Aggressive Wildschweine – schwerverletzte Jagdhunde

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Notfall im Wald: Tierärzte Kalden und Kühnemund sind im Dauereinsatz, denn Jagdsaison ist Hochsaison für Veterinäre.

Wanfried/Werra-Meißner. Ellas Leben hing am seidenen Faden. Ihr Brustkorb war zerquetscht, eine Rippe durchbohrte ihre Lunge. Ihre Atemluft wurde dadurch unter die Haut gedrückt, sie sah aus wie ein Medizinball.

Ella ist ein amerikanischer Plott Hound, ein Jagdhund. Wie Ella geht es momentan vielen Jagdhunden, denn es ist Jagdsaison. "Es kommt vor, dass wir drei verletzte Jagdhunde an einem Tag behandeln", sagt Tierarzt Ernst-Wilhelm Kalden.

"Wir", das sind Kalden selbst, der seit 22 Jahren in Wanfried als Veterinär für Klein- und Großtiere tätig ist, seine neue Kollegin, Tierärztin Eva Kühnemund und Praxis-Mitarbeiterin Jutta Alferow.

Gemeinsam retteten sie Ellas Leben. "Dank intensivster medizinischer Betreuung haben wir es geschafft, Ella ist über den Berg", sagt Eva Kühnemund. Die Eschwegerin hat ihr Studium in Hannover abgeschlossen, arbeitet seitdem bei und mit Ernst-Wilhelm Kalden und schreibt gerade ihre Doktorarbeit. "Eva ist eine Bereicherung für meine Praxis, sie ist bestens ausgebildet und bringt alles mit, was eine gute Tierärztin auszeichnet", lobt Kalden die 27-Jährige.

Seit November verstärkt sie das Praxisteam. Und seit November haben sie alle Hände voll zu tun. Denn immer wieder werden Jagdhunde von Wildschweinen schwer verletzt – so wie Ella. "Wildschweine, vor allem die Muttertiere, werden immer aggressiver. Eine Folge des erhöhten Jagddrucks", sagt Kalden, der selbst erfahrener Jäger ist.

"Wir müssen aber jagen, denn die Wildschwein-Population im Kreis ist wahnsinnig hoch", so Kalden. Ursachen hierfür seien die milderen Winter und die zunehmende Monokultur.

Problem sei, dass die Bachen von Jahr zu Jahr schlauer werden. "Muttertiere werden nicht geschossen, das ist ein Ehrenkodex unter Jägern. Somit wissen ältere Tiere, wie sie sich und ihre Rotte am besten schützen", sagt Kalden. Sie laufen nicht mehr weg, sondern bleiben in ihrem Kessel, ihrem Bau liegen. Der erste Hund, der dort ankommt, wird dann aggressivst angegangen.

So erging es auch Ella und vielen weiteren Hunden. Dank bester medizinischer Betreuung durch Spezialisten wie Ernst-Wilhelm Kalden und Eva Kühnemund, die nicht selten in den vergangenen Wochen in die heimischen Wälder zu Notfällen gerufen wurden, überleben die Vierbeiner trotz heftigster Blessuren.

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