Wegen fehlender Ärzte auf dem Land soll DDR-Vorbild Versorgungslücken schließen

Landrat Dr. Reinhard Kubat r.) informierte sich in der Willinger Gemeinschaftspraxis Bender, Flake, Woywood über die Arbeit der Versorgungsassistentin, hier mit Dr. Dirk Bender, Versorgungsassistentin Miriam Haseke und Studentin im Praktikum Annika Müller v.r.).
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Landrat Dr. Reinhard Kubat r.) informierte sich in der Willinger Gemeinschaftspraxis Bender, Flake, Woywood über die Arbeit der Versorgungsassistentin, hier mit Dr. Dirk Bender, Versorgungsassistentin Miriam Haseke und Studentin im Praktikum Annika Müller v.r.).

Über den Aufbau neuer medizinischer Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum hat die Gesundheitskonferenz Nordhessen im Korbacher Kreishaus diskutiert. Deren Vorsitzender und Landrat Dr. Reinhard Kubat zeigt sich von einem Konzept überzeugt.

Korbach - Dabei handelt es sich um eine abgewandelte Form der „Gemeindeschwester“, die sich besonders in der DDR bewährt hatten und weit verbreitet waren. Mit dem Mauerfall endete die Arbeit der rund 5.500 Tätigen siehe dazu auch EXTRA INFO).

Was früher die Gemeindesschwestern waren sollen nun die Berufsbilder „Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis“ VeraH) und „Nichtärztliche Praxisassistenten NäPa)“ übernehmen.

Die Fortbildung zur VeraH wurde vom Institut für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband in Zusammenarbeit mit dem Verband medizinischer Fachberufe entwickelt und ausgestaltet. Das VeraH-Konzept wird bundesweit von den Ärztekammern und den Kassenärztlichen Vereinigungen als Qualifikationsabschluss in der ambulanten Versorgung anerkannt. Auch die Nichtärztliche Praxisassistentin ist eine entsprechend ausgebildete medizinische Fachkraft.

Die medizinische Versorgung auf dem Lande könnte damit wieder auf eine ganz neue Basis gestellt werden, hoffen Befürworter, wie der Landrat. Modellprojekte dazu gab es bereits in den vergangenen zehn Jahren. Trotz Finanzierungsproblemen, Konkurrenz- und Kompetenzbedenken seitens der Ärzte, wird seit rund einem Jahr das Thema „Gemeindeschwester“ wieder mehr und mehr bedient.

Landrat Dr. Reinhard Kubat: „Wir haben hier erfahrene medizinische Fachangestellte, die sich qualifiziert und fortgebildet haben und diverse, in einer Hausarztpraxis anfallende Versorgungsaufgaben selbstständig übernehmen dürfen.“ Wichtig sei dabei, dass die Versorgungs- bzw. Praxisassistenten die Patienten daheim aufsuchen und betreuen, was gerade für ältere oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen eine große Hilfe und eine Verbesserung der persönlichen Lebenssituation darstelle. Nicht zuletzt für den steigenden Ärztemangel im ländlichen Raum könne VeraH ein Lösungsansatz sein, zeigt sich der Landrat überzeugt. Sowohl die Interessen der Bevölkerung würden dabei berücksichtigt als auch die Praxen entlastet, was das Zeitbudget des Arztes für die Patienten spürbar erhöhe.

In Waldeck-Frankenberg wird das VeraH-Konzept vereinzelt umgesetzt, so etwa in der Willinger Hausarztpraxis Bender, Flake, Woywood, wo die medizinische Fachangestellte Miriam Haseke die Fortbildung absolviert hat und bereits praktische Erfahrungen sammeln konnte. Landrat Dr. Reinhard Kubat ließ sich bei einem Besuch vor Ort von Miriam Haseke und ihrem Chef Dr. med. Dirk Bender über den aktuellen Erfahrungsstand berichten.

Miriam Haseke betreut zahlreiche Patienten der Praxis im häuslichen Umfeld, allein 78 davon in Seniorenheimen. Ihr Leistungsspektrum reicht von Blutentnahmen und Blutdruckmessungen bis hin zur Wundversorgung und zum Verbandswechsel. „Die Menschen schätzen es, wenn man sie zu Hause in der vertrauten Umgebung aufsucht und es baut sich sehr schnell ein enges Vertrauensverhältnis auf“, berichtet Miriam Haseke.

Auch Dr. Dirk Bender sieht die Vorteile des Systems und empfiehlt es weiter.

„Die Praxen werden von medizinischen Versorgungsaufgaben entlastet, indem diese nach außen delegiert werden und können sich so auf die tatsächlich ärztlich behandlungsbedürftigen Fälle konzentrieren“, so Dr. Bender. Zwar müsse die jeweilige Praxis die Fortbildungskosten der Versorgungsassistenten selbst tragen, doch hätten sich diese schon nach 2 bis 3 Quartalen wieder amortisiert, so dass unter dem Strich eine positive Bilanz gleichermaßen für Ärzte wie auch für Patienten verbleibe. Wie der Landrat berichtet, hofft die Gesundheitskonferenz darauf, dass weitere Praxen im ländlichen Raum die Konzepte „VeraH“ und „NäPa“ aufnehmen und damit einen wichtigen Beitrag zur künftigen medizinischen Versorgung im ländlichen Raum leisten könnten.

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