Weihnachten bei Engels: Jetzt wird es etwas eng im Haus

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Horst Engel und Jutta Cholibois-Keim betreuen seit Jahren Kinder in der eigenen Familie und arbeiten auch im Vorstand des Vereins mit.

Das Konzept der Familiengemeinschaften Waldecker Land setzt nicht auf das Modell der klassischen Pflegefamilie. Hier helfen ausgebildete Eltern den Kindern.

Vöhl. Für viele Menschen ist Weihnachten das Fest der Familie mit gemeinsamem Essen und Spielen, Kirchgang, Freunde treffen, gemütlich zuhause sein. Das ist bei Engels in Vöhl nicht anders, nur dass die Familie etwas größer ist und aus etwas mehr „Patchwork“ besteht als bei anderen.

Seit etwa sieben Jahren kümmert sich die Familie um Betreuungskinder, die bei ihnen einziehen und dann zusammen mit der eigenen Familie wohnen und leben. Die Kinder in den Familiengemeinschaften Waldecker Land e.V. kommen häufig als kleine Kinder und bleiben meist, bis sie erwachsen sind. Dadurch entstehen tiefe Beziehungen, die oft ein Leben lang halten. Auch wenn die Kinder keine Kinder mehr sind und längst nicht mehr zuhause wohnen, kommen sie immer wieder gerne zurück, und das besonders gern zu Weihnachten. „Dann wird es etwas eng im Haus“, sagt Horst Engel, „aber wir rücken alle etwas zusammen“.

Man hat viel Zeit zum Geschenke verteilen, Essen, Spielen, ins Freie oder in die Kirche zu gehen. Die kleinen Kinder, die aktuell betreut werden, sind sowieso dabei, dann kommen noch ehemalige dazu und die eigenen, die auch nicht mehr zuhause wohnen. Sie verstehen sich alle gut miteinander, sie sind es auch nicht anders gewohnt aus ihrem Leben. Aber für viele war das Leben davor alles andere als harmonisch. Das war auch der Grund, warum sie aus ihren eigenen Familien geholt wurden und eine neue Familie bekamen.

Das Konzept der Familiengemeinschaften Waldecker Land setzt dabei nicht auf das Modell der klassischen Pflegefamilie, wo die meisten Eltern keine pädagogische Ausbildung haben und die Kinder meist nur für eine begrenzte Zeit betreut werden. Die bei dem gemeinnützigen Verein betreuten kleinen Hausgemeinschaften sind Familien mit ausgebildeten Betreuern und Erziehern, gerne auch mit eigenen Kindern. Die Betreuungszeit dauert unterschiedlich lange, oft, bis die Kinder erwachsen sind.

Im vertrauten Rahmen lernen die Jugendlichen, mit Tugenden, Talenten, Mängeln und Gefährdungen umzugehen. Sie erhalten Geborgenheit, Wärme, vor allem Halt und Unterstützung und können so aus ihrem „zweiten“ Zuhause Kraft schöpfen und sich individuell entwickeln. Viele erleben zum ersten Mal Verlässlichkeit und Beständigkeit. „Dies ist ein Erfolgskonzept“, sagt uns die Vorsitzende Jutta Cholibois-Keim.

Sie selbst betreut in ihrer Familie auch seit vielen Jahren Kinder. „Oft können wir zu Beginn über Wochen oder Monate nicht ohne die Kinder weggehen“, sagt sie. „Die Verlustängste sind extrem groß, die Kinder haben Angst, dass wir nicht wieder kommen.“ Sehr oft sind viele immer wieder allein gelassen worden. Sie brauchen meist Jahre Zeit und geduldige Betreuer oder Therapeuten, um das Erlebte hinter sich zu lassen. Sie kommen aus ganz Deutschland, und es gibt mehr Anfragen als Betreuungsplätze. Zerfall der Familien, überforderte Eltern, Gewalt, soziale Probleme sind die Hauptursachen, warum die Kinder in eine andere Umgebung müssen. Viele wurden von der Polizei oder dem Jugendamt abgeholt.

Der Alltag in der Betreuungsfamilie gestaltet sich indes genau wie in umsorgenden Familien. Die Kinder gehen zur Schule, kommen zurück, essen, machen Hausaufgaben und gehen dann verschiedenen Hobbys oder Interessen nach: Sportverein, Spielplatz, Bauernhof und so weiter. Nur an Weihnachten läuft das etwas anders. Dann ist noch mehr Familie angesagt, aber das ist nicht nur bei Engels so.

Hilfe für Kinder

Die Familiengemeinschaften Waldecker Land e.V. gibt es seit 1979. Sie bieten Familienhausgemeinschaften, familienähnliche Hausgemeinschaften, Mädchenhausgemeinschaften, betreutes Wohnen und Einzelmaßnahmen an. Derzeit gibt es 6 Familienhausgemeinschaften, die insgesamt 15 Kinder betreuen. Ambulante Beratungs-, Fortbildungs-, und Therapieangebote ergänzen diese Arbeit. Es gibt Freizeit- und Ferienangebote und soziale Netzwerke. Der Verein freut sich über pädagogische Fachkräfte, die bereit sind, bei dem Konzept der Familienhausgemeinschaften mitzuarbeiten. Mehr Infos: www.kinder-foerdern.org

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