Zwischenruf zur MemoreBox: Die Entwickler halten sich für unvergleichlich

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MemoreBox - Therapeutische Computerspiele sollen in Pflegeinrichtungen Einzug halten.

Für die Entwickler der „Memorebox“ könnte es aktuell nicht besser laufen. Gemeinsam mit der Barmer Krankenkasse starten sie bundesweit in rund 100 Pflegeeinrichtungen nun einen weiteren Testlauf.

Überall werden die Microsoft Kinect Sensoren der Xbox auf große Flachbildschirme gesetzt und 100 Konsolen der RetroBrain GmbH mit den sechs altersgerecht entwickelten Videospielen installiert. Viel Netzwerkarbeit, gelungene Präsentationen und eine Handvoll Auszeichnungen liegen dem zugrunde, die das Start-up geschickt in Szene zu setzen weiß. RetroBrain verfügt nach eigener Aussage über ein starkes Netzwerk an namhaften Freunden und Unterstützern aus Wissenschaft, Praxis und Gesundheitspolitik. Aktuell unterstützt Sachsens Gesundheitsministerin die weitere Pilotphase in ihrem Bundesland und auch Hessens neue Digitalministerin ist hierzulande an Bord (Mehr dazu lesen Sie hier...)

Doch zum therapeutischen Gaming für Demenzerkrankte, mit dem man seit Jahren wirbt, finden sich detaillierte wissenschaftliche Beweise, die dies untermauern sollen, wenn überhaupt, nur schwer. Lediglich Tendenzen werden genannt (siehe EXTRA-INFO).

Auf die Frage nach den Kosten für Konsole und Software mauern die Verantwortlichen. Projektleiter Jens Brandis: „Ich bin nicht autorisiert etwas zum Preis zu sagen“ und Norbert Sudhoff, Hessens Geschäftsführer der Barmer: „Wir befinden uns vor der Markteinführung.“

Auch Vergleiche mit anderen Spielekonsolen und Software werden kategorisch ausgeschlossen. Über den Tellerrand gucken mag jetzt wohl keiner mehr. Nirgends wird getestet, ob Senioren mit einer handelsüblichen Spielekonsole, die vergleichbare Technik und ähnliche Spiele bietet, positive Entwicklungen nehmen.

Ein solches Gerät wäre für rund 350 Euro (Einzelhandelspreis) erhältlich. Entsprechende Spiele kosten extra. Der Barmer Geschäftsführer versichert, dass mit dem Geld der Versicherten sorgsam umgegangen werde. Lediglich drei Millionen Euro stünden demnach im jährlichen Budget für Präventionen zur Verfügung. Doch selbst wenn davon nur ein Bruchteil in den Memorebox-Etat fließt, ist es vermutlich ein lohnender. Also bitte: Preise und Nutzen genau vergleichen. Spielend Therapieren ist etwas anderes als therapeutische Spielereien.

Mehr dazu:

Spielend Therapieren: Die Memorebox will mit Videospielen Senioren gesünder machen

Wissenschaftliche Begleitung der MemoreBox zeigt noch keine Wirksamkeit

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