10.000 Brötchen pro Tag

+

Eschwege. Seit 1899 gibt es nun die Bäckerei Wolf in Eschwege – der MARKTSPIEGEL schaute hinter die Kulissen des Familienbetriebes.

Eschwege. Seit 1899 steht die Bäckerei Wolf in Eschwege für Qualität und guten Geschmack. Und das bereits in vierter Generation. Damals wurde der Familienbetrieb durch Bäckermeister Carl Becker, dem Urgroßvater der heutigen Inhaber Thomas und Klaus Wolf, gegründet.

Dabei setzt man damals wie heute auf das gute alte Handwerk. "Wir nehmen uns Zeit für unser geliebtes Handwerk – das schmeckt man", so Thomas Wolf, für den Fertigware nicht in den Ofen kommt. Nur die besten und ausgewähltesten Zutaten kommen in die "Rührschüssel" – und die ist verdammt groß. "Hier sind jetzt 180 Kilogramm Teig drin", zeigt der Bäckermeister auf die Rührmaschine, die den Angestellten mittlerweile die Arbeit erleichert. "Früher wurde alles per Hand geknetet – jetzt läuft alles automatisch", sagt Klaus Wolf, der zusammen mit seinem Bruder vor über zehn Jahren die Backstube von seinen Vater übernommen hat.

Mittlerweile beschäftigen die beiden Geschäftsführer ganze 60 Mitarbeiter, die in der Produktion, aber auch in den insgesamt elf Filialen sowie Cafés und Bistros der Bäckerei arbeiten. "Wir haben viele langjährige Mitarbeiter, die hier das Handwerk von Grund auf gelernt haben", so Thomas Wolf.

Einer der Mitarbeiter ist Stefan Ludwig. Er absolvierte 1988 seine Lehre in der Bäckerei in der Wallgasse in Eschwege und ist seither – mit kurzer Wehrdienst-Unterbrechung – der Mann, der in der Backstube für Brot und Brötchen sorgt. Und das sind nicht wenige. "Wir verkaufen täglich 10.000 Brötchen und zwischen 500 und 600 Broten", erzählt Wolf, der in seiner Backstube rund 60 verschiedene Artikel herstellt. Dazu gehören natürlich neben dem täglichen Brot auch Laugengebäck, süße Teilchen oder köstliche Torten, die liebevoll hergestellt und verziert werden.

Dafür sorgt seit 25 Jahren Konditor Gerd Samland. "Er ist zuständig für die süßen Dinge", so Thomas Wolf, der vergangene Woche zusammen mit Bruder Klaus und Kreishandwerksmeister Hubertus Erner nicht nur seinem Konditor zum Dienstjubiläum gratulierte, sondern auch seinem Bäcker Stefan Ludwig.

Für den war spätenstens nach dem Praktikum klar, dass er Bäcker werden will. "Und ich habe es keinen Tag bereut", so Ludwig, der seinen Beruf liebt und kein Problem hat dann zu arbeiten, wenn andere schlafen. Denn die erste Schicht fängt um 2.30 Uhr an – die zweite kommt um 4 Uhr.

Jetzt heißt es: Ab in den Backofen mit Brot, Brötchen und Co. "Damit sich Mehl und Hefe gut entfalten können und wir keine Zusatzstoffe nehmen müssen, bereiten wir die Backwaren einen Tag vorher zu", verrät Klaus Wolf, der gerade dabei ist einen Wagen mit 600 Brötchen in einen sogenannten Gärvollautomaten zu schieben.

In der Zwischenzeit schrotet Thomas Wolf das Korn. Ein 25 Kilogramm schwerer Sack Vollkorn muss gemahlen werden. Wie viele andere Zutaten auch, kommt das Getreide aus der Region. In drei riesigen Silos befindet sich das Mehl. "Das sind insgesamt 10 Tonnen. Wir benötigen in etwa eine Tonne Weizenmehl pro Tag", erklärt der Geschäftsführer und drückt auf den Startknopf der Getreide-Mühle – auch das läuft mittlerweile automatisch.

Doch trotz der Arbeitserleicherung durch die Technik, ist Fingerfertigkeit gefragt. Die Brezeln werden zum Beispiel noch per Hand geformt und auch die süßen Teilchen können manchmal gerne auf Maschinen verzichten.

Wenn die Backwaren dann fertig sind, heißt es für die Fahrer, alle elf Filialen zu beliefern, damit die Menschen pünktlich ihr Brötchen auf dem Frühstücktisch liegen haben. Viele große Kunden hat die Bäckerei Wolf nicht. "Wir haben alle Hände voll zu tun, unsere eigenen Filialen zu bestücken. Da bleibt gerade mal noch Zeit, für eine Hand voll größerer Kunden", so Thomas Wolf.

Während die frischen Waren ihren Weg von der Backstube in die Geschäfte finden, startet die "Mannschaft" in der Backstube bereits mit der Vorproduktion für den nächsten Morgen. Teig wird hergestellt, geknetet, geformt und findet wieder Platz in dem großen Gärvollautomaten. Hier kann er nun erstmal ruhen.

Jetzt heißt es für das Team nur noch: Backstube aufräumen und reinigen – alles zurück an den richtigen Platz und dann geht es in den wohlverdienten Feierabend. "Wie in anderen Berufen auch, haben wir eine 40-Stunden-Woche. Natürlich muss man auch am Wochenende arbeiten – das bringt der Beruf mit sich – aber dafür hat man in der Woche öfter frei ", so Thomas Wolf.

Von den Filialen und Cafés der Bäckerei Wolf befinden sich allein sieben direkt in der Kreisstadt, aber auch in Wanfried, Niederhone und Bad Sooden-Allendorf kann man die Produkte der Bäckerei Wolf kaufen. Die Geschäfte haben individuelle Öffnungszeiten und sind an die Bedürfnisse der Kunden angepasst. So hat man am Bahnhof zum Beispiel die Möglichkeit, in der Woche bereits um 5 Uhr morgens zu frühstücken.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Ulfener Jungs: Vorverkauf der Neujahrskonzerte startet bald

Karten für die Neujahrskonzerte der Ulfener Jungs im Januar 2020 sind ab dem 16. November erhältlich.
Ulfener Jungs: Vorverkauf der Neujahrskonzerte startet bald

Bildergalerie: Das war der 24. Martinsmarkt in Sontra

Hier kommen die Bilder vom 24. Martinsmarkt in Sontra
Bildergalerie: Das war der 24. Martinsmarkt in Sontra

Hessen und Thüringern feiern 30 Jahre Mauerfall in Großburschla

Mehr als 1.000 Menschen feierten den Mauerfall gemeinsam an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen.
Hessen und Thüringern feiern 30 Jahre Mauerfall in Großburschla

Orthopädische Klinik aus Hessisch Lichtenau übernimmt OCP in Kassel

Der Vertrag ist geschlossen, am 1. Januar wird die Orthopädische Klinik aus Hessisch Lichtenau die Orthopädisch-chirurgische Gemeinschaftspraxis und Praxisklinik Kassel …
Orthopädische Klinik aus Hessisch Lichtenau übernimmt OCP in Kassel

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.