Versuchter Mord in 91 Fällen: Prozessauftakt gegen Amokfahrer von Volkmarsen

Am 24. Februar 2020 war ein Mann beim Faschingsumzug mit dem Auto in die feiernde Menschenmenge gerast und hatte rund 90 Menschen, darunter viele Kinder, zum Teil schwer verletzt.
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Am 24. Februar 2020 war ein Mann beim Faschingsumzug mit dem Auto in die feiernde Menschenmenge gerast und hatte rund 90 Menschen, darunter viele Kinder, zum Teil schwer verletzt.

Versuchter Mord in 91 Fällen wird Maurice P. vorgeworfen, genauso wie gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen sowie gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, nachdem er 2020 mit seinem PKW in den Rosenmontagumzug in Volkmarsen gerast war.

Volkmarsen. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte im Dezember Anklage gegen den Amokfahrer von Volkmarsen erhoben. Heute, 3. Mai 2021, ist Prozessauftakt in Kassel. In den dortigen Messehallen ist Platz für 400 Zuschauer geschaffen worden.

Versuchter Mord in 91 Fällen wird Maurice P. vorgeworfen, genauso wie gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen sowie gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Seitens der Staatsanwaltschaft ist eine 172 Seiten umfassende Anklageschrift erstellt worden sein. Der Täter habe mit der Absicht, Menschen zu töten sein Fahrzeug ungebremst und bewusst mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 Kilometer pro Stunde in die Teilnehmer und Zuschauer des Rosenmontagsumzugs in Volkmarsen gesteuert.

Auf einem Straßenabschnitt von rund 42 Metern wurden viele Menschen erfasst, die dort dicht gedrängt standen und feierten. Nach Erkenntnissen der Ermittler war die Tat geplant und vorbereitet

Maurice P. soll sein Auto bereits am Tag zuvor so geparkt haben, dass er mit seinem Mercedes in den eigentlich abgesperrten Bereich des Umzugs fahren konnte. Sogar eine kleine Videokamera, eine „Dashcam“, sei im Fahrzeug verbaut gewesen. Ob er damit die Tat filmen wollte, ist unklar. Der Amokfahrer hat sich bislang nicht zu der Tat geäußert und bleibt ein Motiv schuldig.

Hinweise auf einen politischen oder religiösen Hintergrund fanden sich nicht. Während der brutalen und hinterhältigen Attacke auf die friedlich feiernden Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen stand er weder unter dem Einfluss von Alkohol, Medikamenten oder Drogen.

Von den 90 verletzten Menschen erlitten einige teils schwere Verletzungen. 20 von ihnen wurden stationär in Krankenhäusern behandelt, einige darunter auf der Intensivstationen. Laut Staatsanwaltschaft sei eine Vielzahl weiterer Menschen vor Ort durch die Tat traumatisiert und psychisch beeinträchtigt worden.

Christian Diste, der Vorsitzender der Volkmarser Karnevalsgesellschaft, ist beim Prozessauftakt dabei. Er erklärt gegenüber Radio FFH, das die Teilnahme wichtig ist für die Verarbeitung: „Ich hab schon irgendwie noch immer die Hoffnung, dass er vielleicht mal was sagt, also das es sagt, warum er das getan hat. Das wäre mein Wunsch an den Prozess, dass das Warum irgendwie eine Antwort bekommt.“

Volkmarsens Bürgermeister Hartmut Linnekugel weiß, dass die Bürgerschaft froh über den Prozessauftakt ist und große Erwartungen an die Justiz stellt. "Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass die Menschen das Gesicht auch mal sehen. Die Menschen sind und werden durch den Prozess sicherlich auch aufgewühlt sein, aber irgendwo wartet man natürlich auch drauf, wenn ein Urteil gesprochen ist, das dass mal abgeschlossen werden kann", so Linnekugel gegenüber FFH.

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