Den toten Winkel im Blick: NVV testet Abbiegeassistenten an Linienbussen

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Der NVV und der Landkreis Waldeck-Frankenberg machen gemeinsame Sache bei der Einführung von Abbiegeassistenzsystemen für Linienbusse. Wolfgang Rausch (NVV, links) und Landrat Dr. Reinhard Kubat machten sich ein Bild bei der Probefahrt mit Busfahrer Klaus Eckel.

20 Busse will der NVV mit Unterstützung des Landkreises zur Probe mit 2 Abbiegeassistenzsystemen ausrüsten. Das lassen sich die Partner etwa 50.000 Euro kosten.

Waldeck-Frankenberg - Immer wieder kommen Personen bei Abbiegevorgängen von Bussen oder Lastkraftwagen zu Schaden, weil die Fahrer sie im toten Winkel nicht sehen. Kommt es zur Kollision, endet diese dann häufig tragisch. Um solche Unfälle zu vermeiden, haben sich der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) und der Landkreis Waldeck-Frankenberg zusammen getan und den Probebetrieb von zwei Abbiegeassistenzsystemen gestartet.

Die Testphase soll zwei Jahre dauern. In dieser Zeit werden 20 Linienbusse des NVV mit den kamerabasierten Abbiegeassistenten in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Kassel sowie in der Stadt Kassel unterwegs sein.

Eines der beiden Systeme wird von der Firma Luis Technology mit Sitz in Hamburg unter dem Namen „Magic Eye“ produziert und wurde nun bei einer Probefahrt vorgestellt. „Es handelt sich dabei um ein Nachrüstsystem“, erläutert Wolfgang Rausch, Geschäftsführer des NVV. Das habe den Vorteil, dass mit Blick auf die 700 Busse des Verkehrsverbundes möglichst schnell reagiert werden könne.

Darüber hinaus sind die Kosten, die je zur Hälfte vom Landkreis sowie vom NVV getragen werden, verhältnismäßig überschaubar. Die Nachrüstung kostet 1.500 bis 2.500 Euro pro Bus, je nach Fahrzeugtyp, wodurch sich die Ausstattung der 20 Linienbusse auf 30.000 bis 50.000 Euro beläuft. Zum Vergleich: Ein neuer Linienbus mit eingebautem Abbiegeassistenzsystem ist knapp 300.000 Euro teuer.

Auf dem Bildschirm erkennt der Fahrer, ob sich eine Person im toten Winkel des Busses befindet. Das System warnt ihn darüber hinaus mit optischen und akustischen Signalen.

Die Verantwortlichen sehen bei den kamerabasierten Nachrüstsystemen jedoch noch einen weiteren Vorteil zu anderen, radarbasierten Systemen: sie können zwischen beweglichen und statischen Objekten unterscheiden. Die Technik des „Magic Eye“ besteht aus einer Kamera, die auf den toten Winkel an der rechten Seite des Busses gerichtet ist, einem Bildschirm am Armaturenbrett des Fahrers sowie einer „klugen Box“, die dazwischen geschaltet ist, erklärt Bastian Dorsch von der Firma Luis.

Die Box unterscheidet zwischen beweglichen und statischen Objekten und erkennt, ob sich Objekte annähern oder entfernen. Sichtet das System ein Objekt im toten Winkel verfärbt sich ein im Bildschirm angezeigter Rahmen von grün nach rot. Setzt der Busfahrer dann den Blinker rechts, erfolgt ein zusätzliches akustisches Signal, um ihn zu warnen. Aktiv wird das System erst bei einer Geschwindigkeit unter 30 Kilometern pro Stunde. „Das sorgt dafür, dass der Fahrer nicht mit Signalen überlastet wird“, erläutert Dorsch.

Färbt sich der Rahmen im Display rot, weiß der Fahrer, dass sich ein Objekt, wie beispielsweise ein Radfahrer, im toten Winkel befindet.

Anfang des Jahres hatte das Bundesverkehrsministerium Fördermittel für Abbiegeassistenzsysteme bereitgestellt, die jedoch schnell vergriffen waren. Dann passierte in Bad Arolsen ein tragischer Unfall, bei dem eine Schülerin am Bahnhof von einem abbiegenden Bus erfasst wurde und verstarb. Deshalb entschieden sich die Verantwortlichen um Dr. Reinhard Kubat, der nicht nur Landrat, sondern auch Aufsichtsratsvorsitzender beim NVV ist, die Umrüstung auch ohne Fördermittel schnell zu vollziehen. „Die Busfahrer tragen eine große Verantwortung. Wir wollen ihnen diese Hilfestellung geben, um ihnen ein wenig Last von den Schultern zu nehmen“, so der Landrat.

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