Teure Versicherung macht Geburtshilfe in Volkmarsen wirtschaftlich unmöglich

"Geboren in Volkmarsen" wird es ab Juli 2019, wenn überhaupt, nur noch bei Hausgeburten heißen können. Für die Schwangeren rund um die Kugelsburg bedeutet dies, dass sie in Zukunft weitere Wege auf sich nehmen müssen. Teilweise überlastete Geburtszentren gibt es auch schon in der Region.

Volmarsen - Die geburtshilfliche Belegabteilung am St. Elisabeth-Krankenhaus in Volkmarsen wird zum 30. Juni 2019 ihren Betrieb einstellen. Eine nachhaltige Sicherstellung der Geburtshilfe sei unter keinen Umständen möglich, wie Geschäftsführer Michael Schmidt diese Entscheidung in einer Pressemitteilung erläutert.

Vor diesem Hintergrund haben die freiberuflichen Beleghebammen ihren Vertrag mit dem St. Elisabeth-Krankenhaus bereits fristgerecht zum 30. Juni gekündigt. Die gynäkologische Versorgung durch die beiden Belegärzte Dr. Ralf Kubenke und Leonhard Kalhoff bleibt am Standort erhalten.

„Für die Entscheidung, die Geburtshilfe in Volkmarsen zu schließen, waren verschiedene Faktoren ausschlaggebend“, macht Schmidt deutlich und führt dazu aus: „Der Betrieb einer Geburtshilfe stellt mittlerweile für viele Gynäkologische Fachärzte und Anästhesisten einen Hinderungsgrund dar, sich als Belegärzte niederzulassen und eine solche Belegabteilung zu versorgen.“

Es finden sich keine Anästhesisten

Vor dem Hintergrund, dass in Volkmarsen in der Anästhesie ein Generationenwechsel anstehe und sich mit dem weiteren Betrieb der Geburtshilfe schlicht keine Anästhesisten finden lassen, habe man sich zur Schließung der geburtshilflichen Belegabteilung entscheiden müssen. Auch nach Schließung der geburtshilflichen Belegabteilung bleiben die gynäkologischen Leistungen am St. Elisabeth-Krankenhaus jedoch erhalten

 „Unsere beiden Belegärzte Dr. Ralf Kubenke und Leonhard Kalhoff werden wie bisher in ihrer Praxis die Patientinnen ambulant und gynäkologische Patientinnen im Krankenhaus operativ ambulant und stationärversorgen“, so Geschäftsführer Schmidt.

Viele Gynäkologen bieten keine Geburtshilfe mehr an

Einer der Gründe, warum viele gynäkologische Fachärzte keine Geburtshilfe mehr anbieten wollen, sind die drastisch gestiegenen Beiträge zur Haftpflichtversicherung für geburtshilfliche Leistungen. Diese übersteigen die Vergütungen deutlich, die durch die Geburtshilfe erwirtschaftet werden können.

Auch in Volkmarsen läuft der bisherige Vertrag der beiden gynäkologischen Fachärzte mit dem Haftpflichtversicherer für geburtshilfliche Leistungen zum 31. Dezember 2019 aus und könnte nur mit einer Steigerung auf 250.000,- Euro pro Jahr fortgeführt werden, einem Vielfachen der bisherigen Versicherungsprämie.

Geburtenzahl ist zu gering im Verhältnis zu den Kosten

„Mit rund 350 Geburten im Jahr in Volkmarsen sind solche Versicherungsbeiträge für niedergelassene Belegärzte nicht abbildbar und verringern die Attraktivität des Standortes für niedergelassene Ärzte“, macht Schmidt deutlich.

Bereits im November 2018 wurden Gespräche mit dem Kreis Waldeck-Frankenberg geführt.

Die Sicherstellung der Geburtshilfe in Volkmarsen wurde als sehr wichtig eingestuft und ein finanzielles Engagement des Kreises in Aussicht gestellt. Leider war es dann nicht möglich, hierzu einen gangbaren Weg zu finden.

Fristgerechte Kündigung durch Beleghebammen

Durch die Neugestaltung der Gebührenordnung für Hebammen hat sich seit Anfang 2018 die Vergütungssituation für stationäre Leistungen in geburtshilflichen Belegabteilungen deutlich verschlechtert. Dies hat dazu geführt, dass eine stationäre Geburtshilfe in vielen Fällen nicht mehr zu leisten ist. Die schlechte Vergütungssituation hat auch zur Folge, dass immer mehr freiberufliche Beleghebammen ihren Beruf aufgeben: Gab es im Jahr 2012 noch knapp 2.000 Beleghebammen in Deutschland, waren es im Jahr 2016 nach Angaben des statistischen Bundesamtes nur noch 1.776. Der Deutsche Hebammenverband fordert seit längerem eine Verdopplung der Vergütung der Leistung freiberuflicher Hebammen.

Nachhaltiger Betrieb der Geburtshilfe in Volkmarsen ist mittelfristig ausgeschlossen

Vor dem Hintergrund, dass ein nachhaltiger Betrieb der geburtshilflichen Belegabteilung in Volkmarsen mittelfristig ausgeschlossen ist, haben sich auch die freiberuflichen Beleghebammen dafür entschieden, ihren Vertrag mit dem St. Elisabeth-Krankenhaus fristgerecht zum 30. Juni 2019 zu kündigen und auf eine langfristige Vertragsverlängerung zu verzichten.

Die Geburtshilfe im St. Elisabeth Krankenhaus Volkmarsen ist eine gut funktionierende Abteilung die von vielen Schwangeren gerne in Anspruch genommen wird und viel positives Feedback erhält. Dass eine solche Abteilung letztlich aufgrund mangelhafter, durch die Untätigkeit der Bundespolitik bedingter auch finanzieller Rahmenbedingungen schließen muss, ist traurig, sagt Belegarzt Leonhard Kalhoff.

Für die Schwangeren bedeutet dies, dass sie in Zukunft weitere Wege zu bereits jetzt teilweise überlasteten Geburtszentren auf sich nehmen müssen, endet die Pressemitteilung.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Uli Deck/dpa

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