Wilke Wurst-Skandal: foodwatch zeigt Ministerin Hinz und Landrat Kubat an

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Der Betrieb ist stillgelegt, die Firma pleite. Maschinen, Equipment und Fahrzeuge wurden versteigert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Verantwortlichen aus dem Unternehmen.

Die Verbraucherorganisation „foodwatch“ macht nach dem Listerien-Skandal beim ehemaligen Wursthersteller Wilke weiter Druck und hat bei der Staatsanwaltschaft Kassel Strafanzeige gegen hessische Behördenvertreter gestellt.

Twistetal - Die Anzeige richtet sich gegen Landrat Dr. Reinhard Kubat und weitere Verantwortliche des Landkreises (LK) Waldeck-Frankenberg, Verantwortliche des Regierungspräsidiums (RP) Kassel, Ministerin Priska Hinz und weitere Verantwortliche des Hessischen Ministeriums für Umwelt sowie gegen „Unbekannt“.

„Es wäre richtig, wenn nicht nur gegen Wilke-Vertreter, sondern auch gegen die Behördenverantwortlichen ermittelt wird, deren schwere Versäumnisse ganz entscheidend für einen mangelhaften Verbraucherschutz waren“, erklärte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker in der dazugehörigen Pressemitteilung.

foodwatch wirft den Behördenvertretern pflichtwidriges Handeln und gravierende Verstöße gegen das Lebensmittelrecht vor, die wesentlich zu dem Listerien-Fall beigetragen haben sollen, so foodwatch. Mindestens 38 Erkrankte und drei Todesfälle werden damit in Verbindung gebracht werden.

Auf 16 Seiten und mit zahlreichen Anlagen hat die Verbraucherorganisation gegenüber der Staatsanwaltschaft begründet, worin sie die Versäumnisse sieht: Demnach mangele es in Hessen grundsätzlich und speziell im Landkreis Waldeck-Frankenberg bereits an den strukturellen und personellen Voraussetzungen für funktionierende Lebensmittelkontrollen.

Dem Landkreisamt habe es zudem an der nötigen Unabhängigkeit gefehlt. Wenn Hygiene- oder bauliche Mängel bei Wilke auffielen, seien diese nicht hinreichend abgestellt oder sogar geduldet worden – Regierungspräsidium Kassel und das hessische Verbraucherschutzministerium als Fachaufsicht griffen nicht ein.

Auch im akuten Krisenmanagement bei Wilke kam es nach Einschätzung von foodwatch zu schweren Fehlern: „Die Behörden hätten bereits erheblich früher öffentliche Rückrufe von nachweislich keimbelasteten Waren veranlassen müssen und durch ein konsequentes Durchgreifen verhindern müssen, dass Wilke einfach weiter produziert. Am Ende hielten die Behörden gesundheitsrelevante Angaben über Wilke-Verkaufsstellen zurück“, kritisiert Martin Rücker.

Mehr als 270 Seiten Behördendokumente zum Wilke-Fall veröffentlicht foodwatch stützt seine Strafanzeige auf öffentlich verfügbare Informationen und auf eigene Recherchen, darunter auf mehr als 270 Seiten Behördendokumente, die die Verbraucherorganisation im Internet veröffentlicht hat.

Laut der Verbraucherorganisation sollen die Dokumente „das Bild einer lückenhaften und ineffektiven Kontrolle durch den Landkreis“ zeichnen. Zudem entstehe aus Sicht von foodwatch mehrfach der Eindruck, der Landkreis versuchte, das Unternehmen zu schützen und die Mängel zu beschönigen.

Für den Landkreis handelt es sich bei den Vorgängen in der Firma Wilke „um eine sehr traurige Angelegenheit", die die Kreisspitze auch in diesen Wochen intensiv persönlich beschäftige, heißt es aus dem Kreishaus dazu.

Aktuell werde gemeinsam mit der Gemeinde Twistetal und dem Land Hessen nach einer Lösung gesucht, eine vernünftige Nachnutzung des Geländes sicherzustellen. „Wir wissen die seit Monaten laufenden Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft in guten Händen.“

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