Die Weltreligion Islam mit 1,3 Milliarden Mitgliedern und vielen Varianten

Frankenberg. Rund100 Zuhörer haben den Vortrag des Sozialwissenschaftlers Günter Semmler: "Im Namen des Islam! Nicht alle sind Brüder! Die Riv

Frankenberg. Rund100 Zuhörer haben den Vortrag des Sozialwissenschaftlers Günter Semmler: "Im Namen des Islam! Nicht alle sind Brüder! Die Rivalitäten und grundlegenden Unterschiede der verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen der Region und ihr Einfluss auf die Veränderungen in Afghanistan und Zentralasien" interessiert verfolgt. Wie der Veranstalter, die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V. mitteilt, bezeichnet Semmler den Islam als "globalen, politischen Faktor".

Was mit der "islamischen Revolution" des Ajatollah Khomeini vor über dreißig Jahren begann, beschäftigt seit dem die Welt. Die von der "Moderne" längst überholt geglaubte Religion wuchs, historisch gesehen, in kurzer Zeit zu einer bedeutenden Größe der Weltpolitik. Die Zeiten kolonialer "Weltbeglückungsphantasien" des Westens sind lange vorbei, führte Semmler aus. Das 21. Jahrhundert verlange eine vollkommene Loslösung vom Überlegenheitswahn und der Arroganz gegenüber Muslimen.

Die revolutionären Ereignisse, die "Arabellion", in Nordafrika und die damit verbundenen beginnenden Umstrukturierungsprozesse, vergleicht der Wissenschaftler mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Auslöser dabei sei die Empörung über die Massenarbeitslosigkeit, die Verelendung weiter Bevölkerungsteile und die Korruption. Vor allem junge und gebildete Menschen haben dort die Revolution begonnen, so Semmler.

Eine solche Umbruchstimmung sieht der Referent zurzeit in Zentralasien nicht. Eine Region fernab des öffentlichen Interesses, die aber wegen der großen Ölvorkommen und anderer wichtiger Rohstoffe von den führenden Industrienationen umgarnt wird. Wo Herrscherclans und Potentaten an der Macht sind. Die Präsidenten in Turkmenistan oder Usbekistan regieren nach Semmler wie zu "Stalins Zeiten". Allerdings sieht er schon "Spannungslinien" zwischen Regierenden und der Bevölkerung. Es wird quasi ein staatlich kontrollierter Islam zugelassen.

Drei Arten des Islams prägen Zentralasien: die Hanafistische Schule, eine liberale Strömung, die verhasst ist bei den streng gläubigen Muslimen; der Sufismus, eine mündlich überlieferten, spirituelle, esoterische Variante. Beide sind nicht zu vergleichen mit den Taliban, einer radikal, terroristischen Bewegung, die er als dritte Art nannte.

Armut, ungleiche Besitzverhältnisse, ein westliches Leben der Machthaber provoziert immer stärker werdende Widerstandskräfte. Es brodelt in der Region. Die Unterdrückung mit Verfolgung, Gefangennahme, Folterungen von Muslimen in der Vergangenheit lassen die Taliban erstarken.

Das Widererstarken der Taliban vor allem in Nord-Afghanistan hat zweifelsohne für die gesamte zentralasiatische Region eine große Bedeutung.

Ihre Beharrlichkeit und spektakulären Überfälle gelten für Islamisten jedweder Richtung als große Vorbilder. Religiöse "Feinheiten", ob nun Wahhabismus/Salafismus oder Deobandi, spielen für die militanten Fanatiker keine bedeutsame Rolle. Entscheidend ist die Unerbittlichkeit und Todesverachtung, mit der die Taliban für ihre Sache eintreten.

Solange es der afghanischen Regierung nicht gelingt, mit den Taliban in Verhandlungen zu treten, die dazu führen, dass ihre Führer und Kommandeure an der politischen Macht beteiligt werden, wird kein Friede in Afghanistan möglich sein, bewertete Semmler.

Weiter führte er aus, dass eine friedliche Lösung des Taliban-Problems in Afghanistan auch große Auswirkungen auf die inneren Verhältnisse der zentralasiatischen Republiken. Zumindest würden islamistischen, teilweise terroristischen Gruppen ein "real existierendes revolutionäres Modell" genommen.

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