Weniger Straftaten, aber mehr Gewalt: Polizei veröffentlicht Kriminalstatistik für Waldeck-Frankenberg

In 2018 verzeichnete die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg fast 500 Straftaten weniger als im Vorjahr. Tötungs- und Gewaltdelikte nehmen allerdings zu.

Waldeck-Frankenberg - Der Trend bleibt weiterhin positiv. Seit 10 Jahren ist die Kriminalitätsentwicklung im Landkreis tendenziell rückläufig. In 2018 wurden in Waldeck-Frankenberg 5.441 Straftaten registriert, 495 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang beträgt damit 8,3 Prozent und der Stand kommt dem absoluten Tiefstand aus dem Jahr 2015 mit 5.392 Straftaten nah. Das Fazit: Im vergangenen Jahr wurden die zweitwenigsten Straftaten der letzten 20 Jahre im Landkreis begangen. Das geht aus der Kriminalstatistik der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg hervor.

Gleichzeitig konnte die Aufklärungsquote um 0,3 Prozent auf nun 64,7 Prozent gesteigert werden, wodurch die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg den Spitzenplatz in Nordhessen einnimmt. Dementsprechend ist die Kriminalitätsbelastung niedrig. Sie wird mit der Häufigkeitszahl (HZ) gemessen. Die HZ gibt die Anzahl an Straftaten pro 100.000 Einwohner innerhalb eines Jahres an und beträgt im Landkreis 3.460 (in 2017: 3.758). Zum Vergleich: In Hessen beträgt die HZ 5.971, in Kassel 8.979.

Die Zahl der bearbeiteten Tötungsdelikte lag in 2018 bei sieben Fällen, drei mehr als im Vorjahr. Dabei wurde in zwei Fällen wegen Mordes ermittelt, in vier Fällen wegen versuchter Tötung und in einem Fall wegen fahrlässiger Tötung.

Bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist ein Anstieg um mehr als 20 Prozent zu verzeichnen. 112 Delikte, und damit 19 Mehr als in 2017, wurden registriert. Das erklärt sich laut Aussagen der Polizei vor allem durch eine Gesetzesverschärfung in 2016, wodurch weitere Straftaten in diese Kategorie einfließen und mit den Vorjahren nicht zu vergleichen sind. Vergleichbar bleibt die Untergruppe sexueller Missbrauch von Kindern. Mit 22 Fällen wurden zwei Straftaten wenige als im Vorjahr registriert.

Ganze 95 Rohheitsdelikte, zu denen neben Körperverletzung auch Raub und Straftaten gegen die persönliche Freiheit gehören, wurden 2018 im Landkreis mehr begangen. Somit stieg die Zahl auf 898, wovon allerdings auch 93,2 Prozent aufgeklärt wurden. Die meisten Körperverletzungen werden in den Mittelzentren Korbach (126), Bad Arolsen (114), Bad Wildungen (79), Frankenberg (74) und in der Tourismushochburg Willingen (70) begangen. In 183 Fällen musste die Polizei wegen Häuslicher Gewalt ermitteln (in 2017: 142 Fälle), in 17 Fällen wegen Raub (in 2017: 29 Fälle).

Im Vergleich zu 2017 ist die Zahl der Diebstähle ohne erschwerende Umstände um 277 Fälle beziehungsweise 20,1 Prozent auf 1.103 gesunken. Besonders erfreulich ist dabei der Rückgang von Ladendiebstählen um gut 34 Prozent von 322 in 2017 auf 212 und von Diebstählen an oder aus Kraftfahrzeugen um rund 46 Prozent von 246 in 2017 auf 133. Auch Diebstähle unter erschwerenden Umständen sind um 98 Straftaten auf 549 im vergangenen Jahr gesunken.

Vermögens- und Fälschungsdelikte wurden im vergangenen Jahr in Waldeck-Frankenberg 966 Mal begangen, 331 weniger als im Vorjahr. Von ihnen wurden 773 aufgeklärt. Den größten Anteil macht die Untergruppe Betrug mit 656 bekannten Fällen aus.

Bei sonstigen Straftatbeständen (1.123) schlagen vor allem Sachbeschädigungen (565) und Beleidigungen (196) zu Buche. Bei der Gruppe der strafrechtlichen Nebengesetze, zu denen beispielsweise Verstöße gegen das Wirtschaftsrecht oder Betäubungsmittel-, Waffen- oder Natur- und Tierschutzgesetz fallen, liegt die Aufklärungsquote bei 96,3 Prozent. Den größten Teil des Straftatbestands machen hier Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz aus. Zwar wurden hier in 2018 518 Fälle, und somit 49 mehr als im Vorjahr, verzeichnet, es gab jedoch keinen Rauschgifttoten im Landkreis.

Internetkriminalität ist mit 305 Fällen stark zurückgegangen (in 2017: 579 Fälle). Die meisten Straftaten finden hier im Bereich Betrug statt. Es gab 35 Fälle politisch motivierter Kriminalität sowie 13 Straftaten im Bereich Rechtsextremismus und 3 Straftaten im Bereich Links- und Ausländerextremismus. Von insgesamt 2.793 in 2018 ermittelten Tatverdächtigen sind 622 nichtdeutsche Tatverdächtige, davon 212 Zuwanderer.

Neben der Aufklärungsarbeit ist die Präventionsarbeit ein wichtiges Aufgabenfeld der Polizeiarbeit. 2018 erreichte der Jugendkoordinator bei 45 Präventionsveranstaltungen in Schulen und bei Eltern insgesamt 2.900 Schüler. Außerdem wurden 104 kriminalpolizeiliche Beratungen abgehalten sowie 60 weitere Vorträge und Veranstaltungen.

Rubriklistenbild: © dpa/picture alliance

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