Anti-Fest der Sinne

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Weißenbach. Im Meer aus Kot und Urin: Rundgang durch ein Messie-Haus

Weißenbach. Die Vögel zwitschern rund um das Haus im Grünen bei Weißenbach und es duftet nach Blumen die gerade zu blühen beginnen. Die Temperatur ist mit 16 Grad mild, aber angenehm. Es ist bewölkt, doch die Sonne durchbricht immer wieder die Wolkendecke. Es ist gerade 9.13 Uhr an diesem Frühlingstag und nur noch rund drei Sekunden bis zum Unterdrücken des Brechreizes. Denn als die Haustür des Gebäudes aufgeht zieht sofort der beißende Gestank von Kot und Urin in die Nase.So entschließt man sich lieber durch den Mund zu atmen, doch an dieser Stelle sei gesagt, dass man in diesem Fall ein Messie-Haus schmecken kann.Doch zum Glück sind diese Gedanken schnell vorbei, denn von diesem Moment an ist man damit beschäftigt den Brechreiz zu unterdrücken. Doch da man wusste, worauf man sich eingelassen hat, verzichtete man aufs Frühstück. Zum Glück.Fast vier Jahre lebte hier in Weißenbach ein Messie-Paar mit seinen etwa sieben Hunden und zahlreichen Katzen, die einiges hinterlassen haben.Eine Ablenkung vom Gestank des Kotes und Urins der Tiere ist es, um eben diesen herum zu manövrieren. Ja, der Boden wirkt an einigen Stellen wie ein gelbes Meer in dem sich die brauenen Kot-Felsen der Müllbrandung widersetzt haben. Als man den Flur durchquert hat und am Wischmob, der wohl nur zur Dekoration in der Ecke steht, vorbei ins Wohnzimmer gelangte, könnte man fast aufatmen, aber das will man einfach nicht.

Das Wohnzimmer ist fast leer, die ehemaligen Mieter haben wohl doch etwas mitgenommen. Erste Gedanken der Hoffnung keimen auf: "Naja, vielleicht wird es ja doch nicht so schlimm." Doch spätestens bei der Küche ist klar, dass man besser gegen alles mögliche geimpft sein sollte. Den Dreck und die Mietschulden von rund 3.000 Euro haben die Messies zurückgelassen. Dass man den Kühlschrank selber öffnen muss ist fast ein Wunder, denn der Schimmel dürfte soviel Eigenleben besitzen, dass er eigentlich die Tür selbst öffnen könnte.In diesem Augenblick schießt einem dann aber nur der Gedanke durch den Kopf: "Sch...e, du hast was angefasst."Und so würde man sich am liebsten im Bad schnell die Hände waschen, zumal es die nächste Station auf dem Rundgang ist. Doch nachdem einem der Schimmel im Waschbecken mitteilt, dass das Bad sein Refugium neben dem Kühlschrank ist, will man auch gar nicht mehr in die Toilette oder die Dusche schauen.Im Anschluss geht es in den 1. Stock. Hier haben die Hunde ihren Schlafplatz gehabt, wie auch die Mieterin. Im selbstgebauten Hundezwinger sind reichlich "braune Felsen" im Meer des Chaos zu sehen. Wieviele sich davon unter den Klamotten verbergen, auf denen man gerade steht will man nicht wissen. Wieviel Urin in den Klamotten steckt auch nicht.

Es stinkt so unerträglich, dass man nur schnell hier raus will. Doch vorher wird noch ein Stopp im Schlafzimmer eingelegt. Hier wird einem klar, warum im und um das Haus so viele Kugelschreiberteile liegen, zusammen mit einer PET-Flasche hatten sich die Mieter eine Wasserpfeife gebaut. Ob damit gekifft wurde, gut möglich, aber nach Canabis riecht es in dem Haus jedenfalls nicht.Zudem überwiegt die Freude, dass man nun wieder aus dem Haus raus kommt. Als erstes geht es zum Auto und man holt sich ein paar Desinfektionstücher. Hände, Kamera und Schuhe müssen erstmal gründlich abgewischt werden.Wie es soweit kommen konnte, das können sich die Besitzer des Hauses auch nicht erklären. "Das Haus wurde von dem Mann angemietet, wenig später zog dann die Frau nach, kurze Zeit später kamen die Hunde dazu. Ab und zu wohnten einge der Kinder mit im Haus, die es aber auch wieder verließen. Im Oktober starb dann der Mann und die Frau wohnte vorübergehend mit ihrer Tochter in dem Haus und etwas später allein", erklärt Margret Weiland, die Tante des Besitzer des Hauses, Klaus Dieter Weiland. Die Miete soll schon vor dem Tod des Mannes nicht mehr gezahlt worden sein. Mitte April musste die Frau nun ausziehen. "Das läuft jetzt alles nur noch über unseren Anwalt", so die Verwandte des Besitzers.

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