Wohin unser Müll geht

Manche nehmen es mit der Entsorgung nicht so genau Von Ralf FeldmannWaldeck-Frankenberg. Als in den vergangenen Wochen die Abfallkalender 2010 in die

Manche nehmen es mit der Entsorgung nicht so genau

Von Ralf Feldmann Waldeck-Frankenberg. Als in den vergangenen Wochen die Abfallkalender 2010 in die Briefksten flatterten, fiel auf, dass die Trennungs- und Entsorgungskategorien immer vielfltiger werden. Speziell fr die Abflle, die nicht in die vorhandenen Tonnen oder Scke gehren oder passen.

So werden fr Korbach und Umgebung 14 verschiedene Arten von Sonderentsorgung angeboten von A wie Altauto bis T wie Tintenkartuschen. Wir Deutschen sind sprichwrtlich sehr akribisch, wenn es um Sortieren und Sammeln geht.

Die Sorge, wo diese Produkte dann letztendlich landen, oder wo und wann uns die Reststoffe dann in Luft, Wasser oder Boden wieder begegnen, erfllt viele Brgerinnen und Brger mit Unbehagen. Nach Strfllen, wie dem im Mllheizkraftwerk Korbach und dem nachgewiesenen unkontrollierten Quecksilberaussto im Sommer 2009 macht sich Besorgnis breit, welche unentdeckten Schadstoffe aus dem Mll in die Umwelt gelangen und unsere Gesundheit und die unserer Kinder belasten.

Mllentsorgung ist in der nachindustriellen Gesellschaft zu einem sehr komplexen und profitablen Geschft geworden, sptestens seit die Gesetzgeber die Deponien geschlossen haben oder die Deponierung von Abfllen auf wenige Produkte reduzieren. Damit wurde flchendeckend die so genannte Kreislaufwirtschaft eingefhrt, mit dem Ziel, mglichst alle Abflle einer energetischen oder stofflichen Verwertung zuzufhren. Republikweit sind Dutzende von Mllheizkraftwerken und Verbrennungsanlagen erstellt worden, die nun um die Versorgung mit Brennstoffen wetteifern.

Wohin verschwindet nun unser Mll? Der Abfall von insgesamt rund 170.000 Menschen wird auf dem Gebiet des Kreises eingesammelt, teils vorsortiert und verzweigt sich dann in verschiedene Himmelsrichtungen zur Verwertung oder Entsorgung.

Auch in Waldeck-Frankenberg ist der Kreis entsorgungspflichtig, die Kommunen sind einsammelpflichtig. Manche bernehmen dies mit eigenen Krften und Fahrzeugen, wie die Kernstadt Korbach, andere Gemeinden beauftragen Entsorgungsunternehmen. Hausmll und Sperrmll werden dann in den Mllumladestationen in Bad Wildungen und Geismar sowie der Entsorgungsanlage in Flechtdorf angenommen, vorsortiert und von dort aus weiterer Verwertung zugefhrt. In Flechtdorf geschieht dies zunchst durch eine mechanische Vorsortierung in recycelbare Wertstoffe, wie Metalle (Eisen- und Nicht-Eisen verschiedener Fraktionen), organische Stoffe sowie Restmll, der dann abtransportiert und je nach Heizwert unterschiedlich thermisch verwertet wird. Letztlich landet fast alles, was frher deponiert wurde und was irgendwie verbrennbar ist, mit oder ohne entsprechende Aufarbeitung als Ersatzbrennstoff bei der Zementindustrie, entsprechenden Mllheizkraftwerken oder Verbrennungsanlagen.

Nach Aussagen von Betriebsleiter Egbert Blanc ist es allerdings eher unwahrscheinlich, dass unser Mll aus Waldeck-Fankenberg als Brennstoff im heimischen Mllheizkraftwerk landet. Fr die Entsorgung des Abfalls im Kreis ist exklusiv die eigens gegrndete Entsorgung Waldeck-Frankenberg (EWG), eine Kooperation der Firmen Fehr und Stratmann, zustndig, die auch die Abfall-Aufbereitungsanlage in Flechtdorf betreibt. Als Deponie hat Flechtdorf seit dem 15. Juni 2009 im Wesentlichen ausgedient. Nur bestimmte mineralische Abflle werden noch zur Deponierung angenommen (wir berichteten). Ansonsten verschwindet der seit 1973 abgelagerte Mll nicht nur unter einer aufwndigen meterdicken Abdeckung aus Kunststoffdichtung und Ton- und Lehmschichten, sondern auch aus dem Gedchtnis vieler. Die Entwsserung geschieht ber eine eigens erstellte Klranlage. Und eins ist klar: weitere Messungen und Kontrollen des Gesamtsystems werden die Behrden des Kreises und deren Nachkommen noch rund 50 weitere Jahre beschftigen.

Elektromll und Leuchtstoffrhren werden getrennt gesammelt und entsorgt. Die Verwertung von Papiermll gestaltet sich im Vergleich wenig aufwndig. Die Inhalte der blauen Tonnen werden meist relativ direkt den Papierfabriken, wie einem Unternehmen in Diemelstadt zugeleitet.

Der Verpackungsmll aus den gelben Scken wird an Sammelpltzen (wie Flechtdorf) zu Groeinheiten zusammengestellt und mit Grotransportern zu Sortieranlagen auerhalb des Kreisgebietes transportiert, wo er meist automatisch in unterschiedliche Kategorien sortiert und aufgearbeitet wird. Die Abflle aus den Biotonnen werden in den kreiseigenen Kompostwerken in Flechtdorf und Geismar zu Kompost. Strauchabfall wird zu etwa einem Drittel aufgearbeitet und in Flechtdorf im eigens errichteten Biomassekraftwerk in Energie umgewandelt, die dann ins Netz des regionalen Versorgers eingespeist wird.

Auch Privatunternehmen, wie die Firmen Gross und Unger in Korbach beteiligen sich am Mllgeschft, nehmen bestimmte Abflle (meist gegen Gebhr) entgegen, haben aber ihre eigenen Wege der Entsorgung, meist Verbrennungsanlagen. Bei der Mllsammlung im Kreisgebiet, vor allem bei der riesigen Menge von involvierten Privathaushalten und Gewerbebetrieben ist es wahrscheinlich, dass Schadstoffe in den Mllkreislauf eingebracht werden.

Rest- und Sperrmll wird nach Aussage der Entsorger einer Wareneingangskontrolle unterzogen. Die mechanische Trennung des Mlls in den Sortieranlagen offenbart dann allerdings auch sehr deutlich, dass es einige Brger offensichtlich mit der Entsorgung von Glhlampen und Batterien nicht sehr genau nehmen.

Auch wenn das System Metallteile, wie Akkus herauszieht, bleibt die Frage: was ist mit anderen Giftstoffen? Die gehen dann womglich weiter, unter anderem in die Verbrennungsanlagen, um dann je nach Grenzwertdefinition, vielleicht wieder irgendwann bei den Menschen anzukommen.

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