Zwischen Detektivarbeit und Kummerkasten Das erlebt das Gesundheitsamt im Kampf gegen Corona

Gebündelte Kräfte: In der Kreisverwaltung stemmen derzeit über 100 Mitarbeitende gemeinsam die Herausforderungen der Corona-Pandemie.
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Gebündelte Kräfte: In der Kreisverwaltung stemmen derzeit über 100 Mitarbeitende gemeinsam die Herausforderungen der Corona-Pandemie.

Im Kampf gegen das Coronavirus versucht der Landkreis mit vereinten Kräften die Infektionsketten zu durchbrechen. Rund 100 Mitarbeiter aus der gesamten Kreisverwaltung in Waldeck-Frankenberg arbeiten mittlerweile für das Gesundheitsamt.

Korbach. Im Kampf gegen das Coronavirus versucht der Landkreis mit vereinten Kräften die Infektionsketten zu durchbrechen.

Um Begegnungen nachzuverfolgen, Infizierte und deren Kontakte in Quarantäne zu stellen und eine telefonische Betreuung aufrecht zu erhalten, arbeiten mittlerweile 100 Mitarbeiter aus der gesamten Kreisverwaltung in Waldeck-Frankenberg für das Gesundheitsamt.

Nahezu rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche wird versucht der Mammutaufgabe noch gerecht zu werden, auch wenn die rasant steigenden Infektionszahlen dies immer schwieriger machen.

Das Virus kennt keinen Feierabend und kein Wochenende: Fast rund um die Uhr treffen neue Befunde aus den Laboren beim Landkreis ein.

Mit ihnen startet die Nachverfolgung der Infektionsketten: „Sobald wir einen positiven Fall registrieren, setzen wir uns mit dem Betroffenen in Verbindung, stellen ihn in Quarantäne und lassen uns seine sozialen Kontakte der letzten Tage auflisten“, berichtet Hygienekontrolleur Felix Schohr vom Fachdienst Gesundheit des Landkreises.

Es türmen sich Berge mit Arbeit

Anschließend beginnt eine Art Detektivarbeit.. „Wir müssen genau ermitteln, welche Art von Kontakt die Menschen hatten und daraus das Infektionsrisiko ableiten.“ Das sei nicht immer leicht – vor allem, weil die Kontaktlisten der Menschen immer länger würden. „Teilweise gilt es pro Infiziertem bis zu 50 Menschen ausfindig zu machen, sie anzurufen, zu beraten, entsprechende Maßnahmen einzuleiten und alles nachvollziehbar zu dokumentieren.“ Ein enormes Arbeitsaufkommen, enormer bürokratischer Aufwand. Die Menge an Verwaltungsaufgaben sorge dafür, dass die Telefon-Hotline der Kreisverwaltung zeitweise überlastet ist. Quarantäne-Bescheide kommen erst mit zeitlicher Verzögerung in die Post, wofür der Landkreis um Verständnis bittet. An den Auflagen nach dem Infektionsschutzgesetz ändert dies aber nichts wie die Amtsärztin Karin Schönberger des Fachdienstes Gesundheit erklärt: „Wenn wir die Quarantäne mündlich anordnen, ist sie genauso rechtswirksam wir ein Brief.“ Natürlich bemühe man sich, dass alle Betroffenen ihre Bescheide trotzdem so schnell als möglich erhalten, weil viele diese beispielsweise auch für ihren Arbeitgeber benötigten.

„Wir haben verschiedene Teams gebildet, die sich im Akkord durch die Berge von Arbeit kämpfen. Auch am Wochenende kommen viele freiwillig zu den Diensthabenden dazu, um die Kollegen zu unterstützen. Wir erfahren hier eine sehr große Solidarität“, berichtet Gesundheitsamts-Chef Thomas Hetche, den der Zusammenhalt seines Teams auch ein wenig stolz macht.

Von Flirtversuch bis Weinkrampf

Sind die Kontaktpersonen und Erkrankten ausfindig gemacht und in Quarantäne gestellt, wird jeder einzelne von ihnen 14 Tage lang persönlich betreut. Derzeit sind das rund 1.300 Menschen in Waldeck-Frankenberg Stand: 13. November), Tendenz steigend. „Wir rufen die Menschen einmal am Tag an, erkundigen uns wie es ihnen geht und leiten – wenn nötig – weitere Schritte ein“, berichtet Elisabeth Engelhard, die wie zahlreiche andere Kollegen eigentlich in einem anderen Fachdienst arbeitet und nun das Gesundheitsamt unterstützt. „Das sind locker bis zu 80 Telefonate pro Tag.“ Von Flirtversuch bis Weinkrampf: „Viele Menschen reagieren in dieser Ausnahmesituation sehr emotional“, berichtet sie weiter. „Wir nehmen die Sorgen, Ängste und Probleme der Menschen ernst und versuchen ihnen bestmöglich zu helfen.“ Man müsse für die Menschen ein offenes Ohr haben.

„Wir schätzen das außerordentliche Engagement unserer Mitarbeitenden in dieser Extremsituation sehr“, betonen Landrat Dr. Reinhard Kubat und der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese. „Wir alle im Landkreis müssen es jetzt schaffen, dass die Zahlen wieder sinken.“ Auch, wenn man sich derzeit bereits darauf vorbereite, die Kapazitäten vorsichtshalber noch weiter zu erhöhen.

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