„Ich bereue keinen Tag!“

Ein starkes Team: Rüdiger Güldner mit seiner frisch ausgezeichneten Ehefrau Brigitte. Sie hält die Pflegemedaille in ihren Händen, die ihr von Staatsminister Stefan Grüttner überreicht wurde.	Foto: Liese
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Ein starkes Team: Rüdiger Güldner mit seiner frisch ausgezeichneten Ehefrau Brigitte. Sie hält die Pflegemedaille in ihren Händen, die ihr von Staatsminister Stefan Grüttner überreicht wurde. Foto: Liese

Reichensachsen. Für ihr besonderes Engagement wurde Brigitte Güldner mit der Hess. Pflegemedaille ausgezeichnet.

Reichensachsen. Manchmal liegen Freud und Leid ganz eng beieinander. So auch bei Brigitte Güldner (56) aus Reichensachsen, die nun mit der Pflegemedaille des Landes Hessens ausgezeichnet wurde.

Und das aus einem eigentlich sehr traurigen Grund. Seit 1990 zeigt sie vollen Einsatz im Kampf mit und gegen den Krebs. "Meine jüngere Schwester starb 1995 im Alter von 22 Jahren an Lymphknotenkrebs", so die Ehefrau und Mutter, die den Kampf gegen die heimtückische Krankheit vier Jahre lang begleitete. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihrer Familie. Nachdem der Vater von Brigitte Güldner 1990 einen Herzanfall erlitt, erkrankte er 1995 an Darmkrebs – nach liebevoller Pflege verstarb jedoch der Vater fünf Jahre später an seiner Krankheit. Drei Jahre danach wurde eine weitere Schwester vom Krebs eingeholt. Nach jahrelangem Kampf starb sie im Alter von 47 Jahren an Unterleibskrebs. Ihr stets zur Seite war Brigitte Güldner, die ihrer Schwester am Sterbebett die Hand hielt. "Ich hatte schlaflose Nächte ohne Ende", so die heute 56-Jährige, die sich jederzeit auf ihren Mann Rüdiger (55) verlassen konnte. "Rüdiger hat mir nicht nur medizinisch sehr viel geholfen, sondern mich in meinem Tun immer unterstützt", so Güldner, die ihr erlerntes Wissen nun noch bei ihrer ältesten Schwester anwenden kann. Denn auch sie muss gepflegt werden. "Sie erkrankte im Juli 2008 an Lungenkrebs. Die Ärzte sagten damals, sie würde den Jahreswechsel nicht überstehen. Das war vor über fünf Jahren", erinnert sich Brigitte Güldner zurück.

Ihr Tag beginnt um 4.30 Uhr 

Die Schwester, die bis auf 40 Kilogramm abgemagert war und nur noch liegen konnte, hat die 56-jährige Mutter eines Sohnes wieder soweit aufgepäppelt, dass sie es nun schafft, mit dem Rollator mehrere hundert Meter zu laufen.

Zusammen lebt die älteste Schwester von Brigitte Güldner mit dem Bruder, der im März 2005 und November 2006 an Gesichtskrebs erkrankte und der 76-jährigen Mutter. Auch hier hat Brigitte Güldner stets ein Auge drauf. "Sie wohnen nur einige Häuser von uns entfernt", so Güldner, deren Tag um 4.30 Uhr mit einer Spritze beginnt bevor dann die Frühschicht bei der Bundespolizei losgeht. Und nach der Arbeit geht es zu Hause weiter: Einkaufen, Arztbesuche, Besorgungen, Medikamente und ein liebes Wort für die Angehörigen. Viel Zeit für Freizeit blieb in den letzten Jahren nicht. "Wir waren seit 14 Jahren nicht mehr im Urlaub. Aber es macht mich schon zufrieden, wenn ich mal rauskomme, um in Bad Sooden-Allendorf einen Kaffee zu trinken", so die 56-Jährige bescheiden, die ihr Leben für ihre Angehörigen lebt. "Aber wissen Sie was: Ich würde jederzeit wieder genauso handeln. Ich bereue keine Stunde, keinen Tag", so Brigitte Güldner, die für ihr Engagement von Staatsminister Stefan Grüttner in Wiesbaden mit der Pflegemedaille ausgezeichnet wurde. "Pflegende Angehörige, Freunde und Bekannte sind die Helden des Alltags. Sie zeigen große Nächstenliebe und leisten einen unverzichtbaren Dienst an unserer Gesellschaft", sagte der Staatsminister während des Festaktes anlässlich der Verleihung auf Schloss Biebrich. "Die Ehrung ist schön, aber es wäre natürlich schöner für mich, wenn die Menschen wieder in meinem Leben wären, die gegangen sind", so die 56-Jährige.

Die Hessische Pflegemedaille wurde am 15. September 2004 gestiftet und ist eine Ehrung der Hessischen Landesregierung für Personen, die sich besondere Verdienste um pflegebedürftige, kranke oder behinderte Menschen erworben haben.

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