Virus verunsichert Vereine: Geld und Mitglieder werden bei den Sportlern knapper

Die Vereine rechnen vor allem dann mit einem Mitgliederrückgang, wenn der Sport- und Wettkampfbetrieb erneut ausgesetzt werden sollte.
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Die Vereine rechnen vor allem dann mit einem Mitgliederrückgang, wenn der Sport- und Wettkampfbetrieb erneut ausgesetzt werden sollte.

Geld und Mitglieder werden bei den Sportvereinen knapper wegen der fortschreitenden Coronakrise.

Hessen - „Mehr als die Hälfte der hessischen Sportvereine erwartet im Corona-Jahr 2020 und auch im nächsten Jahr finanzielle Einbußen. Mehr als 20 Prozent bewerten die finanzielle Situation ihres Vereins insgesamt als schlecht. Darüber hinaus geht ein Drittel der Vereine von einem deutlichen Mitgliederrückgang aus“, umfasst der Landessportbund Hessen Ergebnisse einer Vereinsumfrage zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Der Blick auf die Vereinsfinanzen bereite manchem Vorstand Kopfzerbrechen. Finanzielle Defizite erwarten die Sportvereine vorwiegend aufgrund von ausgefallenen Veranstaltungen, Einbußen im Bereich Vereinsgaststätte/Verkauf von Speisen und Getränken, im Spiel- und Sportbetrieb Kursgebühren, Eintrittsgelder etc.) sowie beim Sponsoring, legt Andreas Klages dar.

„Die Bandbreite der erwarteten Verluste ist dabei so unterschiedlich wie es auch unsere Vereine sind. Sie reicht von 1.800 bis 24.000 Euro und beträgt im Mittel 5.455 Euro.“ Diese Einschätzungen wurden jedoch im Sommer vorgenommen. Die Stimmung sei damals eher optimistisch gewesen. „Erst wenn der kommende Winter um ist, können wir alle abschätzen, wie schwerwiegend die finanziellen Folgen tatsächlich sind“, ergänzt Präsident Dr. Rolf Müller.

Es sei klar, dass insbesondere Groß- und Mehrspartenvereine und Vereine mit eigenen Sportstätten erhebliche wirtschaftliche Schäden haben. Bereits bis Juni hatten mehr als 400 Vereine Finanzhilfen beim Hessischen Ministerium des Innern und für Sport und beim Regierungspräsidium Kassel beantragt, fast 900 Vereine beabsichtigten eine Beantragung.

Die Umfrage macht aber auch weitere Probleme deutlich. Ein Drittel der rund 7.600 hessischen Sportvereine hatte sich daran beteiligt, nämlich 2.522.

„Das ist eine außergewöhnlich hohe Zahl, die die starke Verunsicherung und den Problemdruck, der auf den Vereinen lastet, zeigt“, sagte Hauptgeschäftsführer Andreas Klages am Mittwoch bei der Vorstellung der Ergebnisse. Viele der Vereine hätten auch die Möglichkeit genutzt, in der Umfrage ihre Sorgen, Erfahrungen, und Erwartungen zu äußern und auch Kritik zu üben. Die Angst vorm Mitgliederschwund ist gewachsen. „Wie hoch die Zahl der Austritte sein wird, lässt sich heute nur sehr eingeschränkt prognostizieren. Im Mittel gehen die Vereine, die mit Austritten rechnen, von einem Rückgang um 11,6 Prozent aus“, so Andreas Klages.

Die Vereine rechneten vor allem dann mit einem Mitgliederrückgang, wenn der Sport- und Wettkampfbetrieb erneut ausgesetzt werden sollte.

Zudem sehen die Vereine vor dem Hintergrund des reduzierten Sportbetriebs und des eingeschränkten Vereinslebens im Jahr 2020 kaum Chancen, die normale Mitgliederfluktuation durch die Gewinnung neuer Mitglieder auszugleichen. „Angesichts der aktuell wieder stark ansteigenden Infektionszahlen ist zu befürchten, dass sich diese Tendenz verschärft.“ Das sieht der Präsident genauso.

„Unsere Vereine werden von ihren Mitgliedern aber nicht nur als Dienstleister in Sachen Sport betrachtet. Genauso wichtig wie das Sporttreiben sind ihnen das soziale Miteinander, der Austausch und die Gemeinschaft im Sport. All das macht das Vereinsleben aus und all das fehlte im Frühjahr und ist nun wieder bedroht“, blickt Müller durchaus sorgenvoll in die Zukunft. In der Umfrage geäußerte Kommentare wie „Ohne soziales Miteinander zerfällt der Verein“ oder „Wenn wir in Zukunft weiter Abstand halten müssen, wird unser Verein das nicht überleben“ bestätigen diese Ansicht.

Müller appelliert deshalb an Land und Kommunen, dies ebenso wie die gesundheitsfördernden Aspekte des Sports bei allen Entscheidungen zu bedenken. Außerdem gelte es, künftig klarer und einheitlicher zu kommunizieren und zu handeln als bislang, sagte er in Richtung der Politik. „Unsere Vereine haben das Nebeneinander von Landesverordnung mit den zum Teil von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlichen Festlegungen und politischen Empfehlungen auf Bundesebene im Frühjahr und Sommer nicht nur als sehr verwirrend wahrgenommen. Unklare Regelungen haben die ehrenamtliche Arbeit erschwert.“ Daraus sollte man in der zweiten Welle lernen.

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