Kampf gegen Justizmühlen

Rosemarie und Juergen Dudek (im Hintergrund Verteidiger Dr. Andreas Vogt) mussten sich erneut vor Gericht verantworten. Dieses Mal stand der unterbliebene Schulbesuch bzw. die unterbliebene Anmeldung zum Schulbesuch von zwei Kindern im Jahr 2011 im Fokus.	Foto: Archiv
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Rosemarie und Juergen Dudek (im Hintergrund Verteidiger Dr. Andreas Vogt) mussten sich erneut vor Gericht verantworten. Dieses Mal stand der unterbliebene Schulbesuch bzw. die unterbliebene Anmeldung zum Schulbesuch von zwei Kindern im Jahr 2011 im Fokus. Foto: Archiv

Vor Gericht: Homeschooling-Familie Dudek erneut zur Geldbuße verurteiltEschwege/Archfeld. "Für mich ist es das Natürlichste der Welt, dass wir

Vor Gericht: Homeschooling-Familie Dudek erneut zur Geldbuße verurteilt

Eschwege/Archfeld. "Für mich ist es das Natürlichste der Welt, dass wir unsere Kinder erziehen. Dazu zählt auch die Bildung", so Rosemarie Dudek, die sich gemeinsam mit ihrem Mann am Montag erneut vor dem Amtsgericht in Eschwege verantworten musste, die seit nunmehr 13 Jahren ihre Kinder selber zu Hause unterrichten. Derzeit haben Rosemarie und Jürgen Dudek sechs schulpflichtige Kinder. Das siebte Kind ist noch nicht schulpflichtig. Ob die Schulpflicht nun verfassungswidrig ist oder nicht, galt es beim Verfahren gegen die Dudeks zu klären. Hierzu konnte Richter Dr. Alexander Wachter nur ein klares "Nein" vorbringen, denn die Schulpflicht sei aus dem Grundgesetz ableitbar und daher das Recht, was auch im Falle der Dudeks anwendbar sei.

Ein erneuter Schlag ins Gesicht

Für Rosemarie und Jürgen Dudek war dieses Urteil ein erneuter Schlag ins Gesicht. "Wir sind jetzt das neunte Mal vor Gericht vernommen worden. Wir haben insgesamt neun Urteilsbegründungen, die alle sagen, dass es verkehrt ist, was wir machen", so Jürgen Dudek, der immer mit offenen Karten gespielt habe, bei dieser Verhandlung nach ersten Überlegungen zunächst aber gar nicht sagen wollte. "Die Fragen nach unseren Beweggründen ist eigentlich nicht relevant, denn egal, was wir sagen, die Schulpflicht gilt hier absolut", so Dudek weiter, der große Hoffnungen in den Prozess legte und letztendlich aus den Kampf gegen die Justizmühlen wieder als Verlierer herausgehen musste.

Dennoch seien es keine religiösen Gründen, die die Dudeks dazu bewegten, die Kinder zu Hause zu unterrichten. "Jemanden mit religiösen Gründen zu brandmarken, das ist gemein. Unsere Motivation ist eine andere", so der Familienvater aus Archfeld weiter, dem es vielmehr um das Wohl seiner Kinder ginge und fest davon überzeugt ist, dass Hausunterricht genehmigt werden könnte. "Man muss nur wollen. Man muss nur wollen", betonte Dudek eingehend mit Blick zu Georg Dreßler vom Schulamt. "Es bestreitet keiner, dass Dudeks die Kinder gut unterrichten, allerdings sieht die Gesetzeslage anders aus", so Dreßler.

Rosemarie und Jürgen Dudek (im Hintergrund Verteidiger Dr. Andreas Vogt) mussten sich erneut vor Gericht verantworten. Dieses Mal stand der unterbliebene Schulbesuch bzw. die unterbliebene Anmeldung zum Schulbesuch von zwei Kindern im Jahr 2011 im Fokus.Foto: Archiv

Ein Strafverfahren wird die Folge des Handelns sein

Richter Dr. Alexander Wachter sieht zwar die Erfolge und bezeichnete die Familie als äußerst bildungsambitioniert, jedoch sieht er die Gefahr, dass es für Dudeks irgendwann auf ein Strafverfahren hinausläuft. "Das ist meine ehrliche Sorge", so der Richter. "Sie bohren das falsche Brett, denn die Verwaltung darf nur nach der Rechtsordnung handeln", so Wachter weiter, dem am Ende nur das eine Urteil fällen konnte: Kein Freispruch!

Die mit Einspruch angegriffenen Bußgeldbescheide des Staatlichen Schulamtes in Bebra mit einer Gesamthöhe von 230 Euro, die den unterbliebenen Schulbesuch bzw. die unterbliebene Anmeldung zum Schulbesuch von den beiden jüngsten schulpflichtigen Kindern betreffen, müssen nun beglichen werden. In einem weiteren Verfahren muss sich Sohn Daniel in Zukunft verantworten.

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