Windräder im Gegenwind

Korbach. Die Energiewende ist mittlerweile politisch gewollt und hat Waldeck-Frankenberg erreicht. Unternehmen und Kommunen im Landkreis haben die Zei

Korbach. Die Energiewende ist mittlerweile politisch gewollt und hat Waldeck-Frankenberg erreicht. Unternehmen und Kommunen im Landkreis haben die Zeichen der Zeit erkannt und arbeiten mit Hochdruck an der Ausweisung von Windenergieflächen und Dächern von öffentlichen Gebäuden für Solaranlagen, Regionalisierung und Bürgerbeteiligung sind einmütiges Ziel dabei. Einige Tabus, wie die Nutzung von Wäldern und Windräder von über 200 Meter Höhe sind bereits gefallen. Bürgerinitiativen kommen gelegentlich auf den Plan, zunehmende Bürgerbeteiligung und die Aussicht, dass die Wertschöpfung zumindest in Teilen in der Region verbleibt, federn den Protest merklich ab. So hat auch die Kreisstadt Korbach ein Planungskonzept in Auftrag gegeben, das jetzt den Stadtverordneten vorgestellt wurde.

Grundlage für die Untersuchungen sind zunächst die Messdaten über das mögliche Windpotential. Mindestens 5 m/sec in 80 Meter Höhe sollten es sein. Aber dann gibt es jede Menge von Ausschlusskriterien, von Landschaftsplaner Detlev Schmidt akribisch zusammengestellt und erläutert. Zunächst sind Abstände zu Siedlungen von 1.000 Metern einzuhalten, Gewässer und Wasserschutzgebiete, Natur- und Landschaftsschutzgebiete scheiden aus. Für Korbach sind auch die An- und Abflugschneisen für die Flugplätze Fritzlar und Kassel Calden zu berücksichtigen. Kultur- und Naturdenkmäler sowie Einflüsse des Tourismus dürfen nicht vernachlässigt werden. Was die meisten nicht beachtet hatten, ist die Wetterradaranlage des Deutschen Wetterdienstes an der ehemaligen Mülldeponie bei Flechtdorf, zu der 5 Kilometer Abstand einzuhalten sind.

18 Anlagen dieser Art gibt es in Deutschland, und der Deutsche Wetterdienst fordert die strikte Einhaltung des Mindestabstands, damit die Wetterdaten nicht verfälscht werden. "Gerade dort, wo der beste Wind ist", verlautet aus Kreisen der Stadtverordneten. "Kann man die nicht versetzen?" Die Anlage war bereits vor einigen Jahren an den heutigen Standort verlegt worden, spannenderweise, um den vorgeschriebenen Abstand zu den Windenergieanlagen auf der Helmscheider Höhe zu gewährleisten, bei deren Bemessung man es offenbar auch nicht so genau genommen hat.

Seitdem hat die Stadt Korbach den Turm von der Gemeinde Diemelsee geerbt, und die wollen ihn bestimmt nicht zurück. Ob die Wetterstation im Endeffekt als hartes Ausschlusskriterium zu werten ist, wird von manchen angezweifelt. So bleiben nach derzeitigem Gutachten insgesamt noch fünf "Suchräume" übrig, die nach Abzug aller Ausschlusskriterien in Frage kommen. Hierbei sind allerdings mögliche Artenschutzverträglichkeitsuntersuchungen noch nicht berücksichtigt. Die Untersuchungen kosten circa 40.000 Euro pro Fläche und dauern mindestens eineinhalb Jahre. Auch weitere Flächen im Umfeld der Kreisstadt sind nach wie vor in der Diskussion. Manche mögen die Ausschlusskriterien nicht einfach schlucken und möchten offen sein für weitere Suchgebiete. Auch die Nutzung von Dachflächen auf öffentlichen Gebäuden ist nicht problemlos durchzuwinken. Für viele Gebäude gibt es keine Statikunterlagen mehr. Die müssen neu erstellt werden, und das dauert.

Auch scheint schon jetzt klar, dass viele ältere Dachflächen statisch nicht für stärkere Belastungen ausgelegt sind. All das könnte die Pläne der Stadt ins Stocken bringen. Die Energiewende ist zwar vor Ort angekommen, über die Gewichtung von Ausschlusskriterien gibt es indes noch jede Menge Diskussionsbedarf, wie die Aussprache in den Ausschüssen und der Stadtverordnetenversammlung deutlich machte.

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