"Als wäre sie unter uns"

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Herleshausen. Bewegend: Schülerinnen aus Herleshausen begeben sich in den Dialog mit Holocaust-Opfer Rosi Ochs.

Herleshausen. Die 10-jährige Rosi Ochs durfte als Jüdin die Schule in Herleshausen nicht mehr besuchen. Im Dritten Reich sollten die Schulen "judenfrei" sein.

Ihre Eltern schickten sie schweren Herzens zu emigrierten Verwandten nach Holland. Doch auch dort erreichte das Mädchen der Holocaust. Rosi wurde mit vielen anderen Juden von Westerbork/Holland nach Polen deportiert. Kurz vor ihrem 14. Geburtstag wurde sie im Vernichtungslager Sobibor grausam ermordet.

Rosis Leben zum Anfassen nah

Annähernd gleichaltrig sind die Schüler und Schülerinnen der Südringgau-Schule, die sich jetzt mit Rosis Schicksal auseinandergesetzt haben. Von ihrem Taschengeld haben sie bereits einen "Stolperstein" für Rosi gespendet.

Auch wurden viele Briefe geschrieben, denn durch die Beschäftigung mit Rosis Leben war sie für die Jugendlichen "anfassbar" geworden. So schrieb Mara Virnau aus Herleshausen:

"Liebe Rosi, mein Name ist Mara Virnau und ich bin eine Schülerin der Südringgau-Schule in Herleshausen, die die 9. Klasse besucht. (...) Als ich das Kinderfoto von Dir sah, stellte ich mir viele Fragen, denn es wurde auch erwähnt, dass Du als freundliches und aufgeschlossenes Kind mit einer sehr schönen Handschrift bei deinen Mitschülern in Erinnerung geblieben bist. Du stellst Dir jetzt sicher die Frage, weshalb Dir eine Jugendliche einen Brief schreibt, aber es gibt auch noch Menschen, die sich für das damalige Leben interessieren.

Ich sitze gerade am Fenster und schaue hinaus und lasse nochmal die ganzen Informationen und Bilder von Dir und Deiner Familie auf mich wirken. Somit stelle ich mir die Frage, wie Du Dir dein Leben in Frieden vorgestellt hättest und wie Deine Kindheitsträume aussahen. Einige Menschen wissen nicht, was es bedeutet in Frieden zu leben und dass man froh sein kann, seine eigene Meinung auszusprechen. (...)

Uns wurde in der Schule mit Ermahnung zur Vorsicht von Deiner Mutter ein Nachthemd mit ihrem Namen darauf gestickt, gezeigt und ebenfalls ein Handtuch mit dem Namen darauf. Als ich es in der Hand hielt, lief es mir eiskalt den Rücken herunter, denn es ist noch mit das einzige, was als Erinnerung dient und was von eurem Leben in Herleshausen übrig geblieben ist. Für mich war es ein ganz besonderer Moment und eine Ehre, dieses Nachthemd in der Hand zu halten. (...)

Respekt gegenüber der Geschichte

Vielleicht denkst Du Dir auch, dass ich mich nur für Dein Leben interessiere, um in der Schule gute Noten zu erlangen, aber so ist es nicht! Mich hat Deine Geschichte berührt und ich fühle mich verpflichtet, Dir und deiner Geschichte gegenüber Respekt zu haben.

Ich finde, die damalige Zeit, die ihr durchlebt habt sollte nicht vergessen werden, denn wir können einen Anteil durch die "Stolpersteine" (eine Initiative in Herleshausen; Anm.d.Red.) leisten, indem wir die Gesellschaft aufmerksam machen, wie es euch ergangen ist und damit euer Leben von einer anderen Perspektive zu sehen.

Es grüßt Dich herzlich Mara Virnau"

Auch Annika Eichholz (Ringgau-Renda), Laura Carl (Wommen), Mareike Weishaar (Breitzbach), Michelle Först (Herleshausen), Theresa Göpel (Herleshausen) und Lisa-Marie Bauer (Herleshausen), haben Briefe an Rosi Ochs geschrieben. Diese sind auf der Internetseite der Gemeinde Herleshausen www.herleshausen.de unter "Unsere Gemeinde/Stolpersteine" veröffentlicht. (wer)

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