Warum wir Weltmeister werden

Von Ralf FeldmannWaldeck-Frankenberg. Bei den Fans schlgt der Puls bereits schneller, und seit gestern gibt es kein Halten mehr: die Welt ist im

Von Ralf FeldmannWaldeck-Frankenberg. Bei den Fans schlgt der Puls bereits schneller, und seit gestern gibt es kein Halten mehr: die Welt ist im Fuballfieber. Auch hart gesottene Fuballmuffel werden zumindest kurzzeitig in den Bann der schwarz-weien Lederkugel gezogen.Keiner wei genau, wie gut die deutsche Mannschaft ins Turnier kommt. Fr Metin Tolan ist die Sache ohnehin klar: Laut seiner Statistik wird Deutschland Weltmeister (siehe Nachgelesen auf Seite 19). Doch viele Mitbrger sind eher skeptisch gegenber Statistiken. Alt-Fuball-Kommentator Werner Hansch bemerkte dazu bei einer Reportage: Nach der Statistik ist jeder vierte Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit.

Treffen der Millionre und Superlative

Aber auch andere Zahlen begeistern. Vor allem diejenigen, die daran verdienen. Die Normalbrger wundern sich gelegentlich. Die teuersten Spieler der Welt sind dabei. Der teuerste, Cristiano Ronaldo spielt fr Portugal und verdient bei Real Madrid rund 35.000 Euro pro Tag. Die hchsten Gehlter werden in Italien, Spanien und Grobritannien bezahlt. Zumindest der Franzose Frank Ribery kann noch einigermaen mithalten und bekommt angeblich bei Bayern Mnchen 1,2 Millionen Euro pro Monat. Der Vorstandschef der Deutschen Bank knnte vor Neid erblassen. Der englische Nationaltrainer geht mit stolzen 8,8 Millionen Euro pro Jahr nach Hause, unser Bundesjogi bekommt immerhin noch 2,5 Millionen. Der Gesamtmarktwert des spanischen Teams ist am hchsten, Deutschland liegt nur auf Platz acht. Ob deshalb die Spanier mit den hchsten Wettquoten auf Platz 1 der Buchmacher gehandelt werden? Und auch die TV-Einnahmen sind auf einem Rekordhoch: 1.700 Millionen Euro. (1954 in der Schweiz waren es noch 10.000 Euro). Auch die Eintrittspreise knnen sich sehen lassen. Fr ein Gruppenspiel: 130 Euro, fr das Finale 730 Euro, dafr kann man etwa 15 Mal in die Oper gehen. Schne neue Fuball-Welt.So freuen sich alle auf ein neues Sommermrchen, aber die Welt wird sich auch danach weiterdrehen, sogar dann, wenn Professor Tolin seine Berechnungen noch einmal korrigieren msste. Drehen nur nicht mehr um den Fuball, sondern wieder um die Sonne, aber die ist ja bekanntlich auch rund und die folgt ganz przise den Gesetzen der Physik. Ob es der Fuball auch tut, wissen wir sptestens am 11. Juli.

Flagge zeigen - aber richtig: Experten-Tipps zum Sommermrchen

Waldeck-Frankenberg. Zur Fuball-Weltmeisterschaft staffieren viele Fans ihren Wagen mit schwarz-rot-goldenen Fahnen aus. Auch ein Auto-Corso gehrt oft zum Feiern dazu. Doch dabei sind einige Dinge zu beachten, um rger zu vermeiden, so die Fachleute von TV NORD Mobilitt. Die Flaggen am Auto sind meist nicht sonderlich haltbar. Bei Fahrten in der Stadt ist das kein Problem, bei berlandfahrten oder auf der Autobahn gehren sie aber ins Auto. Abgerissene Fan-Artikel knnen den Verkehr gefhrden. Die Flaggen drfen niemals so angebracht sein, dass sie fr den Fahrer den Blick versperren. Das gilt auch fr Innen- und Auenspiegel. Auch die Beleuchtung darf auf keinen Fall verhllt sein. Autobesitzer mit nur einem Auenspiegel am Fahrzeug mssen auch die Heckscheibe frei lassen. Zudem ist es verboten, whrend der Fahrt Flaggen an Stangen aus dem Fenster zu halten. Wichtig fr die Fahrt im Auto-Corso: Jeder Fahrer ist dafr verantwortlich, dass Sicht und Gehr nicht beeintrchtigt werden. Die Verkehrsteilnehmer muss sich auerdem so verhalten, dass kein anderer geschdigt, gefhrdet, behindert oder belstigt wird. Bei Versto droht eine Geldbue. Die Bettigung der Lichthupe kann zehn Euro kosten, die Kreuzung blockieren schon 20 Euro. Das Mitfahren auf der Motorhaube oder dem Fahrzeugdach ist purer Leichtsinn, das Hinauslehnen aus dem Auto schon bei geringem Tempo gefhrlich. Wer stehend mitfhrt und den Oberkrper durch das Schiebedach steckt, riskiert gefhrliche Verletzungen. Fahrer sollten alle Mitfahrer zur Besonnenheit mahnen. Dann steht einem neuen Fuball-Sommermrchen nichts im Wege.

