Freefight-Veranstalter muss zahlen

Die Berufung von André B.  wurde mit deutlichen Worten vom Richter abgelehnt. Fotos: Schaumloeffel
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Die Berufung von André B. wurde mit deutlichen Worten vom Richter abgelehnt. Fotos: Schaumloeffel

Kassel/Eschwege. Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen. Zwei Jugendliche kämpften im März 2006 in einem Sportstudio in Eschwege in einem illegalen

Kassel/Eschwege. Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen. Zwei Jugendliche kämpften im März 2006 in einem Sportstudio in Eschwege in einem illegalen Käfig-Kampf gegeneinander – mit fatalem Ausgang. Durch einen sogenannten

regelwidrigen "pilldriver", eine lebensgefährliche Technik, bei der der Kopf des Gegners zwischen die eigenen Beine geklemmt wird, um sich dann auf sein Gesäß fallen zu lassen, erlitt Kadir V. einen Bruch der Halswirbelsäule und ist seitdem vom Hals abwärts gelähmt.

Der Richter am Eschweger Amtsgericht verurteilte den damaligen Fitnessstudio-Betreiber wegen fahrlässiger Körperverletzung und zur Zahlung von 3.600 Euro (120 Tagessätze à 30 Euro). Begründung: Der Angeklagte André B. soll sich vor dem Kampf nicht ausreichend darüber vergewissert haben, ob die beiden Jugendlichen die bei einem Freefight zu beachtenden Regeln kennen. Und darüber hinaus auch fähig sind, den Kampf unter Beachtung dieser Regeln zu führen.

Da der 31-jährige Angeklagte dieses Urteil nicht akzeptierte, wurde der Fall heute am Landgericht Kassel erneut verhandelt.

Doch dort wurde die Berufung verworfen. Andre B. muss zahlen. Der Präsident des Landgerichts Kassel und zuständige Richter, Dr. Wolfgang Löffler, erklärte in der Urteilsbegründung: "So ein Kampf hat im Vorfeld schon einen negativen Beigeschmack." Der Studiobetreiber hätte den Kampf deshalb gar nicht erst veranstalten dürfen. Der Kampf war auf vollen Ernst ausgelegt." Weiter habe ein Preisgeld die unerfahrenen Kämpfer noch weiter angetrieben. André B. habe schon fahrlässig gehandelt, als er den Kampf geplant habe.

André B. der mittlerweile mit seiner Freundin in Offenbach lebt, wirkte während der Verhandlung weitgehend teilnahmslos. Vor Gericht erklärte er, dass er derzeit von den Wohltaten seiner Freundin lebe, die ein Sportstudio betreibe. Kadirs Rechtsanwalt Ullrich Goetjes schenkte dem aber keinen Glauben und vermutet, dass André eigentlich das Studio leite.

Übrigens: Als der Angeklagte noch das Sportstudio in Eschwege betrieb – in dem auch der Kampf stattfand – hatte er keine Haftpflichtversicherung für das Studio abgeschlossen.

"Ich war jung und dumm. Deshalb sitze ich nun als Krüppel im Rollstuhl.”

Kassel. Er war einmal ein sportlicher Junge. Leider auch unfassbar leichtsinnig. Seit sieben Jahren Kadir V. (23) im Rollstuhl. Nur wegen dieses verdammten Kampfes. Er hatte an einem Freefight teilgenommen – und sein Gegner brach ihm die Halswirbelsäule. Damals war Kadir erst 16 Jahre alt. Sein Gegner, Eldan K. schon 23 Jahre – aber ein unerfahrener Kämpfer.

"Ich habe nur mal zwei Monate geboxt", so Eldan im Jahr 2011 vor dem Eschweger Amtsgericht. Nachdem Eldan den verbotenen "Pilledriver" anwendete, kann sich Kadir an nichts mehr erinnern.

Das Opfer: "Ich habe einen dumpfen Knacks gehört, nichts mehr gesehen, oder gespürt. Als ich wieder zu mir gekommen bin, konnte ich meine Arme und Beine nicht mehr bewegen."​ Seitdem leidet er: "Ich war jung und dumm. Deshalb sitze ich nun als Krüppel im Rollstuhl.”

Kadirs Halswirbeläule ist dreifach gebrochen. Seither ist er berufsunfähig. Wird von seiner Mutter gepflegt. "Mittlerweile kann ich aber meine Arme wieder etwas bewegen. Und ich ahabe im Internet gelesen, dass in der Türkei eine Therapieform angeboten wird, die mir vielleicht weiterhelfen kann." Kadir träumt davon, sich einmal in der Internetbranche selbstständig zu machen. Derzeit wohnt der 23-Jährige bei seiner Mutter.

Er warnt seit dem Unglück vor Freefight-Kämpfen: "Ich werde den Rest meines Lebens leiden."

Während der Verhandlung wurde auch ein Video des damaligen Kampfes gezeigt. als Kadir die Szenen sieht, schießen ihm Tränen in die Augen.

Nach dem Urteil zeigt er sich erleichtert: "Das was der Richter gesagt hat, ist gerecht. Ich bin froh, dass er eine Strafe bekommt. Er hätte den Kampf nie zulassen dürfen."

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