"Alles, was du mir erzählst, bleibt unter uns"

Redaktionsleiter Lars Winter.
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Redaktionsleiter Lars Winter.

175 Fälle von häuslicher Gewalt sind der Polizei aus dem vergangenen Jahr bekannt. Fast jeden zweiten Tag gibt es also hinter irgendeiner Haustür i

175 Fälle von häuslicher Gewalt sind der Polizei aus dem vergangenen Jahr bekannt. Fast jeden zweiten Tag gibt es also hinter irgendeiner Haustür im Kreis Schläge. Und das sind nur die polizeilich registrierten Fälle. Über die Dunkelziffer will man lieber erst gar nicht spekulieren. Übrigens sind in fast 20 Prozent der registrierten Fälle Männer die Opfer.

Für alle Opfer gibt es im Kreis eine Vielzahl von Hilfeangeboten. Diesbezüglich sind wir bestens aufgestellt. Und auch die Vernetzung untereinander von Polizei, Jugendamt, Beratungsstellen, Frauenhaus und psychiatrischen Einrichtungen ist vorbildlich. Das wurde während der öffentlichen Sitzung des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt deutlich.

Die Frage ist daher nicht, ob es genug Hilfe gibt, denn die gibt es. Sondern die Frage ist, wie man die Opfer – und dazu gehören auch und vor allem die Kinder – dazu bringt, Hilfe auch anzunehmen.Glaubt man den Experten sind es besonders die Kinder, die das Tabu-Thema nicht brechen. Besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang die Aussage einer Expertin aus dem Kreis, die sich erschrocken zeigte, wie wenig Kinder überhaupt wüssten, dass an ihrer jeweiligen Schule Schulsozialarbeiter als Ansprechpartner zur Verfügung stünden.

Häusliche Gewalt müsse als Thema in die Schulen, fordert daher die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Thekla Rotermund-Capar. Denn oft würden Verhaltensveränderungen allen möglichen Ursachen zugeschrieben, aber erst in letzter Konsequenz als Folge der miterlebten Gewalt gegen die eigene Mutter.

Hier scheint Aufklärungsbedarf zu bestehen, denn wenn nicht in der Schule, wo dann könnte auffällige Veränderungen im Verhalten eines Kindes wahrgenommen werden. Kinder müssen aber erst einmal wissen, dass es diese Ansprechpartner gibt. Und ganz wichtig ist der Transport folgender Botschaft: "Alles, was du mir erzählst, bleibt unter uns". Denn vertraut ein Kind nicht, wird es sich auch keiner Schulsozialarbeiterin, Schulseelsorgerin oder Schulpsychologin anvertrauen.

Über die Wichtigkeit dieser Anlaufstellen für Kids in unseren Schulen darf es keine zwei Meinungen geben.Gewalt in Familien wird es immer geben, aber gerade deswegen muss alles versucht werden, betroffenen Kindern einen Ausweg zu ermöglichen.

Lesen Sie auch:

Endstation Frauenhaus - Ein Fall aus dem Werra-Meißner Kreis

sowie

Die große Angst der Kleinen - Erschreckende Folgen für Kinder, die häusliche Gewalt (mit)erleben

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