Geplante Seniorenresidenz: "Grundinvest" nimmt Stellung

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Der Gebaeudekomplex in der Cyriakusstrasse: Der Verkauf ist erst einmal verschoben. Foto: Zugehoer

Eschwege. Der geplante Verkauf des Grundstücks "ehemalige Brauerei" Cyriakusstraße 24-44" schlägt hohe Wellen in der Kreisstadt. Do

Eschwege. Der geplante Verkauf des Grundstücks "ehemalige Brauerei" Cyriakusstraße 24-44" schlägt hohe Wellen in der Kreisstadt. Dort will die Grundinvest Immobilien- und Projektentwicklungsgesellschaft, wie im MARKTSPIEGEL berichtet, eine Seniorenresidenz errichten.

Am Donnerstag sollten die Eschweger Stadtverordneten eigentlich über den Verkauf abstimmen. Doch dazu kam es nicht, denn der Tagesordnungspunkt wurde bereits am Mittwoch während der Sitzung des Bau- und Planungsauschusses gestrichen.

Laut dem Vorsitzenden des Ausschusses, Alexander Feiertag (SPD), gebe es noch zuviel ungeklärte Fragen. "Wir wollen erstens sichergestellt wissen, dass nicht direkt bis zum Cyriakusbach gebaut wird. Zweitens sind uns die vorliegenden Unterlagen zu nebulös. Wir wissen nur etwas von 110 Pflegeplätzen, die dort entstehen sollen. Und drittens muss genau geprüft werden, welchen Bedarf an Pflegeeinrichtungen wir überhaupt benötigen", so Feiertag.

Geschäftsführer der städtischen Seniorenheime schreibt Rund-Email an heimische Politiker

Kritik an dem Verkauf und dem Plan eine Seniorenresidenz zu bauen, übt auch der Geschäftsführer der städtischen Seniorenheime Eschwege, Thorsten Rost, der sich am Mittwoch mit einer Email an die Fraktionsvorsitzenden und alle Ausschussmitglieder wandte. Sein Schreiben liegt dem EXTRA TIP vor. Darin heißt es unter anderem: "Wie ich zwischenzeitlich erfahren habe, geht es dabei (der Seniorenresidenz) um eine Größenordnung von 110 stationären Pflegeplätzen. Aus meiner Sicht ist dies eine Größenordnung, die deutlich über dem tatsächlichen Bedarf liegt.

In meiner Verantwortung für die kommunale Seniorenheime Eschwege gGmbH sehe ich in dieser Planung eine erhebliche Gefährdung für unsere beiden Einrichtungen. Die stationäre Pflege braucht eine Auslastung von nahe 100 Prozent um bei den derzeitigen Rahmenbedingungen dauerhaft überlebensfähig zu sein. Durch zusätzliche Plätze in Eschwege wird diese wichtige Zielgröße torpediert. Vorhandene tarifgebundene Arbeitsplätze in unseren Einrichtungen stehen damit vor einer Gefährdung."

Geschäftsführer der Grundinvest bezieht Stellung

Für Christian Holzapfel, den Geschäftsführer der Grundinvest, komme die neueste Entwicklung sehr überraschend. "Wir haben unser Konzept dem Magistrat ausführlich vorgestellt. Warum das jetzt als nicht ausreichend bezeichnet wird, ist mir ein Rätsel."

Er ärgere sich vor allem darüber, dass plötzlich Gerüchte in Umlauf seien, die jeglicher Grundlage entbehren. "Von 110 Pflegeplätzen war nie die Rede. Wo Herr Rost und Herr Feiertag diese Zahl herhaben, ist mir schleierhaft", sagt Holzapfel.

Er plane, eine Seniorenresidenz zu errichten, in der ein interessierter Betreiber zu je einem Drittel die Bereiche Seniorenwohnen, Schulung und Pflege abdeckt. "Schon zu Beginn der Verhandlungen mit der Stadt haben wir das Drittel-Konzept vorgestellt", so Holzapfel.

Keine reine Pflegeeinrichtung

"In dem geplanten Schulungszentrum soll Angehörigen von hautpsächlich Alzheimer- und Demenzerkrankten die Möglichkeiten gegeben werden, zu erlernen, wie man Zuhause pflegt und betreut", sagt Holzapfel.

Zu keinem Zeitpunkt habe das Interesse bestanden, eine Einrichtung mit ausschließlich stationärer Pflege zu errichten.

Geplant sei ein ganz anderes Klientel anzusprechen als die übrigen Angebote vor Ort. "Erstens werden wir für die Belegung bundesweit werben, zweitens wollen wir einen gehobenen Standard bieten und sprechen daher nur ein bestimmtes Publikum für unsere Einrichtung an", so der Geschäftsführer zu den langfristigen Plänen.

Bevor jedoch Verhandlungen mit interessierten, externen Betreibergesellschaften forciert würden, plane Holzapfel grundsätzlich lieber mit einem heimischen Betreiber zusammen zu arbeiten.

Runder Tisch

Nachdem das Thema plötzlich so hochkochte, wird Bürgermeister Alexander Heppe einen "Runden Tisch" einberufen. "Ich möchte die Vertreter aller Einrichtungen der stationären Pflege an einem Tisch haben, damit Herr Holzapfel auch diesen Personen sein Vorhaben darstellen und Missverständnisse ausräumen kann", so Heppe.

An dem großen Interesse der Stadt, das Grundstück zu veräußern, habe sich indess nichts geändert. Diesbezüglich herrsche Einigkeit im Eschweger Rathaus.

Wie Holzapfel bestätigt, beträgt das Kaufangebot der Grundinvest 436.000 Euro. Im Kaufpreis enthalten sind Abrisskosten von 190.000 Euro und Entsorgungskosten für kontaminierten Boden von 117.000 Euro. "Wir bieten der Stadt 81 Euro für den Quadratmeter und liegen damit 30 Prozent über dem Preis, den der Gutachterausschuss ermittelt hat", so Holzapfel.

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