10.30 Uhr, 11.30 Uhr, 14.30 Uhr und 15.30 Uhr. Mindestteilnehmerzahl: 8 Personen. Auskunft: Tel. 05632-69673.

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