Nach Wilke Wurstskandal: Interne Ermittlungen beim Landkreis sprechen Lebensmittelüberwachung frei

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Nach den bisherigen Feststellungen handelten die zuständigen Mitarbeiter des Kreises nach bestem Wissen und Gewissen und hätten einen guten Job gemacht, so Landrat Dr. Reinhard Kubat.

Die zuständigen Mitarbeiter des Kreises haben im Fall der tödlichen Listerien in Zusammenhang mit Wilke Wurstwaren einen guten Job gemacht, erklärt Landrat Dr. Reinhard Kubat und verweist auf die internen Ermittlungen. Die Firma Wilke bleibt bis auf weiteres geschlossen.

+++Aktualisiert um 16.15 Uhr, am 16. Oktober 2019+++ Twistetal - Im Rahmen des Umweltausschusses im Hessischen Landtag hat Verbraucherschutzministerin Priska Hinz die Abgeordneten über den aktuellen Stand im Fall Wilke Wurst informiert. „Ich möchte an dieser Stelle deutlich sagen: Die Zustände, die bisher im Betrieb Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren aufgedeckt wurden, sind schockierend. Dass wir den Betrieb geschlossen haben, war richtig und wurde vom Verwaltungsgericht Kassel bestätigt“, erklärt Hinz.

Der Betrieb wollte per Eilantrag gegen die Entscheidung vorgehen; das Gericht hat diesen Antrag jedoch abgelehnt. Im ersten Schritt hatte ein schneller und erfolgreicher Rückruf der Wilke-Produkte oberste Priorität. „Ich habe mich bei meinen Amtskollegen aus den anderen Bundesländern erkundigt, ob der Rückruf der Waren gut funktioniert. In ganz Deutschland scheint das Verfahren reibungslos zu verlaufen“, berichtet Hinz. Nun steht die Aufarbeitung der behördlichen Vorgänge im Fokus.

Ministerin sieht Unstimmigkeiten im Vorgehen

Zum Ablauf kann festgehalten werden: Im März 2019 wurde das Verbraucherschutzministerium über Krankheitsfälle durch Listerien des Typs Sigma1 informiert. Ein Zusammenhang zu einem bestimmten Lebensmittel als Infektionsquelle konnte zu diesem Zeitpunkt nicht hergestellt werden. Erst mit Nachricht vom 16. September durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Verbindung mit dem epidemiologischen Bericht des Robert-Koch-Instituts wurde klar, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen den Listerioseausbrüchen nach Aufenthalten in Gesundheitseinrichtungen und der Firma Wilke gibt.

Sobald sich die Hinweise verdichteten, dass von Wilke-Produkten möglicherweise eine Gefahr ausgeht, hat das Ministerium als Oberste Fachaufsicht mit dem Landkreis Waldeck-Frankenberg das weitere Verfahren und mögliche Maßnahmen besprochen. Es wurden engmaschige Kontrollen durchgeführt und die Reinigung und Desinfektion des Betriebs veranlasst. Alle dort produzierten Lebensmittel wurden auf Listerien untersucht.

Als klar wurde, dass die Lage trotz erneuter Reinigungen und Desinfektionsmaßnahmen nicht in den Griff zu bekommen ist, hat das Ministerium darauf gedrängt, dass der Landkreis den Betrieb schließt. Im Nachgang an die Schließung erhielt das Ministerium durch den Bericht der Task-Force Lebensmittelsicherheit Kenntnis über die erheblichen baulichen Mängel im Betrieb Wilke, die bereits seit längerem bestanden haben müssen.

Die Ergebnisse wurden der Staatsanwaltschaft Kassel für ihre Ermittlungen zur Verfügung gestellt. „Auch wir wollen wissen, wer für diese Zustände verantwortlich ist und wie es sein kann, dass das so lange nichts aufgefallen ist“, sagt Hinz.

Zusätzlich sind Unstimmigkeiten bezüglicher einer für den 5. September geplanten gemeinsamen Betriebskontrolle des Landkreises mit dem Regierungspräsidium Kassel und dem Landeslabor Hessen bekannt geworden. Nach derzeitiger Aktenlage wurde die Kontrolle an diesem Tag vom Landkreis vor dem verabredeten Zeitpunkt und vor dem Eintreffen der Vertreter des Regierungspräsidiums Kassel und des Landeslabors Hessen durchgeführt. Stattdessen kam es lediglich noch zu einer gemeinsamen Besprechung. Über die bei der Kontrolle vorgefundenen Mängel berichtete der Landkreis dem Regierungspräsidium in der Besprechung nach bisherigem Kenntnisstand unzureichend. „Die Aufklärungsarbeit steht jetzt im Fokus. Wir haben den Landkreis aufgefordert, bis 25. Oktober ausführlich über noch offene Fragen zu berichten“, so Hinz.

Landkreis arbeitet am geforderten Bericht zum Fall Wilke Wurstwaren

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg reagierte prompt mit einer eigenen Pressemitteilung. Wie Ministerin Hinz erklärte, haben sich Vertreter des Kreises und des Regierungspräsidiums am 5. September zu einer unangemeldeten Kontrolle bei der Firma Wilke verabredet. In der Regel beginnen solche Kontrollen mit einer Vorbesprechung mit der Geschäftsführung. Damit im konkreten Fall sichergestellt werden konnte, dass während dieser Vorbesprechung parallel in den Produktionsräumen nicht schnell eventuelle Mängel beseitigt werden, haben sich die Veterinäre des Landkreises direkt beim Eintreffen ein Bild von den Räumlichkeiten gemacht und dieses so in der Besprechung an die Vertreter des Regierungspräsidiums weitergegeben.

Auf dieser Basis haben sich diese dazu entschieden, nicht noch einmal nachzukontrollieren, sondern die Ergebnisse des Landkreises in ihren Bericht aufzunehmen. Landrat Dr. Reinhard Kubat: „Ministerin Hinz hat bis Ende nächster Woche einen Bericht erbeten. Daran arbeiten wir mit Hochdruck und sind momentan dabei, alle greifbaren Fakten zusammenzustellen und die Vorgänge zu bewerten.“

Nach den bisherigen Feststellungen handelten die zuständigen Mitarbeiter des Kreises nach bestem Wissen und Gewissen und hätten einen guten Job gemacht, so Kubat. Er hob hervor, dass dies in einer sehr komplexen, komplizierten und durch die juristischen Rahmenbedingungen nicht einfachen Lage geschehen sei. Alle Maßnahmen seien nach umfassender Ermittlung, sorgfältiger Abwägung und nach Rücksprache mit den anderen Behörden getroffen worden. Die Zusammenarbeit mit dem Ministerium, der Task Force und dem Regierungspräsidium war jederzeit gut und vertrauensvoll.

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