Virusforschung im Untergrund: Abwasser zeigt früher Corona-Inzidenzen

Archivbild
+
Archivbild

Neuinfektionen mit dem Coronavirus bilden nur das Infektionsgeschehen der vergangenen Wochen ab. Ein vom Land Hessen unterstütztes Projekt soll nun helfen, die Verbreitung besser zu analysieren. Dafür gegen die Forscher in den Untergrund und untersuchen das Abwasser.

Hessen. Neuinfektionen mit dem Coronavirus bilden nur das Infektionsgeschehen der vergangenen Wochen ab. Ein vom Land Hessen unterstütztes Projekt soll nun helfen, die Verbreitung besser zu analysieren. Dafür gegen die Forscher in den Untergrund und untersuchen das Abwasser.

Infektionsprognosen durch Abwasser-Analytik

Die Forschenden um Professorin Susanne Lackner an der TU Darmstadt werten seit Juni 2020 Abwasserproben aus dem Frankfurter Stadtgebiet aus. Das Prinzip: Infizierte Personen scheiden Coronaviren mit dem Stuhl aus, deren Erbgut sich mit etablierten PCR-Techniken nachweisen lässt – und das auch bereits, bevor die ersten Symptome auftreten. Die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion PCR) ist eine Methode zur gezielten Vervielfältigung von DNA-Fragmenten im Labor. Damit lässt sich womöglich das Infektionsgeschehen im Einzugsgebiet präziser und aktueller erfassen, als dies mit der bekannten Infektionsstatistik möglich ist. Ziel war es daher, eine gut umsetzbare Methode für ein Abwasser-Monitoring auf SARS CoV 2 zu realisieren, das als wertvolle Entscheidungshilfe zur Bewertung des Infektionsgeschehens dienen könnte. „Bereits ca. 5 bis 10 Tage vor den gemeldeten Inzidenzen konnten wir den Trend anhand des von uns durchgeführten quantitativen Nachweis abbilden“, berichtet Lackner aus dem Projekt, das vom Hessischen Wirtschaftsministerium gefördert und vom „Technologieland Hessen“ der Hessen Trade Invest HTAI) mit initiiert wurde. Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der HTAI, sagt: „Wir vernetzen Unternehmen und Wissenschaftler mit politischen Entscheidungsträgern, um gemeinsam über die Herausforderungen beim Aufbau eines Abwasser-Monitoring-Systems zu diskutieren und Lösungsansätze zu finden.“

Internationales Expertentreffen am 9. und 10. Februar

Auch in anderen europäischen Ländern wird das Konzept des Abwasser-Monitorings mit verschiedenen Ansätzen verfolgt. Allen gemein sind die Herausforderungen, geeignete Lösungen für die effiziente Beprobung, Analytik und Datenauswertung zu entwickeln. Hierbei ist die Vernetzung verschiedener Akteure und ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch besonders wichtig. Zudem ergeben sich Chancen für neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Das Technologieland Hessen unterstützt diese Entwicklung mit der Veranstaltung „Coronaviren im Abwasser – Monitoring von SARS-CoV-2 im Kanalnetz“.

Vom 9. bis 10. Februar kommen Unternehmen und Wissenschaftler aus den Bereichen Abwasserbehandlung, PCR-Analytik und Data Sciences zusammen, um gemeinsam über die Herausforderungen und Lösungsansätze beim Aufbau eines Abwasser-Monitoring-Systems zu diskutieren.

Den Auftakt bildet eine digitale Science Session, auf der das hessische Projekt und vier weitere europäische Forschungsprojekte von ihren Ergebnissen und Erfahrungen berichten. Am Folgetag wird das Programm mit der Präsentation verschiedener Lösungsansätze entlang der Prozesskette fortgesetzt und die Herausforderungen werden diskutiert.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Darknet-Dealer machten Mordsumsatz: „Online-Drogen-Kaufhaus“ in Bad Arolsen fliegt auf

Zollfahnder haben vier mutmaßliche Darknet-Dealer aus Bad Arolsen festgenommen. Bei Durchsuchungen stießen die Ermittler auf riesige Mengen verschreibungspflichtige …
Darknet-Dealer machten Mordsumsatz: „Online-Drogen-Kaufhaus“ in Bad Arolsen fliegt auf

Liederabend zum Jubiläum

Der Gemischte Chor Giflitz plant 2015 einen Liederabend und ein Freundschaftssingen sowie weitere Auftritte in der Region.
Liederabend zum Jubiläum

Das Impfzentrum in Korbach ist einsatzbereit

Innerhalb von zwei Wochen ist es den Mitarbeitern des Landkreises gelungen, das Impfzentrum für 1.000 Impfungen pro Tag in Korbach fertigzustellen.
Das Impfzentrum in Korbach ist einsatzbereit

Hessens Sportler des Jahres kommen aus Bad Wildungen

Im tollen Ambiente des Kurhauses Wiesbaden sind auf der Olympischen Ballnacht des Landessportbundes Hessen Patrick Lange und zum dritten Mal Carolin Schäfer als Sportler …
Hessens Sportler des Jahres kommen aus Bad Wildungen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.