SPD Unterbezirksvorstand tagt in Frankenau

Frankenau. Als Tagungsort für seine Novembersitzung hatte der SPD Unterbezirksvorstand den Frankenauer Hof in Frankenau ausgewählt. Das Lokal wird v

Frankenau. Als Tagungsort für seine Novembersitzung hatte der SPD Unterbezirksvorstand den Frankenauer Hof in Frankenau ausgewählt. Das Lokal wird von der Lebenshilfe Waldeck-Frankenberg betrieben. "Hier wird ganz selbstverständlich seit vielen Jahren Inklusion praktiziert, deshalb haben wir uns auch entschieden, hierher zu kommen", begründete Unterbezirksvorsitzender Dr. Christoph Weltecke (Korbach) die Wahl des Tagungsortes. "Schon lange bevor Inklusion zum zentralen gesellschaftlichen Thema geworden ist, hat die Lebenshilfe das barriere- und vorurteilsfreie Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung umgesetzt".

Um von diesen Erfahrungen zu profitieren und um Argumente für die aktuelle Diskussion zu gewinnen, hatte der Unterbezirksvorstand den Bereichsleiter Wohnen des Lebenshilfewerks Waldeck-Frankenberg, Theo Brömmelhaus, zu einem Vortrag eingeladen. Brömmelhaus ist zugleich auch Vorsitzender des SPD Ortsvereins Helsen.

So wies er gleich zu Beginn seines Vortrags darauf hin, dass Inklusion ein originär sozialdemokratisches Thema ist. "Der Gleichheitsgrundsatz aller Menschen ist ein fester Bestandteil unseres Programms, ein ethisches Gebot, das in Deutschland mit dem Grundgesetz Verfassungsrang erhalten hat. Der Artikel III des Grundgesetzes regelt die Gleichheit aller Menschen umfassend".

Aber Inklusion bezeichne auch einen Paradigmenwechsel, eine radikale Änderung der Betrachtungsweise im Hinblick auf bestimmte Themen. Ausgangspunkt sei die Verabschiedung der Behindertenrechtskonvention durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 13. Dezember 2006 gewesen. Die Bundesrepublik Deutschland hat die Konvention am 30. März 2007 unterzeichnet, mit der Ratifizierung am 26. März 2009 wurde sie in allen Teilen verbindlich.

Aus seiner beruflichen Erfahrung plädierte Brömmelhaus dafür, den Prozess der Inklusion nicht bis zum Ende durchzuplanen, sondern sich pragmatisch auf den Weg der Umsetzung zu begeben. Voraussetzung sei, dass man die Unterschiedlichkeit der Menschen anerkenne und gleichwohl Menschen mit Behinderung die uneingeschränkte Teilhabe am täglichen Leben ermögliche. Kritisch sah Brömmelhaus den Besuch der Förderschulen. Erfahrungsgemäß wachse dort der Leistungsrückstand. Auch dem Einwand, die Umsetzung von Inklusion in den Schulen sei derzeit finanziell nicht leistbar, erteilte der Experte des Lebenshilfewerks eine Absage.

Man könne die Schulformen ohne allzu großen finanziellen Aufwand mischen und parallel laufen lassen. Auf 1000 Schüler kämen durchschnittlich 8 Schülerinnen und Schüler mit Behinderung, eine Größenordnung also, die durchaus integrierbar sei. Allerdings müsse die Sozialpädagogik einen höheren Stellenwert innerhalb der Lehrerausbildung erhalten.

Nach der 4. Klasse sei Inklusion aber nur dann erfolgreich zu betreiben, wenn das Schulsystem nicht einseitig auf Auslese ausgerichtet werde. Neben finanziellen und institutionellen Ressourcen forderte Brömmelhaus auch ein differenziertes Beratungsangebot, um der Inklusion zum Erfolg zu verhelfen. Die in diesem Jahr aufgrund einer SPD-Initiative im Kreistag eingerichteten Pflegestützpunkte sah der Referent als guten Einstieg auf diesem Weg.

Unterbezirksvorsitzender Christoph Weltecke bedankte sich namens des gesamten Gremiums für den Vortrag, der deutlich aufgezeigt habe, in welche Richtung die Politik sich bewegen muss, wenn Inklusion ein Erfolgsmodell werden soll.

Weitere Tagesordnungspunkte der Unterbezirksvorstandssitzung beschäftigten sich mit der Vorbereitung der Bundes- und Landtagswahl 2013 sowie mit dem SPD Bürgerdialog, einer Aktion der Bundespartei zur Erarbeitung eines Regierungsprogramms unter Bürgerbeteiligung.

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