Der Gang zur Kita wird teuer – Eltern bangen vor zu hoher Belastung im Zuge des Schutzschirms

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Eltern wollen nicht allein Schulden abbauen –  Kindergartengebühren sollen um bis zu 56 Prozent steigenBad Sooden-Allendorf. Das Thema ist in alle

Eltern wollen nicht allein Schulden abbauen –  Kindergartengebühren sollen um bis zu 56 Prozent steigen

Bad Sooden-Allendorf. Das Thema ist in aller Munde: Schuldenabbau im beschaulichen Bad Sooden-Allendorf. Über 72 Millionen Euro steckt die Kurstadt im Augenblick in den Miesen. Dass es damit ein Ende haben muss, sind sich alle einig, aber wie?Die Lösung soll der Rettungsschirm und der Landesausgleichsstock bringen. Doch daran sind zahlreiche Bedingungen geknüpft. Ein Konsolidierungskonzept muss her und damit Kürzungen und Gebührenerhöhungen auf allen Ebenen. Dabei sollen auch die Eltern zur Kasse gebeten werden. Und das nicht zu knapp.

160.000 Euro Mehreinnahmen

Geplant ist bislang eine Kindergartengebühren-Erhöhung von 67 Euro pro Monat. Das bedeutet für die Ganztagsbetreuung eines Kindes im Alter von drei bis sechs Jahren eine Gebührenerhöhung von 56 Prozent. Damit sollen Mehreinnahmen von 160.000 Euro erreicht werden.Und da hört es bei zahlreichen Eltern auf."Das ist auf das Jahr gerechnet ein ganzes Monatsgehalt und das nur bei einem Kind", zeigt sich unter anderem die zweifache Mutter Anja Neumann-Achtelik schockiert. Zusammen mit weiteren Eltern aus dem Katholischen Kindergarten St. Bonifatius macht sie sich Sorgen um die Zukunft der Kinder, des Kindergartens und der Stadt.Bereitschaft ist da

"Die Eltern sind natürlich bereit mitzuhelfen Schulden abzubauen, aber es sollte schon etwas gerechter ausfallen", ist sich Kiga-Leiterin Claudia Groß-Albenhausen sicher.Die Mütter und Väter prangern vor allem ungenügende Informationen an. "Der Haupt- und Finanzausschuss hat nun angeregt die Gebühren gestaffelt nach Einkommen und nach Nutzung des Kindergartens zu erheben. Bei der Bürgerversammlung sah das noch ganz anders aus", berichtet Katharina Faßhauer, Mutter von zwei Kindern. Von der Mehrheit der Familien verlange dies aber das Unmögliche. "In Bad Sooden-Allendorf gibt es nur wenig wirklich gut verdienende Familien. Somit vermuten wird das der Höchstbetrag schon bei Familien mit mittleren Einkommen verlangt werden wird", so Faßhauer."Arbeitende Eltern werden bestraft"

Einhellige Meinung der Eltern ist, dass "Eltern, die arbeiten gehen, noch zusätzlich bestraft werden". "Wir überlegen beziehungsweise berechnen bereits, ob wir uns ein zweites Kind überhaupt noch leisten können", berichten Lars Faßhauer und Diana Niebergall.So entstehen aber auch erste Pläne die Kids in benachbarte Kommunen in Einrichtungen zu schicken oder gar zu Hause zu bleiben, um sie selbst zu betreuen."Konkrete Abwanderungspläne werden ebenfalls laut", so Faßhauer. Denn die meisten Eltern arbeiten nicht in Bad Sooden-Allendorf. "Viele haben sich bewusst dafür entschieden hier zu wohnen und nun wird uns die Entscheidung hier wieder wegzuziehen fast schon aufgezwungen", sagt Neumann-Achtelik."Keine Freude"

Darüber dass diese Gebührenerhöhung kein Zuckerschlecken ist, ist sich auch Bürgermeister Frank Hix bewusst: "Das ist für uns auch keine Freude, aber der Landesausgleichsstock gibt uns da die Vorgabe die Gebühren zu dritteln. Dabei zahlt das Land einen Teil, die Stadt einen und die Eltern müssen ebenfalls einen übernehmen. Das war bisher nicht so." Im Januar wurde bereits eine Erhöhung der Gebühren von zehn Euro vorgenommen. Diese benötigte bereits mehrere Anläufe im Parlament. "Vor fünf Jahren wurde das letzte Mal aufgestockt. Da liegt auch der Fehler. Wenn immer nur verhalten und nicht weitsichtig genug gehandelt wird. Dann knallt’s irgendwann richtig", so Hix.

Die Umsetzung, die Gebühren an das Einkommen der Eltern zu koppeln, sei aber aus seiner Sicht auch eher schwierig umzusetzen. "Damit würde ein riesiger Verwaltungsaufwand verbunden sein", so Hix. Grundlegendes Problem sieht der Bürgermeister beim Länderfinanzausgleich: "Es ist einfach ungerecht, dass einige Bundesländer ihre Kindergartenplätze kostenfrei anbieten können und wir hier die Prügel für die Erhöhung der Gebühren einstecken müssen."

Um das Problem umfassend zu besprechen, wird es Mittwoch eine Besprechung mit Leiterinnen der Kindergärten, der Verwaltung, Bürgermeister und Elternvertretungen geben. Ebenfalls wird es auch wieder Thema in der Sitzung des Finanzausschusses am Mittwochabend um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Hochzeitshauses sein.

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