Wann ist ein Hund gefährlich?

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Waldeck-Frankenberg. Manche Konflikte mit Vierbeinern machen einen Wesenstest erforderlich.

Waldeck-Frankenberg. Wenn Hunde mit Herrchen oder Frauchen Gassi gehen, geht es meist friedlich und freundlich zu, viele sind ein eingespieltes Team, schließlich gibt es auch so etwas wie Schulen für Menschen und Tiere, deren Lernerfolge dann abrufbar sind. Trotzdem wird gelegentlich der gute Ton vergessen, bei Zweibeinern und Vierbeinern. Manche wollen "nur spielen", aber nicht jedem Zweibeiner ist es angenehm, wenn ein Hund auf ihn zustürzt oder ihn gar anspringt. Bei der Hund zu Hund Begegnung scheint es zunächst unkomplizierter, meist reicht ein gegenseitiges Beschnuppern, um die Lage und Rangordnung zu checken. Gelegentlich geht es aber mal heftiger zur Sache, und wenn Herrchen oder Frauchen nicht dazwischen gehen, fliegen schon mal die Fetzen.

Meist lässt sich so ein Konflikt  auf Augenhöhe bereinigen. Bleiben allerdings körperliche Verletzungen oder Sachschäden zurück, die eine ärztliche Behandlung erforderlich machen, wird es schon unangenehmer, und es gibt eine Menge Ärger. Zwangsläufig kommen dann die Ordnungsbehörden ins Spiel. Entweder "von Amts wegen", sollten sie von der Sache Kenntnis erhalten oder per Anzeige, und dies setzt ein komplexes Verfahren in Gang. Zunächst werden die beteiligen Hundehalter, Kontrahenten, beziehungsweise mögliche Zeugen angehört. Wenn hier Aussage gegen Aussage steht, keine Einigung möglich ist und keine Schäden vorliegen, vor allem beim Konflikt Hund gegen Hund wird der Fall schnell zu den Akten gelegt. Denn meist ist dabei die Sichtweise der Beteiligten durchaus konträr.

Anders ist es, wenn der Nachweis über ein einseitig aggressives Verhalten des Vierbeiners erbracht wird: zerrissene Kleidung oder ärztlich dokumentierte Verletzungen. Dann fordert die Hundeverordnung einen Wesenstest des Hundes mit anschließenden Auflagen im Sinne der "Gefahrenabwehr". Die Verordnung sieht grundsätzlich zwei Kategorien vor: Hunde, die aufgrund ihrer Rasse bereits als gefährlich gelten und solche, die durch einen Wesenstest "nach Wesen und Art" gefährlich sind. Letzteres müssen dann Gutachter herausbekommen, indem sie die Hunde mit Testsituationen konfrontieren. Falls die Hunde in eine der beiden Kategorien fallen, braucht der Halter eine Erlaubnis zum Halten des Hundes, die mit unterschiedlichen Auflagen verbunden ist. Vielen Hundehaltern gefällt das gar nicht. Die meisten halten den eigenen Mitbewohner für ungefährlich, die Mitarbeiter in den Ämtern können nur nach Akten- oder Gesetzeslage entscheiden. Ihnen fehlt die Einsicht in die Hundepsyche.

Die Wesenstests sind nicht unumstritten. Fehleinschätzungen in der Beurteilung von Verhaltensweisen bei Hunden können dazu führen, dass latent gefährliche Hunde unentdeckt bleiben oder "normale" Hunde in ungerechtfertigte Bedrängnis kommen. Deshalb dürfen Wesenstests nur von Experten mit fundierten Kenntnissen der Verhaltensforschung durchgeführt werden. So gibt es eine Liste beim RP Darmstadt mit öffentlich bestellten Gutachtern, die es dann richten. Hat der Hund den Wesenstest nicht bestanden, kann die Behörde je nach Ergebnis Schulungen für Hund und Halter vorschreiben oder  Leinen- und Maulkorbpflicht anordnen.  Der Maßnahmenkatalog ermöglicht auch, die Sicherstellung und Unterbringung in einem Tierheim zu verfügen. Dass ein Hund beim Test "durchfällt", kommt nach Informationen des Eder-Diemel Tipp allerdings sehr selten vor. Wir haben uns bei einem Korbacher Hundeverein umgeschaut. Die Hunde parieren aufs Wort, auch wenn sie auf dem Gelände des Vereins frei herumlaufen. "Wenn der Hund in der Öffentlichkeit angeleint ist und sich alle vernünftig verhalten, gibt es keine Probleme", sagen die Hundezüchter.

EXTRA-INFO: Gefährliche Hunde

Die GefahrenabwehrVO über das Halten und Führen von Hunden enthält ein allgemeines Gebot der Rücksichtnahme. Hunde, auch ungefährliche, sind so zu halten und zu führen, dass von ihnen keine Gefahren ausgehen. Sie dürfen außerhalb des eingefriedeten Besitztums der Halterin oder des Halters nicht unbeaufsichtigt laufen gelassen werden. Ein Verstoß ist bußgeldbewehrt (§ 1 Abs. 1 Satz 2 HundeVO). Gefährliche Hunde darf nur halten, wer eine Erlaubnis der zuständigen örtlichen Ordnungsbehörde erhalten hat (Abs. 3). Gefährliche Hunde sind die in § 2 Abs. 1 HundeVO gelisteten Rassen sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden. Zuletzt aufgenommen in die Rasseliste des § 2 Abs. 1 HundeVO wurde mit ÄnderungsVO vom 16. Dezember 2008 der Rottweiler.

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