Diese Arbeit kann heilsam sein

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Witzenhausen. Neuer Begriff – neue Berufsfelder: Dr. Thomas van Elsen baut ein Netzwerk ,Soziale Landwirtschaft’ auf - demnächst Tagung in Witzenhause

Witzenhausen. "Wo geht Inklusion besser als auf einem Bauernhof?" Diese Frage ist eher eine Feststellung, eine Forderung. Sie kommt von Dr. Thomas van Elsen, Dozent an der Universität Witzenhausen. Im Fachbereich Ökologische Landwirtschaft stößt er mit seinen Seminaren und Projekten der ,Sozialen Landwirtschaft’ auf offene Ohren."Nicht wenige Studenten streben eine ganzheitliche Tätigkeit im Einklang mit der Natur an, das schließt stets den Menschen mit ein", erläutert Van Elsen.

Biohöfe machen's bereits

Soziale Landwirtschaft – das bedeutet die Integration von Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen und die Einbeziehung von sozial schwachen Menschen, straffälligen oder suchtkranken Jugendlichen sowie Langzeitarbeitslosen auf bäuerlichen Betrieben.Die künftigen Agrar-Ingenieure sind daher oftmals bereit, diesem Klientel eine Beschäftigungsmöglichkeit zu bieten und in landwirtschaftliche Betriebsabläufe mit einzubinden - besonders in der Bio-Landwirtschaft.Besonders für Kinder und Jugendliche mit Problemen aller Art seien Orte, an denen sie die Natur, die Tiere sowie familiäre und betriebliche Strukturen kennen lernen können, oftmals sehr heilsam, so Van Elsen weiter. Er ist Gründungs- und Vorstandsmitglied von Petrarca (Europäische Akademie für Landschaftskultur), der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft (DASoL), deren Ziel der Ausbau eines Netzwerkes ist, in dem Anbieter und Vermittler sich austauschen können. Im benachbarten Ausland seien hier bereits große Fortschritte erzielt worden.Die Homepage www.soziale-landwirtschaft.de bietet eine Übersicht von Betrieben, die bereits im Bereich Soziale Landwirtschaft tätig sind.

Inklusion – eine neue Chance für die Landwirtschaft?

"Soziale Landwirtschaft kann auch eine Chance für unsere landwirtschaftlichen Betriebe sein", so Van Elsen. "Viele Menschen, die aus der Gesellschaft fallen, brauchen eine Umgebung, in der sie sich sicher und aufgehoben fühlen. Die Erfahrung zeigt, dass sie, weil sie sich nicht abgelehnt oder überflüssig fühlen, den Betrieb entlasten und am Produktionsprozess mitwirken können." Insbesondere Biohöfe oder anthroposophisch orientierte Einrichtungen würden diese Möglichkeit bereits nutzen. Es werde ganzheitlich mit Tieren, Pflanzen, Früchten und im Naturschutz gearbeitet; Gefahrenquellen seien hier selten.

Beratung und Betreuung übernehmen zumeist die zuweisenden Trägerorganisationen oder Institutionen durch ihr sozialpädagogisch ausgebildetetes Fachpersonal. Aber auch das Berufsbild eines ,landwirtschaftlichen Sozialpädagogen’ kann möglicherweise in naher Zukunft entwickelt werden – ganz im Sinne des Inklusions-Gedankens.

Nachbarländer als Vorbild – Tagung in der Uni Witzenhausen

Das Land Italien schloss in den achtziger psychiatrische Anstalten und forderte die Gesellschaft auf, die ehamaligen Patienten  ,aufzufangen’ und zu integrieren. Dies wirke bis heute nach, weiß Van Elsen. Viele beeinträchtigte Menschen würden dort ganz selbstverständlich in der Landschaftspflege oder in bäuerlichen Betrieben arbeiten.Dieses und noch weitere Beispiele werden auf einer Tagung vorgestellt, die am Mittwoch, 10. September, von 13.30-17 Uhr in der ,Kleinen Aula’ der Universität Witzenhausen (Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, Nordbahnhofstraße 1a) stattfindet.Das Thema ist ,Europäische Netzwerkarbeit in der Sozialen Landwirtschaft – Erfahrungen aus Italien, Portugal und Tschechien’. (Referiert wird auf Englisch, Übersetzer sind vor Ort.)

Wer sich für das Thema ,Soziale Landwirtschaft’, für die Tagung interessiert oder sich für die Teilnahme anmelden möchte, schickt eine Mail anKatrin.Jahnkow@petrarca.info

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