Wasserabgabe fordert Opfer: Nicht nur Fische sind am Edersee betroffen

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Fast wie Jahresringe bei Bäumen: Am Ufer des immer leerer werdenden Edersees bei Bringhausen kann man gut erkennen, in welchen Intervallen das Wasser aus dem See abgelassen wird.

Tote Zander an der Staumauer sorgten für Aufregung bei der Bevölkerung. Auch am Affolderner See und in der Unteren Eder sorgen Hitze und Wasserpolitik für Probleme.

Edersee - Die Hitze macht den hiesigen Gewässern und den darin lebenden Tier- und Pflanzenarten immer mehr zu schaffen. Auch am Edersee spitzt sich die Lage langsam zu.

Noch am Freitagmittag hat Axel Finke, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Edersee (IG Edersee), im Gespräch mit dem Eder-Diemel-Tipp erklärt, dass das Fischsterben im Edersee im Normalbereich liege. Die Wetterlage stelle im Edersee selbst noch kein Problem dar. Erst wenn sich die Trockenperiode bis in den September zieht, werde es kritisch.

„Drei bis fünf Prozent beträgt die Sterblichkeitsrate bei Fischen immer. Zurzeit liegt sie eher bei fünf Prozent“, so Finke. Tote Fische sind normalerweise nicht zu sehen, weil sie an den Grund sinken. Doch schon am Abend hat sich die Situation geändert. Tote Zander waren nahe der Staumauer aufgetaucht.

Wie kam es dazu? Die Fische sammelten sich an der Staumauer, weil dort der letzte Vorrat Tiefenwasser im See vorhanden war. Es enthält den meisten Sauerstoff und ist am kühlsten. Vor sechs Wochen lag die Temperatur dort noch bei 4 Grad. Durch die Grundablässe der Edertalsperre wurde dieses kalte Wasser jedoch abgegeben. Die aktuelle Messung von Dienstag ergab, dass das Tiefenwasser weniger als 10 Grad kälter als das Oberflächenwasser war, das ca. 25 Grad hat.

Das Wasser, das zuvor in der Mittelzone war, ist also an den Grund gesunken. Dieses enthält jedoch aufgrund der Witterung und der Zersetzungsprozesse von abgestorbenem Plankton so gut wie keinen Sauerstoff, sodass die Fische auftauchen müssen. Das ist für andere Arten kein Problem, jedoch für Zander. Sie haben ein anderes Atmungssystem, das schnelles Auftauchen nicht ermöglicht. „Vergleichbar ist das mit der Taucherkrankheit“, erklärt Finke. Dennoch sei dies ein Einzelfall gewesen und man müsse nicht damit rechnen, dass nun täglich große Mengen an toten Fischen auftauchen.

Um solche Szenarien in Zukunft dennoch zu vermeiden, helfe nur ein Umdenken bei der Wasserabgabe an die Weser. Davon ist momentan allerdings nicht die Rede. Es wird weiterhin Wasser abgelassen. In zwei Wochen ist wohl das Mindestvolumen von 40 Millionen Kubikmetern Wasser erreicht. Am Mittwoch lag der Wasserstand gut 15 Meter unter Vollstau, was einem Füllstand von 36 Prozent entspricht. Dramatischer als am Edersee sieht die Lage am Affolderner See aus und in der Unteren Eder.

Die Temperatur des an der Edertalsperre abgegebenen Wassers ist zu hoch. Lag sie am Freitag vor einer Woche noch bei 15 Grad, ist sie bis zum Mittwoch bereits auf 18 Grad gestiegen. „Geht das so weiter, steigt die Temperatur sogar auf über 20 Grad“, prognostiziert der IG-Vorsitzende. Das sei vor allem für Forellen und Äschen ein Problem, die in der Unteren Eder hauptsächlich vorkommen. Sie benötigen kaltes, sauerstoffreiches Wasser.

Die Arten, die jedoch am meisten unter dem schnellen Ablassen des Edersees leiden, sind Teich- und Malermuschel. Der ehemals sehr gute Bestand sei 2016 auf nur noch 10 Prozent geschrumpft. „Im letzten Jahr ist wohl auch der Rest abgestorben“, so Finke. „Viele wissen nicht, dass auch Muscheln wandern. Weil der See zu schnell abgelassen wird, kommen sie nicht mehr hinter dem Wasser her.“

Um die Reihe von Problemen zu umgehen, helfe nur, die Wasserabgabe zu reduzieren. So könnte kaltes Tiefenwasser besser bevorratet und eine verträglichere Situation für Flora und Fauna geschaffen werden.

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