Zirkus in der Kaserne

Korbach. Pferdegewieher, Eselsgeschrei und frohes Hühnergegacker, ein paar Hunde laufen herum und begrüßen die Gäste, Ziegen, ein Lama und zwei Dr

Korbach. Pferdegewieher, Eselsgeschrei und frohes Hühnergegacker, ein paar Hunde laufen herum und begrüßen die Gäste, Ziegen, ein Lama und zwei Dromedare lugen neugierig hinter den Transportwagen und Zeltstangen hervor, weiße Tauben fliegen umher.

Zirkus gab es in und um die ehemalige belgische Kaserne in den letzten Jahren bereits mehr als genug, zuletzt sorgte die Zwangsversteigerung der kreiseigenen Beschäftigungsgesellschaft für Aufsehen (wir berichteten). Mittlerweile hat das Gelände einen neuen Besitzer. In den vergangenen drei Wochen war ein richtiger Zirkus eingezogen, nicht ganz freiwillig, denn bei der Abreise nach Vorstellungen in Korbach wurden Teile des Fuhrparks wegen Verkehrsuntauglichkeit von der Polizei aus dem Verkehr gezogen (wir berichteten).

Weil sie nicht wussten, wohin, hat die Stadt ihnen ein Teil des ehemaligen Kasernenareals als vorübergehende Bleibe vermittelt. Und hier hängen die ungefähr 20 Artisten, Dompteure, Tierpfleger, Techniker und Hilfskräfte seitdem fest. Das Geld fehlte für die Anschaffung weiterer Ersatzteile, und was weitaus dramatischer war, um Futter für knapp 80 Tiere zu kaufen, mindestens 150 Euro am Tag.

Keine Weiterreise, keine Aufführungen, kein Geld, kein Futter, ein unglücklicher Kreislauf.

Geschäftsführer Dennis Fischer fuhr in der Gegend herum, um die teils exotischen Reifengrößen für die Anhänger zu besorgen. Ein heimischer Reifenhersteller hatte bereits ein Einsehen und stattete einen Anhänger mit neuen Reifen aus. Die Mitarbeiter des Zirkus liefen in der Stadt herum und baten um Spenden und Kredite bei Landwirten und Futterlieferanten, mit mäßigem Erfolg. "Ich verstehe nicht, warum die Korbacher nicht mehr helfen", erzählt ein uns Korbacher Geschäftsmann. Er hat Futter gebracht und versucht, den Zirkus zu unterstützen. Allein die Entsorgung des Mistes kostet pro Container über 100 Euro, niemand konnte eine preiswerte und naturverträgliche Lösung anbieten.

 "Wir können Betriebsfeste mitgestalten, Kindergeburtstage und Stadt- oder Dorffeste", sagte Dennis Fischer, "wir sind da ganz flexibel". Ansonsten große Ahnungslosigkeit, wie es weiter gehen soll, nicht das erste Mal in der über 100-jährigen Geschichte des Zirkus.

 "Wir werden langsam depressiv", erzählt eine Mitarbeiterin. Aufhören und sich eine andere Arbeit suchen, ist für die Leute von Sarrani keine Alternative. "Den Zirkus gibt es seit 1877, wir sind mit Leib und Seele Zirkusleute, wir haben nichts anderes gelernt. Das kommt für uns nicht in Frage". 

Mittlerweile hat ein weiterer anonymer Spender einen großen Teil der Reparaturkosten übernommen. Ein anderer hat Diesel gespendet. Ein großer Schritt voran. "Aber es reicht immer noch nicht ganz, wir sind weiter auf Hilfe angewiesen, damit wir die Tiere versorgen können und die restlichen Fahrzeuge fit werden, damit wir endlich weiterziehen können", sagt der junge Zirkusdirektor dem EDER-DIEMEL Tipp.

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Zwei Kamele büchsen aus...

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