Tödliche Bakterien: Wilke Wurstwaren gehen in die Insolvenz / Homepage ist abgeschaltet

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Nach dem tödliche Keime die Behörden am 2. Oktober 2019 zwangen, die Fabrik in Berndorf zu schließen und eine weltweite Rückrufaktion der Produkte des mittelständischen Unternehmens anzuordnen, hat die GmbH nun Insolvenz angemeldet.

Die Geschichte der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH wird nach etwas mehr als 80 Jahren ein unschönes Ende nehmen. So sieht es zumindest im Moment aus.

Twistetal - Nach dem tödliche Keime die Behörden am 2. Oktober 2019 zwangen, die Fabrik in Berndorf zu schließen und eine weltweite Rückrufaktion der Produkte des mittelständischen Unternehmens anzuordnen (siehe vorangegangenen Bericht), hat die GmbH nun Insolvenz angemeldet.

Die vorläufige Verwaltung des Vermögens der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH ist am 4. Oktober 2019 um 12.35 Uhr seitens des Amtsgerichts in Korbach angeordnet worden.

Jetzt steht alles still und vom guten Ruf, den die beliebte Dorfmetzgerei einst begründete und mit dem sie regionale Grenzen sprengte, ist aktuell wenig übrig. Beständig hatte es das Unternehmen über die Jahrzehnte geschafft, zu einem mittelständischen Fleischproduzenten zu wachsen, der den Großhandel in Deutschland belieferte und Bestellungen aus der ganzen Welt entgegennahm. Nun muss sich die Arbeitsagentur um 200 Mitarbeiter kümmern. Und einige Landwirte im Landkreis müssen sich neue Abnehmer suchen.

Laut Geschäftsführer Klaus Rohloff stammte das Fleisch aus dem unmittelbaren Einzugsgebiet. So stand es auf der mittlerweile abgeschalteten Homepage. Dort waren auch einige Partnerbetriebe aufgeführt, die nun den Abnehmer Wilke verloren haben. Dazu zählten Landwirte in Bad Arolsen, Korbach, Twistetal und Vöhl.

Regionalität wurde auch hier groß geschrieben, auch wenn andere, überregionale Großlieferanten in Berndorf gesichtet wurden. Wilke war zudem Kooperationspartner eines heimischen Schlachthofes, der bekanntlich, wie auch der andere Schlachthof im Landkreis von der Verwaltung favorisiert werden, wenn es darum geht, auch in Zukunft Fleisch aus der Region für die Region zu verarbeiten. Mit Wilke wird in der heimischen Produktionskette ein Baustein fehlen, wenn es aus wirtschaftlicher Sicht zum Schlimmsten kommt.

Pressemitteilungen von Dr. Oetker und Kaufland zu Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH

Die Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG teilte inzwischen mit, dass sie entgegen der in einem Werbevideo aus dem Jahr 2018 von der Geschäftsleitung der Firma Wilke Fleisch- und Wurstwaren KG getätigten Aussage für die Dr. Oetker TK-Pizzen keine Wurstwaren (Salami) von der Firma Wilke aus Twistetal-Berndorf beziehe. „Es besteht keine Geschäftsbeziehung zu dem inzwischen behördlich geschlossenen Wurstwarenhersteller“, heißt es in der Pressemitteilung.

Bei Kaufland wurden ausschließlich in den Märkten in Schmalmstadt, Korbach und Biedenkopf Wilke-Produkte auch an der Frischetheke verkauft. Das teilte Kaufland mit. Man habe sofort reagiert und die betroffenen Produkte aus dem Verkauf genommen.

Behörden mussten handeln

Dass der Landkreis, die Regierungspräsidien in Kassel und Darmstadt sowie das Ministerium handeln mussten, ist nach den zwei Todesfällen und weiteren 37 Patienten, die aktuell unter Listerien leiden, unumstritten. Die Keimprobleme bei Wilke Wurstwaren ließen über Monate nicht in den Griff kriegen. Zuletzt musste sogar die Probenentnahme vom Landkreis überwacht werden, weil es Unstimmigkeiten gab. Davor wurden immer engmaschiger beprobt und in immer kürzeren Abständen desinfiziert: ohne Erfolg. Eine reguläre Produktion mit den angegeben 300 Tonnen an Roh-, Brüh-, und Kochwurstartikel pro Woche konnte da kaum mehr stattgefunden haben.

Fotos von verschimmelter Wurst und Schimmel an Rohrleitungen veröffentlicht

Auf der Homepage hieß es bislang: „Wir bieten ihnen Fleisch aus höchster Bio-Qualität ... Wir setzen auf klassische Handwerkskunst, traditionelle Rezepte und arbeiten mit hochmodernen Maschinen für beste Ergebnisse und beste Qualität für Sie.“ Doch das klingt unglaubwürdig in Anbetracht der Aufnahmen von verschimmelter Wurst und Schimmel an Rohrleitungen. Mehr dazu auch hier...

Die Listerien kehrten immer wieder zurück. Der Wursthersteller überließ die Reinigung und Desinfektion der belasteten Schneideautomaten einer Fremdfirma. Das Wasser in der Wurstfabrik stammt aus einem Brunnen und nicht aus der Leitung. Feuchtigkeit, die in solchen Produktionsstätten, unvermeidlich ist, soll dort aber auch durch bauliche Mängel problematisch geworden sein. So fehlt es bei den Rohrleitungen unter der Decke an einer Isolierung, die heute üblich ist. Kondensiertes Wasser konnte so von den Metallrohren wieder zurück auf die Maschinen und den Boden herabtropfen.

Wieviele sind betroffen? - Hohes Risiko für Senioren, Schwangere und Kinder

Feuchtigkeit ist für Keime und Bakterien, wie Listerien, ein willkommener Nährboden und das wiederum wird gefährlich für Menschen mit geschwächtem Immunsystem: lebensgefährlich.

Senioren, Schwangere und Kinder zählen zur Risikogruppe. Da Hotels, Kliniken, Altenheime, der Einzelhandel und Kantinen beliefert wurden, kann es durchaus sein, das viel mehr Menschen betroffen sind oder waren, als bisher bekannt.

Alles zu Listerien

„Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektion durch Listerien meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Muskelschmerzen oder Erbrechen und Durchfall. Wichtig zu wissen ist, dass sich Listerien auch bei niedrigen Temperaturen, also z. B. auch im Kühlschrank, vermehren können. Gute Wachstumsmöglichkeiten (im Vergleich zu Konkurrenzkeimen) haben Listerien sowohl bei langen Lagerzeiten unter Kühlung als auch bei reduziertem Sauerstoffangebot (z. B. in Vakuumverpackungen von Brühwürsten, Lachs und Räucherfisch).“ Quelle und mehr dazu beim bayerischen Landesamt für Gesundheit...

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