Auch für ungeübte Kletteräffchen

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Der Marktspiegel machte den Test vor der Eröffnung: Redakteurin Sonja Liese im KletterwaldEschwege. Die Karabinerhaken klicken. Erst ein Mal, dann

Der Marktspiegel machte den Test vor der Eröffnung: Redakteurin Sonja Liese im Kletterwald

Eschwege. Die Karabinerhaken klicken. Erst ein Mal, dann noch ein zweites Mal. Und so hängen sie nun in einer Öse an dem zwanzig Meter langen Stahlseil, das die einzige Verbindung zwischen den zwei riesigen Bäumen ist. Der Weg nach unten ist weit, sehr weit und führt nur über das schmale Drahtseil, das 14 Meter über dem Waldboden gespannt ist. "Keine Sorge", beruhigt mich mein persönlicher Guide Karsten, der zu den erfahrenen Kletterern im Kletterwald Leuchtberg in Eschwege gehört.

Anziehen, einweisen, aufpassen!

Karsten ist einer von insgesamt 17 Guides, die jedes Jahr unter der Leitung von Betriebsleiter Martin Kanese die Besucher im Park betreuen. Anziehen, einweisen, aufpassen, das sind ihre Aufgaben.

Und sie vermitteln vor allem auch eins: Sicherheit! "An die Karabiner könntest du zwei Autos dranhängen. Das Seil würde sogar vier Tonnen halten", Karsten reicht mir das Element rüber, an das ich mich gleich dranhängen werde. Der Transport von A nach B kann also gleich beginnen. Noch ein kurzer prüfender Blick nach unten, ein Mal tief durchatmen und ab geht es. Meine Hände umfassen jetzt fest die beiden Griffe. "Bloß nicht loslassen", denke ich mir und halte die Eisen noch fester.

Der schönste Blick auf den Werratalsee

Während ich so in der Luft hänge, wendet sich mein Blick kurz ab vom eigentlichen Geschehen. Ich schaue durch die Bäume hindurch – noch sind sie kahl – und erspähe in hundert Metern Entfernung den Werratalsee. Wunderschön! Ein Gefühl von Freiheit! Einfach mal die Seele baumeln lassen. Im Moment sind es aber eher meine Beine, die – "Zack" – plötzlich wieder festen Boden erreichen. Die nächste Plattform ist unter meinen Füßen.

Erleichtert löse ich erst einen Karabinerhaken aus der Öse und sichere mich an dem Drahtseil, das um den Baum geschlungen ist. Noch schnell den zweiten Haken sichern und jetzt erstmal durchatmen. Sicher!

Meine Knie sind noch ganz weich. So langsam kann ich mich aber auf meine eigentliche Aufgabe konzentrieren. Fotografieren! Genau! Aus diesem Grund habe ich auch gleich zwei Guides an meiner Seite. Meine zwei "Fotomodels", zu denen neben Karsten – der dankenswerterweise meine Kamera in dieser luftigen Höhe für mich trägt – auch Nico zählt.

Vorsichtig nehme ich das Gerät in die Hände und hänge es mir schnell um den Hals. Das große Objektiv zieht mich ein Stück nach vorne. Ich stelle mich auf und halte mit der Kamera auf den auf mich heranrasenden Karsten. "Zack!" Und schon steht auch er neben mir.

Eine wirklich wackelige Angelegenheit

Auch das nächste Element – eine wackelige Holzbrücke – kann ich mit viel Kraftanstrengung noch überwinden. Und dann geht plötzlich gar nichts mehr, und ich erinnere mich an das vor zwei Tagen geführte Gespräch mit Martin: "In Parcours 4 sind Kraft und Geschicklichkeit gefragt, Parcours 5 ist Adrenalin pur!"

Okay, das erklärt so einiges, insbesondere die Kraft, die sich nach über der Hälfte des Parcours verabschiedete.

Ich als ungeübtes Kletteräffchen habe es ja auch tatsächlich gewagt, nachdem ich zwei Tage zuvor Parcours 1 und 2 mit Bravour gemeistert hatte, gleich die 4 anzugehen – die Mutter aller Parcours, den Kraftfresser – der Fotos wegen. Die kann mir jetzt aber auch niemand mehr nehmen.

Zufrieden stehe ich auf der Plattform. "Kannst du mich abseilen", bitte ich Karsten, der zu den Stoßzeiten mit seinen Kollegen zusammen bis zu 100 Gäste in die Bäume schickt. "Man muss sich nicht trauen. Was hier oben zählt ist eine gesunde Selbsteinschätzung", Karsten zeigt Verständnis und holt den Abseilrucksack, der alle nötigen Utensilien beinhaltet, um mich sicher auf den Boden zurückzubringen. Der Waldboden ist noch mit braunem Laub bedeckt – nur vereinzelt drängt sich das Grün des Waldes bereits an die Oberfläche und beseitigt langsam aber sicher die Spuren des Winters.

Mein Leben am "seidenen" Faden

In der Zwischenzeit trifft Karsten alle nötigen Vorbereitungen und bereitet dann auch mich auf den Abgang vor. Die Doppelseilrolle hängt nun fest am Drahtseil, der Rucksack mit der Abseilleine hängt sicher am Baum und ich selbst hänge sicher in den Seilen. Es geht bergab, ganz, ganz langsam! So muss es sich anfühlen, wenn ein Leben am "seidenen" Faden hängt, aber irgendwie ist es auch spannend. Ich vertraue dem Guide, der weiß, was er da tut. Noch zwei Meter, noch einen Meter, 50 Zentimeter, zehn und: "Ich bin unten", rufe ich hoch, während Nico am Waldboden von der Sicherung befreit und bewege mich zurück in Richtung Gruppe. Denn heute sind gleich alle 17 Guides auf einmal da, um vor der eigentlichen Eröffnung am Samstag alles gemeinsam durchzugehen und bestimmte Sachen wie das Abseilen zum Beispiel weiter zu trainieren. Ich muss sagen, das können sie echt schon gut. Ich selbst würde mich als eine Person mit einem gehörigen Respekt bezeichnen. Sicherheit ist mir von daher extrem wichtig! Und ich fühlte mich sicher...Ein nächstes Mal gibt es bestimmt. Aber dann gleich in Parcours 5, weil Kraft hab ich ja jetzt schon.

Extra Info

Der Kletterwald am Leuchtberg

Der Kletterwald Leuchtberg in Eschwege startet am Samstag ab 10 Uhr in die neue Saison. Der 25 Meter hohe Kletterbaum ist eine Neuheit im Kletterwald. Geöffnet ist freitags von 13 bis 19 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 19 Uhr. In den hessischen Ferien ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Kletterwald Leuchtberg ist ein naturnaher Hochseilgarten mit fünf Parcours unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Die Baumplattformen zwischen Brücken, Netzen und Baumstämmen befinden sich in Höhen von 3 bis 14 Metern und liegen teilweise übereinander. Jeder Teilnehmer bekommt eine Sicherheitsausrüstung und eine Einführung vom geschulten Personal.Für Firmen und Teams bietet der Kletterwald Leuchtberg Seminare und Workshops an. Außerdem kann zusätzlich ein Trainer gebucht werden, der den Parcours begleitet. Eine HD-Helmkamera kann gegen Gebühr geliehen werden. So kann man Touren durch den Hochseilgarten aufzeichnen. Weitere Informationen gibt es im Internet unterwww.kletterwald-leuchtberg.de.

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