Viele Patienten wünschen sich eine Cannabis-Therapie

Der Cannabis-Report der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt: Medizinisches Cannabis ist nur selten eine Alternative zu den bewährten Therapien, kann Patienten aber im Einzelfall helfen. Viele Patienten setzen große Hoffnungen auf diese Therapie.

Hessen - Seit März vergangenen Jahres können Ärzte bei schwerwiegenden Erkrankungen Cannabis verschreiben. Viele Patienten setzen große Hoffnungen auf diese Therapie. Das belegt auch eine Forsa-Umfrage im Auftrag der TK.

Demnach befürworten 93 % der Menschen in Hessen, Rheinland Pfalz und dem Saarland, dass Ärzte Cannabis bei schweren Erkrankungen auf Rezept als Medikament verschreiben können.

Unterdurchschnittliche Verordnungen in Hessen

"Wir sind froh, dass wir mit Cannabis schwer kranken Versicherten eine weitere Therapiealternative anbieten können. Die Studienlage zur Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabis als Medizin ist bislang allerdings noch lückenhaft", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen. Seit 2017 ist die Kostenübernahme von medizinischem Cannabis im Sozialgesetzbuch geregelt. Bis März 2018 sind bei der TK bundesweit rund 2.90

 Anträge auf Kostenübernahme eingegangen. Positiv entschieden wurden nach Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) 64 Prozent. Mit 90 abgerechneten Verordnungen pro 100.000 Versicherten liegt Hessen im bundesweiten Vergleich unter dem Durchschnitt aller Bundesländer, der sich auf 118 Verordnungen beläuft.

Kaum wissenschaftliche Erkenntnisse zu Cannabis als Medizin

Mit dem Cannabis-Report, der in Kooperation mit der Universität Bremen entstanden ist, möchte die TK die Vor- und Nachteile dieser Therapie beleuchten und Ärzten und Patienten eine Orientierung bieten. Der Report zeigt: Es ist unklar, welchen Patientengruppen medizinisches Cannabis in welcher Dosis hilft und in welcher Form es am besten verabreicht werden sollte.

Wenn Cannabis jedoch für einen bestimmten Patienten sinnvoll ist, betreten die Mediziner häufig Neuland. Aus Sicht der TK sollten daher der noch mangelhafte Nachweis der Wirksamkeit sowie die Nebenwirkungen der Therapie untersucht werden. Die Behandlung von Schmerzen ist der häufigste Grund für einen Antrag auf Kostenübernahme von medizinischem Cannabis bei der TK.

Menschen in Hessen wollen Cannabis als Medizin

Die Verwendung von Cannabis als Medizin ist bei den Menschen in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland weitgehend akzeptiert. Laut Forsa-Umfrage ist jeder Zweite (49%) in diesen Ländern der Meinung, dass Cannabis nicht nur bei schweren, sondern auch bei leichteren Erkrankungen verschrieben werden sollte. Dass Cannabis ein gutes Medikament ist, weil es pflanzlich ist, meinen 65 Prozent der Befragten. Jeder Zweite (54 Prozent) glaubt, dass Cannabis weniger Nebenwirkungen hat als herkömmliche Medikamente. Der Cannabis-Report weist jedoch darauf hin, dass auch pflanzliche Arzneimittel unerwünschte Wirkungen auslösen können. Wenn ein Mittel wirkt, sind auch Nebenwirkungen zu erwarten. Immerhin seien laut Forsa-Umfrage 58 Prozent der Befragten der Meinung, dass Cannabis auch als Medikament schnell süchtig machen kann.

Die Techniker Krankenkasse hat die Ergebnisse des Cannabis-Reports für Ärzte und interessierte Patienten unter www.tk.de/cannabis aufbereitet.

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