Waldeck-Frankenberg profitiert: Der „8,50-Euro-Daumen“ ist oben

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Ein Jahr nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten für Waldeck-Frankenberg positive Bilanz.

Waldeck-Frankenberg. Der "8,50-Euro-Daumen" ist oben: Ein Jahr nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für den Landkreis Waldeck-Frankenberg eine positive Bilanz. "Zum ersten Mal haben alle Beschäftigten einen festen Lohnsockel unter den Füßen – von der Küchenhilfe bis zur Verkäuferin im Backshop: Wer arbeitet, muss dafür mindestens 8,50 Euro pro Stunde bekommen", sagt Andreas Kampmann. Für den Geschäftsführer der NGG Nord-Mittelhessen ist der gesetzliche Mindestlohn der "Einstieg in den Lohn-Aufstieg für Menschen, die zuvor mit Niedrigstlöhnen abgespeist wurden".

Vom "Schreckgespenst Mindestlohn", vor dem die Arbeitgeber auch in Waldeck-Frankenberg gewarnt hätten, sei nichts übrig geblieben: Der Mindestlohn sei weder "Konjunktur-Bremser" noch "gefährlicher Job-Killer". Die NGG legte dazu jetzt eine aktuelle "Mindestlohn-Analyse" vor, die das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft gemacht hat.Die Wissenschaftler werteten dabei auch die Beschäftigungssituation im Landkreis aus: "Anstatt Servicekräfte oder Küchenpersonal zu entlassen, haben Hotels, Pensionen, Restaurants und Gaststätten neue Kräfte eingestellt. Insgesamt arbeiteten dort im Juni vergangenen Jahres immerhin 2.774 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – und damit 3,2 Prozent mehr als noch im Vergleichsmonat des Vorjahres, als es den gesetzlichen Mindestlohn noch nicht gab", sagt Kampmann. Nach Angaben der NGG Nord-Mittelhessen hat der Mindestlohn zudem dazu geführt, dass etliche Arbeitgeber aus Minijobs reguläre Stellen gemacht haben. Das Lohn-Plus habe dem Landkreis eine höhere Kaufkraft beschert, von der insbesondere auch die heimische Wirtschaft profitiert habe. "Denn Beschäftigte, die den gesetzlichen Mindestlohn bekommen, haben das zusätzlich verdiente Geld eins zu eins in den Konsum gegeben", so Kampmann.

Um diesen Menschen die Chance zu geben, auch Geld für größere Anschaffungen auf die hohe Kante zu legen, müsse der Mindestlohn allerdings steigen: "Unser Ziel ist es, ihn möglichst rasch in einem ersten Schritt auf 10 Euro pro Stunde anzuheben", macht der Geschäftsführer deutlich. Die NGG habe einen ganz wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland vor einem Jahr überhaupt eingeführt worden sei. Jetzt werde die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ebenso hartnäckig daran arbeiten, ihn schrittweise "zu liften".

Für die NGG Nord-Mittelhessen ist eine Erhöhung des Mindestlohns nur konsequent. Das zeige auch eine Renten-Berechnung des Bundesarbeitsministeriums: Um eine Rente von mindestens 769 Euro pro Monat – also gerade einmal die Grundsicherung im Alter – zu bekommen, müsse ein Beschäftigter immerhin mindestens 11,50 Euro pro Stunde verdienen. Und das 45 Jahre lang bei einer Vollzeitstelle. "Ein Leben lang arbeiten und dann doch nur ‚Alters-Hartz-IV‘ bekommen – das kann und das darf es nicht sein. Der gesetzliche Mindestlohn steckt noch in den Kinderschuhen. Aber wir werden ihn groß bekommen", ist sich NGG-Geschäftsführer Andreas Kampmann sicher.

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