Streit um die Wohrateiche bei Haina geht weiter

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Da wo eigentlich Wasser sein sollte, ist es nun braun. Seit Ende März wurde hier bereits Wasser abgelassen, obwohl die weitere Verfahrensweise noch nicht bekannt gegeben wurde.

Die Bürgerinitiative "Rettet die Wohrateiche" erhebt Vorwürfe gegen die Vorgehensweise des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen.

Haina - Der Ärger um die Wohrateiche geht in die nächste Runde. Mittlerweile wurde bereits eine große Menge Wasser aus den Teichen abgelassen. Das ist für die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Rettet die Wohrateiche“ nicht akzeptabel, denn noch wurden keine endgültigen Pläne zum weiteren Verfahren mit den Teichen im Naturschutzgebiet bei Haina präsentiert. Weder von Seiten des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen, der die Stiftung Kloster Haina verwaltet, die Eigentümerin der Wohrateiche ist, noch von der Oberen Wasserbehörde beim Regierungspräsidium. Argumente gegen die Auflösung der Teiche beziehungsweise das derzeitige Vorgehen liefert die BI derweil genug.

Die Vertreter der BI teilen mit, dass der LWV wohl bereits seit Anfang der 1990er von der Oberen Wasserbehörde bzw. dem früheren Wasserwirtschaftsamt auf die Situation der Deiche hingewiesen worden sei und dass diese auf Dauer nicht sicher seien. 2016 gab das Regierungspräsidium dem LWV demnach drei bis sechs Jahre Zeit, eine Lösung zu finden. Diese sieht nun vor, die Deiche abzubauen und so die Teiche aufzulösen. Doch ist die wohl billigste Variante auch die sinnvollste?

Das sehen die Mitglieder der BI eindeutig nicht und wollen sie verhindern. Das Auflösen der Teiche ist nicht einfach, da sie im Naturschutzgebiet „Wohrateiche bei Haina“ liegen. Es ist aus Sicht der Oberen Naturschutzbehörde wohl nur akzeptabel, wenn ein aus naturschutzrechtlichen Kriterien „noch wertvolleres“ Gebiet geschaffen werde. Ziemlich schwierig, finden die Mitglieder der BI, immerhin ist das bestehende Naturschutzgebiet über mehr als hundert Jahre gewachsen und konkrete Pläne legte der LWV bisher nicht vor.

Nicht mehr im Grünen Bereich: Der Wasserpegel der Wohrateiche hat in den letzten Wochen stark abgenommen. 

Auch Vertreter von BUND und NABU stehen dem eher skeptisch gegenüber, wie sie bei einer Protestaktion Ende März mitteilten. Einen Eingriff in die Natur würde die Umsetzung der Pläne des LWV allemal bedeuten, Tiere und Pflanzen würden es wohl nicht unbeschadet überstehen.

Juristisch sind ebenfalls noch Hürden für das Vorhaben des LWV zu überwinden. Die seit 1986 bestehende Verordnung über das Naturschutzgebiet „Wohrateiche bei Haina“ müsste aufgehoben werden, da ein Naturschutzgebiet unter diesem Namen ohne Teiche offensichtlich keinen Sinn machen würde. Die Verordnung besagt darüber hinaus, dass die Beseitigung der Teiche verboten ist.

Unabhängig von den rechtlichen Hürden ist fraglich, welche Folgen für die Wassersituation, für Flora und Fauna ein Verschwinden der Teiche mittel- und langfristig hätte. Das vom LWV gezeichnete Bild einer sich nach der „Renaturierung“ idyllisch im früheren Teichgrund schlängelnden Wohra scheint für das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde vor dem ebenfalls ohne Gutachten entworfenen Überflutungsszenario eine akzeptable Alternative zu sein, wie die Mitglieder der BI vermuten.

Wichtigstes Argument seien nach Verlautbarungen des LWV die Kosten. Von etwa 1,1 Millionen Euro gehe er bei der Umsetzung der Maßnahmen aus. Die Kosten für Alternativen werden hingegen derzeit nicht beziffert.

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