Unterwegs fr den Fuball: Joachim Hesses Fuballfahrten geht an den Start

Frankenberg. Pnktlich zur Fuball-Weltmeisterschaft verffentlicht Joachim Hesse sein Buch Fuballfahrten. Der Frankenberger schreibt in seinem zweiten Buch ber seine Erlebnisse bei Fuballspielen in ganz Europa. Mehr als 600 Spiele und Stadien in fast zwanzig Lndern hat der 31-Jhrige bisher erlebt.

Schnell wird klar, dass Fuballfahrten keine Spielberichte liefert, sondern Reiseberichte ber viele kuriose Dinge, die abseits des Spielfeldes oder whrend der Anreise passierten. Als ich mich auf der Fahrt von Dresden nach Prag befinde, bleibt mein Zug pltzlich mitten in Sachsen liegen, da man vergessen hatte aufzutanken, berichtet Hesse. Seine beiden Lieblingsclubs treten in Fuballfahrten eher in den Hintergrund. Viel mehr geht es dem Autor um Sinnlos-Spiele. Das kann dann auch gerne mal die Landesliga in Sachsen-Anhalt oder eine Zweitliga-Partie in Belgien sein. Inzwischen kann er sich sogar als zweifachen Nationalspieler bezeichnen. Im September und November 2007 kickte er mit einer Fan-Auswahl des Deutschen Fuballbundes in Cardiff und Frankfurt gegen Wales. Natrlich ist bei ihm auch das WM-Fieber ausgebrochen: Er fliegt nach Johannesburg und wird drei Spiele live im Stadion erleben.

Nachgelesen: Ein Persnlicher Blick auf das Werk So werden wir Weltmeister von Metin Tolan

Buchtipp. Da haben wir sie also: die mathematische Berechnung, dass Deutschland Weltmeister wird. Mit Statistik und physikalischen Formeln berechnet Metin Tolin, Professor fr Experimentelle Physik an der Technischen Universitt Dortmund, aus den Endrundenergebnissen der letzten 16 Turniere den Vorteil der Deutschen Elf. Danach ist klar: die Deutschen sind in jedem 4. oder 5. Turnier besonders gut und in diesem Durchgang definitiv wieder an der Reihe, Weltmeister zu werden. Wir lernen viel ber Geschichte und Geschichten des Fuballs und die Unbestechlichkeit der Physik. So einfach kann Fuball sein, verrt der Klappentext. Und es gibt noch mehr zu lernen.Tolin rechnet auch aus, dass eine Notbremse (Foulspiel) ab der 62 Minute sinnvoll sein kann, weil falls frher angewandt die eigene Mannschaft fr die verbleibende Spielzeit erheblich im Nachteil wre. Fr den versierten Fan nichts wirklich Neues. Zwei der Akteure auf dem Spielfeld inklusive Schiedsrichter haben mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent am gleichen Tag Geburtstag. Physik macht richtig Spa, wenn wir erfahren, dass der Schiedsrichterassistent physisch gar nicht in der Lage ist, gewisse Verste zu sehen, die auerhalb des eigenen Blickwinkels geschehen. Auch liegt die Wahrscheinlichkeit fr das Heimteam, nach einer 1:0 Fhrung noch zu verlieren, nur bei 6,5 Prozent. Hier knnten die deutschen Jungs punkten, da viele Sdafrikaner erklrte Fans der deutschen Mannschaft sind.Das Buch liest sich in Teilen flssig, ist mit seinen 359 Seiten aber nicht mal eben durchgelesen. Weite Teile haben einen gewissen Unterhaltungswert, in vielen Kapiteln ergeht sich der Verfasser aber in ausgiebigen Abhandlungen ber physikalische Ablufe, Flugkurven, Sekunden, Gravitation und Statistik. Fr in Physik und Mathematik Verliebte ist das Werk ein Muss, sie werden die Formeldichte und komplexen Grafiken genieen. Auch knnte mancher Vereinstrainer wertvolle Erkenntnisse ber Trainingsinhalte und Technik gewinnen. Fr den Normalfan werden deutlich zu viel Spezialwissen und Detailerkenntnisse angeboten, die man aber als Nicht-Physiker locker berlesen kann. Man kann sich phasenweise durchaus zurck lehnen und die vom Autor gezogenen wissenschaftlichen Erkenntnisse mit einem Augenzwinkern genieen. Professor Tolin ist mittlerweile ein gefragter Referent, weil es ihm gelingt, trockene Wissenschaft mit populrem Gedankengut zu verbinden. Ob unser Bundesjogi, vor allem aber seine Spieler, Tolins Erkenntnisse umsetzen, bleibt abzuwarten. Die bundesdeutsche Fanseele ist zumindest fr die nchsten vier Wochen auf seiner Seite.

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