Weniger Ausbildungsstellen im Landkreis: Bilanz zum Ausbildungsmarkt präsentiert

Ulrich Mütze, Wolfgang Scholz (Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder), Dr. Peter Sacher (IHK), Uwe Kemper und Gerhard Brühl (hinten von links) zogen Bilanz zur heimischen Ausbildung. Sie trafen sich beim Bauunternehmen Heinrich Mütze in Frankenberg, wo Janne Christian Wenzel, Ekramullah Ibrahimkhel und Ismail Mohammad (vorne von links) derzeit ihre Ausbildung absolvieren.
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Ulrich Mütze, Wolfgang Scholz (Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder), Dr. Peter Sacher (IHK), Uwe Kemper und Gerhard Brühl (hinten von links) zogen Bilanz zur heimischen Ausbildung. Sie trafen sich beim Bauunternehmen Heinrich Mütze in Frankenberg, wo Janne Christian Wenzel, Ekramullah Ibrahimkhel und Ismail Mohammad (vorne von links) derzeit ihre Ausbildung absolvieren.

Die Agentur für Arbeit Korbach, die Kreishandwerkerschaft sowie die IHK erklären die aktuelle Situation am Ausbildungsmarkt und richten Appelle an Eltern und Betriebe.

Waldeck-Frankenberg - Ausbildung ist ein Thema, das ständigen Veränderungen ausgesetzt ist. Für Betriebe ist es nicht leicht, wenn der Nachwuchs fehlt. Aber was tun, damit es gar nicht erst soweit kommt? Die Agentur für Arbeit Korbach, die Kreishandwerkerschaft sowie das Servicezentrum der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Waldeck-Frankenberg versuchen stets, mit neuen Konzepten und Angeboten die duale Ausbildung – besonders im Handwerk – attraktiv zu gestalten. Gemeinsam stellten sie nun die Jahresbilanz des Ausbildungspakts vor und erläuterten Trends und Perspektive der dualen Ausbildung vor Ort.

„Ich könnte mir nicht vorstellen, nicht auszubilden“, erklärt Kreishandwerksmeister Ulrich Mütze. Der Bauunternehmer und Obermeister der Bauinnung Waldeck-Frankenberg beschäftigt derzeit knapp 50 Mitarbeiter, von denen rund ein Drittel auch im eigenen Betrieb gelernt haben. Damit steht der Betrieb nicht allein da. 1.268 betriebliche Ausbildungsstellen waren im vergangenen Jahr im Landkreis gemeldet, immerhin 133 weniger als im Jahr zuvor. „Das sind übliche Schwankungen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl. Dennoch müsse man aufpassen, dass die Zahl nicht weiter ansteigt.

Die Top fünf der gemeldeten Lehrplätze belegen Kaufleute im Einzelhandel, Industriekaufleute, Industriemechaniker, Köche und Kaufleute für Büromanagement. Bewerber interessieren sich vor allem für Ausbildungen zum Kaufmann im Einzelhandel, Kaufmann für Büromanagement, Kfz-Mechatroniker Pkw-Technik und Medizinischen Fachangestellten. Doch auch Verkäufer, Industriekaufmann und Tischler sind beliebte Berufe. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 1.178 Bewerber, 92 von ihnen blieben unversorgt. Uwe Kemper, Chef der Arbeitsagentur Korbach, spricht von einem guten Angebot. Dennoch müsse man am Ball bleiben.

„Wir wollen künftig früher an die Schüler herantreten und das auch an den Gymnasien“, so der Agenturchef. Die sozialen Medien müssten offensiver genutzt werden und auch die Eltern müssten besser über die verschiedenen Ausbildungsberufe informiert werden. Immerhin würden bereits 90 Prozent der Schüler erreicht. „Die Vorstellungen vieler Eltern sind teilweise nicht mehr zeitgerecht. Viele Berufe haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt, die Digitalisierung ist in den meisten Bereichen angekommen“, weiß Gerhard Brühl. Bei vielen Eltern bestehe der Wunsch einer akademischen Ausbildung ihrer Kinder. Ein Umdenken sei nötig, um eine Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung zu erreichen.

Für Ulrich Mütze ist vor allem die Ortsnahe Beschulung wichtig: „Wir müssen duale Ausbildung weiterhin vor Ort anbieten und fördern.“ Angebote wie der Lehrbauhof seien wichtig. „Hier kann gezielt auf schwächere Bewerber eingegangen werden, die praktisch meist gut sind, es aber in der Theorie hakt“, so der Kreishandwerksmeister. Kemper hebt zudem hervor, dass mit einer Ausbildung nicht Schluss sei. „Weiterbildung ist auch hier möglich über den Techniker, Meister bis hin zum Hochschulstudium. Unser durchlässiges Schulsystem macht es möglich“, erklärt er.

Probleme seien hingegen eher an anderer Stelle auszumachen. „Es gibt Betriebe, die über mehrere Jahre keine Auszubildenden finden. Da steigt natürlich die Frustration und sie überlegen sich, ob sie weiterhin Lehrbetrieb sein möchten“, sagt Kemper. Die Vermutung, dass dies vor allem ein Problem in kleinen Betrieben ist, ist durchaus berechtigt. Dennoch möchte Brühl die Betriebe dazu ermutigen, weiter auszubilden. „Früher haben sich Schüler um Ausbildungsstellen beworben, heute bewerben sich Firmen um Schüler“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Die kleinen Betriebe müssten offensiv für sich werben. „Hier können Azubis Fertigkeiten in verschiedensten Bereichen erlernen, da die Aufgaben meist weiter gestrickt sind“, doch das muss auch kommuniziert werden.

Abschließend forderte Brühl, dass dualen Ausbildungsberufen wieder mehr Anerkennung zukommen müsse. „Auch mit einer dualen Ausbildung ist ein gutes Leben möglich. Das muss wieder mehr ins Bewusstsein gelangen“, fordert er.

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