Fliegenplage: Sind die Raben schuld? Der Kampf der Ermschwerder geht weiter – kommt Besserung mit Schließung der Kompostanlage?

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Witzenhausen-Ermschwerd. Der Sommer lässt sich nur ab und zu mal blicken. Aber selbst diese raren Stunden können die Anwohner am Burgberg in Ermschw

Witzenhausen-Ermschwerd. Der Sommer lässt sich nur ab und zu mal blicken. Aber selbst diese raren Stunden können die Anwohner am Burgberg in Ermschwerd nicht genießen. Noch immer  werden sie von Fliegenscharen terrorisiert. "25 Jahre lang waren wir unbehelligt von der Kompostanlage. Aber seit vier Jahren ist aus einer kleinen Fliegenplage eine wahre Pest geworden", berichtete Ortsvorsteher Viktor Lapuchin. Im vergangenen Jahr und zu Pfingsten diesen Jahres (der MARKTSPIEGEL berichtete) machten die Anwohner bereits vehement auf ihr Problem aufmerksam.

Nun ruckte es in den Reihen der Entscheidungsebenen. Bürgermeister Angela Fischer lud Vertreter des Regierungspräsidium Kassel, den Umweltdezernenten des Kreises Dr. Rainer Wallmann, Dr. Thilo Roth (Betriebsleiter der Firma Fehr) sowie Matthias Wenderoth (Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallwirtschaft Werra-Meißner-Kreis) nach Ermschwerd ein.

Großer Gedankenaustausch

In einem offenen Austausch zwischen Bürgern und Fachleuten wurde über die Problematik gesprochen. Für die Anwohner stand allerdings der Schuldige der Fliegen-Plage von Anfang an fest: Die Kompostanlage."Grundsätzlich steht aber doch die Frage im Raum, warum sollten die Fliegen, die dort oben sprichwörtlich wie die Made im Speck leben, 300 Meter durch den Wald nach Ermschwerd fliegen", so Dr. Wallmann.Dies stieß in dem rappelvollen Saal allerdings auf empfindliche Ohren. "Ich würde gern mal eine Fliege fragen, warum sie hier her fliegt, aber leider ist das nun mal nicht möglich", sagt Anwohner Günther Grüneklee mit ironischem Unterton.

Raben mögliches Brückenglied

Kurios, aber nicht abwägig, wurde es aber erst dann richtig. Denn die Burgberganwohner berichteten von immer mehr Raben. "Manchmal hört man schon gar keine Singvögel mehr, sondern nur noch die Raben", sagte der seit 1990 dort wohnende Michael Schäfer.Immer häufiger werde von Spaziergängern beobachtet, dass die schwarz gefiederten Vögel Restmüll, wie Verpackungen und Dosen, von der Kompostansalage ins Umland transpotierten und damit eine "Brücke" zum Dorf schaffen.

Thema bald endgültig erledigt?

"Eventuell spielen auch die Abfuhrtermine für die Biotonne, 14-tägig oder alle vier Wochen, eine zusätzliche Rolle. Die Zeit der Population in den Tonnen wird dadurch auch verlängert. Ich bin mir aber auch sicher, dass wir von einem endlichen Problem sprechen", erklärt Wenderoth.Denn, so wurde an diesem Abend bekannt: Im März 2015 endet der Vertrag mit der Kompostanlage in Ermschwerd. "Mit dem Klimakonzept des Werra-Meißner-Kreis wird sich die Verwertung des Bioabfalls im Kreis verändern. In Zukunft soll der Abfall in einer Biogasanlage zu erneuerbarer Energie umgewandelt werden. Dass die Anlage an diesem Standort entstehen wird, ist fast ausgeschlossen", so Dr. Wallmann, der damit das Ende der Kompostanlage ankündigte. Bis 2015 wolle man aber nicht warten, man strebe eine zeitnahe Lösung der Fliegenplage an.

Verschiedene Angriffspunkte

Bürgermeisterin Fischer fasst am Ende des Abends angestrebte Lösungen zusammen. "Wir werden den frisch angelieferten Biomüll mit Feinkompost statt mit grobporigem Material abdecken. Der nächste Schritt, falls sich nichts an der Fliegen-Plage ändert ,wäre eine Goretexplane zur Abdeckung", versprach Dr. Roth.Maximilian Mägerlein, Baudirektor beim RP Kassel, setzt sich, nach Informationen von Anwesenden, mit Kollegen aus Bayern in Verbindung die mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben. "Wir werden die Maßnahmen im Auge behalten und bei Bedarf auch eingreifen", sagte Mägerlein.

Mitte August will Bürgermeisterin Fischer wieder zum Infoabend einladen. Vielleicht hat sich die Offensive gegen die Fliegen-Plage bis dahin bereits ausgezahlt.

Lesen Sie auch den Artikel "Fliegen, nichts als Fliegen".

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