,Wir brauchen Vertrauen’

Waldeck-Frankenberg. Eigentlich tragen sie nicht die Schuld am so genannten Dioxinskandal, der seit Wochen die Republik erschüttert, und doch sind si

Waldeck-Frankenberg. Eigentlich tragen sie nicht die Schuld am so genannten Dioxinskandal, der seit Wochen die Republik erschüttert, und doch sind sie die Leidtragenden.

Obwohl in Hessen und auch im Kreisgebiet keine Schadstoffe in Lebensmitteln nachgewiesen wurden, fühlen sich die Bauern, genauer gesagt die Schweinemastbetriebe der Region, in mehrfacher Hinsicht für die kriminellen Machenschaften eines einzelnen Futtermittelherstellers bestraft und zur Kasse gebeten.

Die Preise für Schweinefleisch sind um ca. 23 Cent pro kg gefallen, ca. 17 Prozent. Gleichzeitig sind die Verkaufspreise an der Ladentheke nicht in gleichem Maße nach unten gegangen. Der Vertrauens- und Imageverlust wirkt insgesamt schwerer als die ca. 250.000 Euro Einkommens-einbuße pro Monat, die die 900 schweinehaltenden Betriebe im Kreis zu stemmen haben.

Dazu kommen noch der Preisanstieg bei Futtermitteln in den letzten Monaten und die Verzögerungen bei der Abnahme durch die Schlachthöfe. "Stau im Stall" verzögert die Produktionskette, denn jede Woche, die ein Mastschwein länger im Stall zubringt, bedeutet Gewichtszunahme und damit Preisverluste beim Verkauf, weil das Schlachtgewicht nicht mehr stimmt.

Heiko Kieweg aus Korbach-Rhena betreibt einen Schweinemastbetrieb mit 900 Mastplätzen und ist es seit Jahren gewohnt, dass die Preise marktbedingt auf- und abgehen.Ein derartiges Desaster wie zur Zeit, hat er allerdings noch nicht erlebt. Die Verluste schlagen allein in seinem Betrieb mit 4.600 Euro pro Monat zu Buche. Dabei wird bei ihm großer Wert auf saubere Qualität gelegt. Wie bei den meisten Mastbetrieben im Kreis stammen seine Futtermittel größtenteils aus eigener Getreideproduktion, Zukäufe erfolgen hauptsächlich von regionalen Erzeugern. Alles zusammen wird in einer großen Mischanlage vollautomatisch gemischt.

Bundesweit liegen die Verluste pro Woche bei etwa 23 Millionen Euro, die alleine zu Lasten der Erzeuger gehen. Diese fühlen sich mittlerweile als "Bauernopfer", sie sind ebenso wie die Verbraucher die Geschädigten, denn die Verursacher sind andere.Und die Bürokratie nimmt zu. Zum Schutze der Verbraucher und Erzeuger müssen mittlerweile aufwändige Belege ausgefüllt werden. Jeder Erzeuger muss beim Absatz seiner Schweine ein Zertifikat vorlegen, das nicht älter als 24 Stunden ist.

Erzeuger, Vertreter der Bauernverbände, der Viehverwertung und des Fachdienstes Landwirtschaft üben den demonstrativen Schulterschluss und stellen sich zusammen mit Landrat Dr. Kubat demonstrativ vor die regionalen Produzenten. "Waldeck-Frankenberg ist der Kreis in Hessen, der am stärksten von der Landwirtschaft geprägt ist. Für die Landwirte muss sich der immense Aufwand wieder lohnen", macht der Landrat deutlich.

Mittlerweile hat sich die Diskussion etwas versachlicht, und im Rahmen der Grünen Woche in Berlin ist es den Verantwortlichen auch gelungen, die Schließung des russischen Marktes für deutsches Schweinefleisch zu verhindern. Für die exportabhängige deutsche Agrarwirtschaft ein positives Signal. Mittlerweile haben aufgrund steigender Exporte die Preise wieder leicht angezogen. Noch kein Grund zur Entwarnung. Die Verbände fordern umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Landwirte, z.B. einen Unterstützungsfonds zum Schadensausgleich.

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