Europäischer Maulwurf ist das Wildtier des Jahres

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Wildtier des Jahres. Der Maulwurf.

Die Deutsche Wildtierstiftung hat mit dem Europäischen Maulwurf (Talpa europaea) diesmal ein eher unscheinbares Wildtier, das aber oft auch in unmittelbarer Nachbarschaft der Menschen lebt, zum Tier des Jahres ausgerufen.

Die Region - Maulwürfe sind von Großbritannien durch ganz Europa bis weit nach Sibirien hinein verbreitet und derzeit eine nicht bedrohte Tierart. Fast alle Menschen kennen die typischen Erdhügel, die die Anwesenheit eines Maulwurfs verraten. Diese Maulwurfshügel sind so populär, dass es sogar eine Maulwurftorte gibt, die in Form und Aussehen einem Maulwurfshügel nachempfunden ist.

Zu Gesicht bekommt man einen Maulwurf allerdings wegen seiner fast vollständig unterirdischen Lebensweise nur selten. Als Einzelgänger durchstreift er seine Gänge und verteidigt sein Revier energisch gegen jeden Konkurrenten. Mit seinem Gangsystem durchlüftet er den Boden, was vielen anderen Arten beispielsweise Erdhummeln und Kröten zu Gute kommt. Auch vertilgt er Gartenschädlinge wie Schnecken oder Käferlarven. Da er kein anderes Tier in seinen Gängen duldet, vertreibt er auch Wühlmäuse aus seinem Revier. Damit ist er für den Gärtner ein nützliches Tier.

An den gebauten Hügeln ist der Maulwurf am ehesten zu erkennen.

Maulwürfe werden 10 bis 17 Zentimeter lang und 60 bis 120 Gramm schwer. Sie werden maximal vier bis fünf Jahre alt. Der schwarze Pelz ist mit etwa 200 Haaren pro Quadratmillimeter sehr dicht und weist eine Besonderheit auf: Die Haare besitzen keinen „Strich“, das heißt sie sind in alle Richtungen biegbar. Ein enormer Vorteil bei den Vor- und Rückwärtsbewegungen in dunklen Gängen. Bereits im antiken Griechenland wurden die seidenweichen Felle zu Decken verarbeitet, und an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren Mäntel und Jacken aus Maulwurffellen in Europa für eine kurze Zeit sehr in Mode.

Der Körperbau des Maulwurfes ist vollständig seinem Leben unter der Erde angepasst. Der Körper ist walzenförmig, und die sehr kleinen Augen sind unter dem dichten dunklen Haar kaum zu erkennen. Sie können nur Hell-Dunkel Schattierungen wahrnehmen. Der Spruch „Blind wie ein Maulwurf“ hat damit eine gewisse Berechtigung. Äußere Ohrmuscheln fehlen, dennoch hat er ein ausgezeichnetes Gehör. An seiner spitzen Schnauze und dem kurzen Schwanz befinden sich viele Tasthaare, die der Orientierung im Bau dienen. Die Haut der langen Rüsselnase ist mit einem weiteren Tastsinn ausgestattet, dem sogenannten „Eimerschen Organ“, das nur bei Maulwürfen vorkommt. Mit diesem hochempfindlichen Tastorgan können sie leichteste Erschütterungen des Bodens, sowie Muskelkontraktionen von Beutetieren wahrnehmen. Außerdem hat der Maulwurf einen sehr guten Geruchssinn. Besonders auffallend sind die ausgeprägten Hände und Füße, die er als Grabwerkzeuge einsetzt. Auch Skelett und Muskulatur sind an die Grabtätigkeit angepasst.

Der Maulwurfshügel

Meist bemerkt man die Anwesenheit eines Maulwurfes durch seine typischen Erdhügel, die man allerdings mit den Hügeln der Schermaus, einer Wühlmausart, verwechseln könnte. Typisch für den Maulwurfshügel ist aber die vulkanähnliche Form mit einem Auswurfloch in der Mitte. Die Erdhügel der Schermaus sind flacher, kleiner und das Aushubloch liegt neben dem Hügel.

Lebensweise

Der Maulwurf buddelt weit verzweigte Rohrsysteme, die oft von mehreren Generationen nacheinander genutzt werden und sich so unterirdisch auf einer Fläche von bis zu 5.000 Quadratmetern erstrecken können. Bevorzugt werden lockere, fruchtbare und frostsichere Böden. Die Röhren liegen etwa 10 bis 40 Zentimeter unter der Oberfläche. Nur bei starker Trockenheit oder bei anhaltendem Frost, gehen die Tiere noch tiefer. Die meisten der Gänge sind Jagdgänge, die der Maulwurf auf der Suche nach eingedrungenen Beutetieren durchstreift, es werden aber auch gut ausgepolsterte Schlafkammern und „Kinderzimmer“ angelegt. Die Gänge sind etwa fünf Zentimeter breit und queroval.

Der Maulwurf gehört wie der Igel und die Spitzmäuse zur Ordnung der Insektenfresser. Die Nahrung des Maulwurfs ist daher ausschließlich tierischen Ursprungs. Er erbeutet Regenwürmer, Insekten und ihre Larven, sowie Schnecken. Täglich muss ein Maulwurf bis zu 100 Prozent seines eigenen Körpergewichts fressen. Als Wintervorrat sammelt der Maulwurf Nahrung in sogenannten Vorratskammern. Erbeutete Regenwürmer werden durch einen Biss in den Kopf bewegungsunfähig gemacht und lebend in die Vorratskammern eingelagert.

Die Paarungszeit des Maulwurfs ist von Ende Februar bis Anfang März. Zu dieser Zeit warten die Weibchen in ihren Schlafnestern und locken die Männchen durch anhaltendes Glucksen an. Auch markieren sie die Röhren mit Duftstoffen. Nach einer Tragzeit von rund vier Wochen kommen dann einmal jährlich vier bis fünf Jungtiere zur Welt. Ausschließlich die Mutter versorgt die blinden, nackten und etwa vier bis fünf Gramm schweren Neugeborenen. Diese werden in einer extra angelegten und mit Pflanzenmaterial ausgepolsterten Nestkammer für fünf Wochen gesäugt. Nach etwa zwei Monaten sind die Jungen selbstständig und werden von der Mutter vertrieben. Auf der Suche nach einem eigenen Revier werden sie von oft anderen Revierinhabern vertrieben und geraten häufig an die Erdoberfläche, wo sie Opfer von Eulen, Greifvögeln, Störchen, Füchsen und Katzen werden. Auch Hunde beißen Maulwürfe gelegentlich tot, fressen sie aber nicht.

Gefährdung durch Menschen

Auch von den Menschen gehen Gefährdungen für den Maulwurf aus. Obwohl er Pflanzenschädlinge vertilgt und die Pflanzen selbst nicht schädigt, wollen ihn viele Gartenbesitzer wegen der Maulwurfshügel auf dem kurz gemähten Rasen nicht im Garten dulden. Auch die modernen Mähroboter können in Gärten den Tieren zum Verhängnis werden. In der freien Landschaft ist es besonders der Rückgang der Wiesen und Weiden, sowie die immer noch voranschreitende Flächenversiegelung durch Baumaßnahmen, die auch den Maulwurf gefährden. In Deutschland ist der Maulwurf nach dem Bundesnaturschutzgesetzt streng geschützt. Es ist verboten, die Tiere zu töten, ihnen nachzustellen, oder sie zu vertreiben.

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