Hessenweit die Nummer 1

In der Kreisstadt gibts Geldspiel-Automaten wie Sand am MeerVon LARS WINTEREschwege/Hessen. Sie schieen wie Pilze aus dem Boden

In der Kreisstadt gibts Geldspiel-Automaten wie Sand am Meer

Von LARS WINTER

Eschwege/Hessen. Sie schieen wie Pilze aus dem Boden Spielhallen erleben einen wahren Boom und es werden immer mehr. Und nirgendwo in Hessen gibt es soviele Zocker-Automaten wie in Eschwege.

Eschwege belegt auf der Rangliste der regionalen Automaten-Dichte hessenweit Platz 1 unter den Kommunen mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern, sagt die Fachberaterin fr Glcksspielsucht Eva Bohr von der Fachstelle fr Suchthilfe und Prvention Eschwege.

Auf ein Daddel-Gert kommen 183 Einwohner in der Kreisstadt. Zum Vergleich: Hessenweit sind es 535 Einwohner pro Geldspielautomat. Das sind Zahlen, die uerst nachdenklich machen, so Bohr.

Um auf das heimische Problem mit der Zockerei aufmerksam zu machen, war die Sucht-Expertin gestern mit einem Aktionsstand ,Am Stad prsent. Gestern fand der 3. hessenweite Aktionstag zur Glcksspielsucht statt, sagt Bohr.

Und das nicht ohne Grund, denn das Geschft mit den Geldspielautomaten floriert. Hessenweit wurden im vergangenen Jahr mehr als 221 Millionen Euro verzockt, monatlich also fast 19 Millionen Euro.

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Dazu ein Zwischenruf von Redaktionsleiter LARS WINTER

Einnahmen hier, Einbuen dort

Dass eine Stadt nichts gegen die Ansiedlung von Spielhallen hat, ist verstndlich. Schlielich sind Automatenbetreiber gern gesehene Steuerzahler. Immerhin bis zu 115 Euro pro Monat und Automat in Spielhallen landen in der Stadtkasse.

Fr Kneipen ist im Eschweger Stadtrecht ein Maximum von zirka 40 Euro pro Automat und Monat angesetzt. Leicht ,verdientes Geld, das da regelmig ins Stadtsckchen fliet. Im vergangenen Jahr warens satte 126.000 Euro.

Einnahmen fr eine Stadt sind immer gut, das Problem liegt wo ganz anders: Wo es viele Automaten gibt, wird auch viel gezockt. Und vor allem verzockt. Geld, dass normalerweise fr den tglichen Bedarf ausgegeben wird, fr Nahrung, Kleidung, Mbel, fr einen Kaffee, ein Bier oder ein Abendessen. Geld, das aber nie im regionalen Wirtschaftskreislauf ankommt, weil es stattdessen in den vielen Daddel-Automaten der Stadt landet.Unsere heimischen Unternehmer leiden daher indirekt unter der zunehmenden Zahl an Spielautomaten.

Ganz abgesehen vom Leid und dem mglichen Ruin der Familien, die einen Hardcore-Zocker in ihren Reihen haben. Denen droht der soziale Totalabsturz, was wiederum Kosten fr Stadt und Einbuen fr Handel und Gewerbe bedeuten. Ein Kreislauf, den es zu unterbrechen gilt. Und deswegen kann der einzig richtige Weg fr Zocker und Angehrige nur sein: Hin zur Suchthilfe egal, wie schwer dieser Schritt auch fllt.

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EXTRA INFO

Werra-Meiner. ber 80 Prozent der Personen, die in die hessischen Fachberatungen fr Glcksspielsucht kommen, sind von Geldspielautomaten abhngig und haben dabei nicht nur die Kontrolle ber das Glcksspiel verloren. Das verspielte Geld und die Konsequenzen daraus haben bereits viele Familien ruiniert. Das erleben auch tagtglich die Fachberatungen, die im vergangenen Jahr ber 1.300 Glcksspielschtige und deren Angehrige beraten haben.

Dabei fallen Spielhallen nicht einmal unter das Glcksspiel-Staatsgesetz, sondern lediglich unter das Gewerberecht. Die Geldspielautomaten zhlen demnach nicht zum Glcksspiel, sondern gelten lediglich als Unterhaltungsautomaten mit Gewinnbeteiligung.

Kontakt: Die Fachberatung fr Glcksspielsucht im Werra-Meiner-Kreis befindet sich bei der Fachstelle fr Suchthilfe und Prvention in Eschwege, Neuer Steinweg 9. Auenstelle in Witzenhausen: Walburger Str. 49a, und in Hessisch Lichtenau: Kirchstrasse 8.

Anfragen knnen telefonisch oder per E-Mail an die Fachberaterin Eva Bohr gestellt werden: Telefonnummer 05651/ 3394297, E-Mail: suchthilfe-bohr@deswi.de.

Informationen sind auch unter www.hier-spielt-das-leben.de, der Seite des Nordhessischen Verbundes Glcksspielsucht, zu finden.

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