Wildkatzen-Babys brauchen Namen

Region. Appetit haben sie ja: Alle drei Stunden bekommen die beiden Wildkatzen-Babys ihre Flasche. Gierig nuckeln sie die Milch. Innerhalb weniger T

Region. Appetit haben sie ja: Alle drei Stunden bekommen die beiden Wildkatzen-Babys ihre Flasche. Gierig nuckeln sie die Milch. Innerhalb weniger Tage hat sich ihr Körpergewicht von ursprünglich 280 Gramm auf inzwischen über 500 Gramm fast verdoppelt. "Unsere Nächte sind jetzt etwas kürzer", sagt Mark Pudenz, "aber wir sind zuversichtlich, dass die Beiden es schaffen." Der Rettungssanitäter aus Niederurff betreibt ehrenamtlich eine Vogelauffangstation, in der er – zusammen mit seiner Frau – schon Bussarde und andere Raubvögel wieder aufpäppelte. Doch Wildkatzen hatten sie noch nie.

Nur wenige Tage alt

Die beiden wenige Tage alten Kater wurden fälschlicher weise bei einem Tierarzt abgegeben (siehe Extra-Info), der uns auch schon verletzte Vögel vermittelt hat, erzählt Pudenz. Der fragte dann, ob wir uns auch um die Wildkatzen-Babys kümmern können, die von Wanderern im Wald gefunden wurden.

Ein solcher Fund ist äußerst selten, denn europäische Wildkatzen sind nicht nur sehr scheu sondern auch recht selten. Die deutsche Population wurde zuletzt auf 1.700 bis 5.000 Tiere geschätzt.  Zahlen für Nordhessen gibt es nicht.Lange Zeit wurde die heimische Wildkatze als "blutgierige Bestie” verunglimpft und bis fast zur Ausrottung verfolgt. Restbestände schafften es in naturnahen und störungsarmen Waldgebieten zu überleben. Heute hat die Wildkatze in Hessen wieder Fuß gefasst und ist auf dem Weg, ihre ursprünglichen Lebensräume auf leisen Sohlen zurückzuerobern. Trotzdem steht sie unter Artenschutz und darf nicht bejagt werden.

Wieder in die Freiheit

"Unser Wunsch ist es die kleinen Katzen wieder auszuwildern", betont Pudenz. Deshalb sollen sie so wenig Kontakt zu Menschen haben wie möglich. Katzenfutter kommt ihnen nicht in den Napf. Stattdessen sollen tote Mäuse, die Hauptbeute der Wildkatzen, an die Kleinen verfüttert werden, sobald sie feste Nahrung zu sich nehmen können. Auch wenn die Aufzucht klappen sollte, ist der Erfolg einer Auswilderung ungewiss, wie Pudenz einräumt. "Ob die Beiden sich irgendwann in der Wildnis allein zurchtfinden werden kann heute noch niemand sagen", betont er.

Hilfe kommt vom Regierungspräsidium in Kassel. Rainer Büchner, zuständig für den Artenschutz, betont: "Wir wollen aus Anlass dieses Falles ein eigenes Auswilderungsprogramm starten." Dafür solle ein Gehege aufgestellt werden, in dem die Katzen zwar Fressen finden, aus dem sie aber auch jederzeit heraus können. "Den Rest erledigt meist der Liebestrieb", so Büchner.

Zuvor sollen die Katzen allerdings noch anhand einer Haarprobe genetisch untersucht werden.

Finger weg von Wildtieren!

Rainer Büchner, zuständig für den Artenschutz beim Regierungspräsidium Kassel, warnt ausdrücklich davor kleine Wildkatzen aufzusammeln und zu einem Tierarzt zu bringen. "Das Miauen ist sicherlich herzerweichend", so der Experte, "allerdings bedeuten kleine Katzen allein im Wald nicht, dass das Muttertier die Jungen verlassen hat." Denn: "Es  ist ganz normal, dass die Wildkatze, wenn sie auf die Jagd geht, ihren Nachwuchs einige Stunden allein lässt." Deshalb gilt: Finger weg von Wildkatzen, aber auch von anderen Wildtieren.

Wildkatzen-Babys brauchen Namen!

Noch haben die beiden süßen Wildkatzen-Babys  keine Namen. Deshalb braucht unser Partnerverlag die Hilfe der Leser. Hier können Sie abstimmen!

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