Streit um die Wohrateiche: Hainaer Bürger kämpfen für den Erhalt "ihrer" Teiche

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Idyllisch sind die Wohrateiche bei Haina. Kaum vorstellbar, dass sie bald nicht mehr da sein könnten. Um das zu verhindern, kämpft die Bürgerinitiative "Rettet die Wohrateiche". Der Landeswohlfahrtsverband hat jedoch ganz andere Pläne.

Kürzlich hat der Landeswohlfahrtsverband Hessen Pläne veröffentlicht, die Wohrateiche bei Haina zurückbauen zu wollen. Eine Bürgerinitiative setzt sich nun für den Erhalt der unter Naturschutz stehenden Teiche ein.

Haina - Einen Monat ist es her, da teilte der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen mit, dass Baumfällarbeiten an den Dämmen der Wohrateiche (Foto) stattfinden. Rund 20 Bäume wurden auf Empfehlung der Oberen Wasserbehörde beim Regierungspräsidium (RP) umgemacht. Begründet werden die Arbeiten vom LWV, der die Stiftung Kloster Haina verwaltet, die Eigentümerin der Wohrateiche ist, dadurch, dass die Dämme durch Aufweichungen und eingewachsenes Wurzelwerk mürbe geworden sind. Starkregen, Hochwasser oder Stürme, die die Bäume entwurzeln könnten, bergen die Gefahr, dass die Dämme reißen und die Ortschaft Haina überschwemmt wird.

Dies sei der erste notwendige Schritt auf dem Weg zur geplanten Renaturierung der Wohrateiche, die oberhalb des Klosters Haina liegen. Mit anderen Worten: Die Dämme sollen weichen und die Teiche sollen zurückgebaut werden. Pläne, die bei vielen Menschen aus Haina und Umgebung auf Unverständnis stoßen und viele Fragen aufwerfen. Deshalb hat sich die Bürgerinitiative (BI) „Rettet die Wohrateiche“ gegründet. Sie setzt sich für den Erhalt der seit 1986 unter Naturschutz stehenden Teiche ein und fordert einen sofortigen Baustopp. Vor allem die Kommunikation seitens des LWV kritisiert die BI scharf. „Eine vom LWV angekündigte öffentliche Informationsveranstaltung steht noch aus“ und „jetzt erfährt die schockierte Hainaer Bevölkerung aus der Zeitung, dass der LWV beide Teiche beseitigen will“, teilt BI-Sprecherin Gertraude Wenz mit.

Angefangen hat alles bereits Ende Juni 2016. Auch damals fanden Fällarbeiten an den Wohrateichen statt, nachdem das RP mit den Bedenken einer Überflutung auf den LWV zugekommen ist. Seitdem ist der Plan gereift, die Teiche zurückzubauen. Doch welche Auswirkungen hätte das eigentlich?

„Nicht nur seltene Pflanzen und Schmetterlinge, sondern auch Krebse, Fledermäuse und bedrohte Vogelarten“ werden hier geschützt, heißt es in der Stellungnahme der BI. Dieter Schütz, der für die Stiftungsforsten zuständige Beigeordnete beim LWV, hält dagegen: „Die Renaturierung bietet die Chance, einen noch wertvolleren Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten zu schaffen“. Und auf Nachfrage ergänzt der LWV: „Da das Gebiet Naturschutzgebiet ist, ist hier entsprechende Rücksicht bei allen Maßnahmen zum Schutz von Flora und Fauna vorgeschrieben. Die Renaturierung soll ein von Menschen verändertes Tal (angelegte Dämme, Seitengräben) wieder in einen ursprünglicheren Zustand mit mäandernden Bachverläufen zurückversetzen. Es ist davon auszugehen, dass der gesamte Auenbereich aufgewertet wird.“

Der nächste Aufreger dann vor zwei Wochen, als Taucher in beiden Teichen gesichtet wurden. Sie sollen nach Aussage der BI das Abfischen der Teiche vorbereiten. Der LWV teilt hingegen mit, die Taucher haben im Rahmen des Genehmigungsantrags Schlammuntersuchungen durchgeführt, um weitere Erkenntnisse über die möglichen nachfolgenden Maßnahmen zu erhalten. Dabei gehe es vor allem darum, Klarheit über die Menge, die Beschaffenheit und die chemische Zusammensetzung des Schlammes zu erhalten.

Apropos nachfolgende Maßnahmen: Einen konkreten Zeitplan zu den weiteren Schritten des LWV gibt es derzeit noch nicht, da der Antrag, der beim RP liegt, noch nicht genehmigt ist. Auch die Kosten für den geplanten Rückbau sind noch nicht beziffert. Die Ertüchtigung der Dämme würde nach Aussage des LWV jedoch ein Mehrfaches der Renaturierung kosten. Derweil hat die BI eine Petition gestartet und innerhalb von 10 Tagen fast 1.000 Unterschriften gesammelt.

Zu einer Protestaktion am Mittwoch kamen rund 150 Menschen und demonstrierten für den Erhalt der Wohrateiche. Dabei hat auch der BUND Unterstützung zugesagt. Sprecher Wolfram Moniac zeigte sich äußerst skeptisch gegenüber der Vorgehensweise von LWV und RP. Es brauche Jahre, bis die Natur die sogenannte Renaturierung verkrafte. Die Sprecher des NABU forderten die komplette Entfernung aller von Menschen getätigten Eingriffe, falls der Rückbau unumgänglich sei, damit die Auenwälder erhalten bleiben. In der kommenden Woche wird die BI mit dem LWV ins Gespräch kommen. Ein Gespräch, das der LWV um einiges früher hätte suchen sollen.

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