Vielfalt aus der Leitung: Im Landkreis ist Wasser nicht gleich Wasser

Die Quelle in Lengefeld, erbaut 1911.
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Die Quelle in Lengefeld, erbaut 1911.

Von der feinen Mineralisierung bis hin zu uranhaltigen Quellen findet sich ein breites Spektrum an Wassersorten in unserem „Untergrund“.

Von Dr. REINHARD KUBAT

Waldeck-Frankenberg. Wasser ist nicht gleich Wasser. Diese Feststellung betrifft nicht nur den Unterschied zwischen Salz- und Süßwasser, sondern die Differenzierung ist noch viel feiner. Beschaffenheit und Qualität des Wassers sind von zahlreichen Faktoren abhängig, nicht zuletzt vom geologischen Untergrund.

Diesbezüglich weist Waldeck-Frankenberg eine enorme Vielfallt auf, die sich auch im Wasser wiederfindet. Von der feinen Mineralisierung bis hin zu uranhaltigen Quellen findet sich ein breites Spektrum an Wassersorten in unserem „Untergrund”.

Unser Landkreis ist vielfältig, mit Bergen, Wäldern, Flüssen, Seen und Feldern. Nicht auf den ersten Blick erschließt sich die geologische Vielfalt Waldeck-Frankenbergs. Betrachtet man die „Geologische Landkarte Deutschlands“, so erscheint der nordhessische Teil, besonders unser Landkreis, wie eine Patchwork-Decke aus unterschiedlichsten Gesteinen, Störungszonen und Schichtgrenzen. Diese Gesteine wiederum prägen die Chemie unseres Trinkwassers.

Auf dem langen Weg durch Felsen und Sedimente löst das Wasser unterschiedlichste Mineralien. Diese Spurenstoffe prägen den Geschmack und die Eigenschaften unserer Trinkwässer. Hierdurch entstehen sehr vielfältige Wässer. Da sind die Mineralwässer in Bad Wildungen, in der Gemeinde Edertal, in Bad Arolsen und Volkmarsen, mit teilweise sehr großen Mengen an gelösten Mineralien. Aber auch Wässer aus dem Zechstein um Korbach, mit hohen Calcium - und Magnesiumanteilen, oder sehr weiche Wässer aus den Sandsteinen des Burgwalds oder der Waldecker Tafel um Bad Arolsen.

Ein weiteres Beispiel für die Vielfalt ist, dass alle Städte und Gemeinden Waldeck-Frankenbergs über eine eigene Trinkwasserversorgung verfügen. Auf kurzen Wegen gelangt das Wasser immer frisch zum Verbraucher.

Frisch ist hier relativ, denn einige Wässer warten Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte im Boden darauf, getrunken zu werden. Teilweise wurden zur Gewinnung des Wassers Brunnen gebohrt, die tiefsten erschließen Vorkommen in bis zu 270 Metern Tiefe. An einigen Stellen tritt Grundwasser auch natürlich zu Tage, an geologischen Verwerfungen oder Störungszonen können Quellen austreten. Diese wurden schon früher mit Hilfe von Sammelrohren oder Kiesdrainagen erschlossen und zu Trinkwasserspeichern geleitet. Einige Quellen im Landkreis stammen aus der Zeit vor 1900 und werden noch heute unverändert zur Wassergewinnung genutzt.

Durchaus können sich auch nicht erwünschte, natürlich vorkommende Spurenstoffe in unser Trinkwasser lösen. Ein Beispiel hierfür sind geogene auf natürliche Weise in der Erde entstandene) radioaktive Stoffe wie Radon, Uran, Radium, Blei oder Polonium. Mit aufwändigen Analysen wurden diese Stoffe vor zwei Jahren in jeder Trinkwasser-Gewinnungsanlage im Landkreis vierteljährlich analysiert. Wasserversorger und Gesundheitsamt waren erleichtert, dass alle Grenzwerte eingehalten bzw. auch weit unterschritten wurden.

Radioaktive Stoffe, über Nahrungsmittel oder Wasser aufgenommen oder Radon-Gas eingeatmet, stellen für Menschen ein besonderes hohes Gesundheitsrisiko dar.

Hohe natürliche Urangehalte in unserem Landkreis finden sich in den Buntsandsteinen um Wrexen.

Sehr deutlich wird die Verschiedenheit unserer Wässer durch die Trinkwasseranalysen, welche regelmäßig durchgeführt werden. Aber auch geschmacklich unterscheiden sich unsere Trinkwässer teilweise deutlich. So entsteht bei sehr calciumhaltigen Wässern oft ein trockenes Gefühl im Mund. Magnesium kann bittere bis süßliche Geschmackseindrücke verursachen, mineralstoffarme Wässer schmecken sehr „rein“ bis neutral. Nur die wenigsten Wässer in Waldeck-Frankenberg müssen nach der Förderung aufbereitet werden, in den meisten Fällen ist dann nur die natürlich vorkommende Kohlensäure zu entfernen.

Im nächsten Teil der Serie rund ums Wasser lesen Sie eine Anleitung zum sorgfältigen Umgang mit einer gefährdeten Ressource.

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