Supermarkt statt Biertheke Gewerkschaft fordert Kulturwandel gegen dramatische Abwanderung in der Gastronomie

Viele Hotels und Gaststätten finden aktuell kein Personal – weil während des Lockdowns ein großer Teil der Beschäftigten die Branche verlassen hat, so die Gewerkschaft NGG.
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Viele Hotels und Gaststätten finden aktuell kein Personal – weil während des Lockdowns ein großer Teil der Beschäftigten die Branche verlassen hat, so die Gewerkschaft NGG.

Im Zuge der Corona-Pandemie verzeichnen die Hotels und Gaststätten im Kreis Waldeck-Frankenberg eine dramatische Abwanderung von Fachkräften.

Waldeck-Frankenberg. Innerhalb des vergangenen Jahres haben im Landkreis rund 900 Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte dem Gastgewerbe den Rücken gekehrt – das ist jeder fünfte Beschäftigte der Branche, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG) unter Berufung auf jüngste Zahlen der Arbeitsagentur mitteilt.

Demnach beschäftigte das Hotel- und Gaststättengewerbe im Landkreis zum Jahreswechsel 3.471 Menschen. Vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie waren es noch 4.357. Damit haben innerhalb von zwölf Monaten 20 Prozent der Beschäftigten die Branche verlassen. Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG-Region Nord-Mittelhessen befürchtet, dass angesichts des Lockdowns bis in den Mai hinein sich der Personal-Schwund nochmals zugespitzt habe. „In der aktuellen Sommersaison fehlt nun einem Großteil der Betriebe schlicht das Personal, um die Gäste bewirten zu können“, so Kampmann.

Für die Lage macht der Gewerkschafter auch die Einkommenseinbußen durch die Kurzarbeit verantwortlich: „Gastro- und Hotel-Beschäftigte arbeiten sowieso meist zu geringen Löhnen. Wenn es dann nur noch das deutlich niedrigere Kurzarbeitergeld gibt, wissen viele nicht, wie sie über die Runden kommen sollen.“

„Schon vor Corona stand das Gastgewerbe nicht gerade für rosige Arbeitsbedingungen. Unbezahlte Überstunden, ein rauer Umgangston und eine hohe Abbruchquote unter Azubis sind nur einige strukturelle Probleme. Die Unternehmen haben es über Jahre versäumt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das rächt sich jetzt“, kritisiert Kampmann.

In seinen Augen müsse sich die Branche neu aufzustellen. Wer künftig überhaupt noch Fachleute gewinnen wolle, müsse jetzt umdenken und sich zu armutsfesten Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen bekennen. Dazu seien Tarifverträge unverzichtbar, unterstreicht Kampmann: „Am Ende geht es um einen Kulturwandel.“

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