Tierisch gefährlich

Professor Schlott mit einer Insektenfalle. Zecken finden sich vor allem in waldnahen Kraut- und Strauchzonen Waldeck-Frankenberg. Die Kli

Professor Schlott mit einer Insektenfalle. Zecken finden sich vor allem in waldnahen Kraut- und Strauchzonen

Waldeck-Frankenberg. Die Klimaerwrmung ist inklusive entsprechender Auswirkungen auch in Nordhessen angekommen. Die Frankfurter Temperaturreihe (lckenlose Aufzeichnung von Klimadaten seit 1820) belegt einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von 1-2 Grad je nach Standort. Und die globalen Klimavernderungen zeigen nicht nur in Pakistan, USA oder Afrika verheerende Folgen, sondern auch mittlerweile vor unserer Haustre: heie, trockene Sommer, feuchte Winter, Strme und berschwemmungen sowie zunehmende gesundheitliche Belastungen, um nur einige zu nennen.

Auch die Vermehrung von Athropoden (Insekten, Spinnentiere, Milben) mit zum Teil fr den Menschen gefhrlichen Krankheitserregern fhren Wissenschaftler auf den Klimawandel zurck. Stechmcken, zum Beispiel die asiatische Tigermcke, knnen mittlerweile unter den aktuellen klimatischen Bedingungen in Mitteleuropa berleben und Infektionskrankheiten, die sonst nur aus den Tropen bekannt sind, bertragen. Auch die Durchseuchungsrate von Zecken hat sich drastisch erhht, und FSME- (Meningitis) haltige Zecken dringen von Sddeutschland immer weiter nach Norden vor.

Politik und Wissenschaft haben festgestellt, dass Manahmen und Strategien zur Anpassung an die Klimafolgen entwickelt werden mssen, denn Klimavernderungen bieten auch Chancen, wie die Entwicklung neuer Nutzpflanzen, die Erhhung der Attraktivitt unserer Region fr den Tourismus und die Entwicklung zukunftsweisender Technologien. Um die Folgen des Klimawandels einigermaen abzufedern, mssen nicht nur auf internationaler, sondern auch auf nationaler und regionaler Ebene Verantwortliche und Betroffene zusammen arbeiten. So frdert die Bundesregierung mit dem Programm KLIMZUG (Klimawandel zukunftsfhig gestalten) in verschiedenen Regionen, unter anderen auch in Nordhessen, Manahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Mit im Boot sind Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Verwaltung und Wirtschaft.

In Zusammenarbeit mit der Hochschule Fulda wird in Nordhessen bereits seit zwei Jahren ein Programm zur Erfassung infektiser Zecken und Stechmcken umgesetzt. Der Kreis WaldeckFrankenberg ist mittlerweile auch im Netzwerk eingebunden.Gemeinsames Ziel: Gefahren rechtzeitig erkennen und Gegenmanahmen ergreifen. So hat sich die Hochschule Fulda, allen voran Prof. Dr. Thilo Schlott, Mikrobiologe, der Prvention klimabedingter Gesundheitsrisiken verschrieben. Konkret heit das, es soll untersucht werden, ob die Anzahl infizierter Stechmcken und Zecken im Landkreis zugenommen hat. Mit Hilfe der Bevlkerung soll ein entsprechendes berwachungssystem aufgebaut werden.

Zecken sammeln

Zecken bertragen schlimmstenfalls Meningitis oder Borreliose

Zecken halten sich hauptschlich in Kraut- und Strauchzonen in Waldnhe auf, 10 bis 100 cm ber dem Boden, und sind je nach Witterung in den Monaten Mrz bis Oktober aktiv, bei zunehmender Erwrmung auch auerhalb dieser Zeit. Sie bertragen vielfltige Krankheiten, wie Meningitis und Borreliose und breiten sich weiter aus. Der Raum Marburg-Biedenkopf gilt bereits als Risikogebiet. Auch Stechmcken knnen unter bestimmten Bedingungen Krankheiten bertragen.

Die Asiatische Tigermcke hat sich mittlerweile bereits in Italien und rund um das Mittelmeer niedergelassen. Ihre Eier werden meist durch Schiffsladungen nach Europa eingeschleppt und knnen durch Tier- und Warentransporte weiter verteilt werden. Treffen diese Insekten dann auf Fernreisende, die sich im Urlaub zum Beispiel mit Malaria angesteckt haben, knnen sie die Erreger vielfach von Mensch zu Mensch bertragen. In Italien sind so 2007 viele Menschen am tropischen Chinkungunyafieber erkrankt. Professor Schlott und sein Team mchten die ffentlichkeit fr dieses Thema sensibilisieren und ein Frhwarnsystem mit Hilfe der Menschen vor Ort etablieren, ein in Europa einmaliges Projekt.

Das Institut setzt auf ehrenamtliche Mithilfe aus der Bevlkerung. Konkret: freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sammeln Zecken und stellen Insektenfallen auf. Sie werden vorher mit dem entsprechenden Know-how und Schutzmanahmen vertraut gemacht, und geeignete Areale werden festgelegt. Die Proben werden zoologisch bestimmt und im Labor auf Keime untersucht. Auch hier knnen Interessierte dabei sein. Die Ergebnisse werden dann mit allen am Projekt Beteiligten ausgewertet.

Durch das flchendeckende Kontrollsystem kann die Bevlkerung zuknftig in Absprache mit den entsprechenden mtern frhzeitig und fundiert vor etwaigen Gesundheitsrisiken gewarnt werden. Wer an dem Projekt teilnehmen mchte, kann sich mit der Klimaanpassungsbeauftragten des Landkreises Waldeck-Frankenberg, Tanja Mller, in Verbindung setzen.

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