Die Angst vor Corona wird für immer mehr Menschen lebensgefährlich

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Verengungen in den Herzkranzgefäßen können zum Herzinfarkt führen.

Immer mehr Patienten scheuen aus Angst vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus dringend notwendige Behandlungen im Krankenhaus. Die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle sinkt spürbar - auch im Landkreis.

Korbach - Seit dem Auftreten der Corona-Pandemie hat sich die Anzahl der Patienten, die in Deutschland mit Schlaganfall oder Herzinfarkt in die Notaufnahme eingeliefert werden, deutlich reduziert. Auch aus anderen Ländern wird das gleiche Phänomen berichtet. Die aktuelle Situation beobachten die Verantwortlichen im Stadtkrankenhaus Korbach mit Sorge.

„Offensichtlich scheuen die Betroffenen aus Angst vor Ansteckung mit Covid-19 davor zurück, sich bei Auftreten der richtungsweisenden Symptome in ein Krankenhaus einliefern zu lassen“, vermutet Dr. Arved-Winfried Schneider, Ärztlicher Direktor am Stadtkrankenhaus Korbach. Es sei offensichtlich, dass immer mehr Patienten aus Angst vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus dringend notwendige Behandlungen meiden.

„Dies ist eine fatale Entscheidung“, warnt auch Serguei Korboukov, Chefarzt der Kardiologie im Stadtkrankenhaus. „Sowohl beim Herzinfarkt, als auch beim Schlaganfall erhöht jede vergangene Minute bis zum Beginn der entsprechenden Behandlung das Risiko, dass der Betroffene stirbt oder mit einer dauerhaften Beeinträchtigung leben muss.“

Je früher ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall behandelt werden, desto geringer seien die Folgeschäden, wissen die Mediziner. Beispielsweise könne beim frischen Herzinfarkt durch Wiedereröffnung einer verstopften Herzkranzarterie im Herzkatheterlabor der versorgte Abschnitt des Herzmuskels gerettet werden. Dadurch werde die Pumpkraft des Herzmuskels auch nach einem Infarkt weitgehend erhalten.

Die Ursache eines Schlagfanfalles ist in den meisten Fällen ebenfalls der Verschluss einer Arterie, die einen Gehirnabschnitt versorgt. Dieser Verschluss kann in vielen Fällen durch medikamentöse Auflösung des Gerinnsels, das die Arterie verstopft, behandelt werden (Thrombolyse). Darüber hinaus könne das verschließende Gerinnsel seit einigen Jahren auch in Katheter-Technik mit der sogenannten mechanischen Thrombektomie entfernt werden. Erfolgen Thrombolyse und mechanische Thrombektomie kurz nach dem Auftreten der mit dem Schlaganfall verbundenen Lähmung, verbessere sich die Chance, dass der Patient ohne wesentliche Beeinträchtigungen aus dem Schlaganfall hervorgehe.

Da die Zeit bis zur Behandlung sowohl beim Schlaganfall, als auch beim Herzinfarkt einen wesentlichen Faktor für die Prognose darstellt, sollte man sich beim Auftreten von Brustschmerzen oder Lähmungserscheinungen umgehend in einem Krankenhaus vorstellen. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie werden ausreichend Behandlungsplätze für die Therapie nicht Covid-19-Erkrankter vorgehalten.

„Aufgrund der räumlichen Trennung von Covid-19-Erkrankten und anderen Notfall-Patienten sowie der strikten Einhaltung von Hygienemaßnahmen in den Krankenhäusern besteht keine erhöhte Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus in den Krankenhäusern“, so Dr. Schneider.

Auch Notärzte und Rettungssanitäter halten strikte Hygienemaßnahmen ein, um Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten vor einer Infektion mit Covid-19 zu schützen. „Daher sollte jede Person, die Brustschmerzen oder neurologische Auffälligkeiten entwickelt, sich umgehend per Krankenwagen im Krankenhaus vorstellten“, rät Korboukov.

Die Verantwortlichen im Stadtkrankenhaus appellieren daher an die Patienten, medizinische Notfälle immer ernst zu nehmen und frühestmöglich abklären zu lassen. Der Notfallbetrieb laufe in den Krankenhäusern unverändert und auf hohem Niveau weiter.

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