Der Karpfen ist ein Esel

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Hessisch Lichtenau. Die Geschichte, wie die Lichtenauer zu ihrem Beinamen kamen, ist alles andere als schmeichelhaft.

 

Hessisch Lichtenau. Eigentlich haben die Lichtenauer zu Unrecht den Beinamen "die Karpfenfänger", streng genommen müssten es " die Esel-Angler" lauten. Im Rahmen des Lichtenauer Weinfestes wurde nämlich an Fronleichnam die Karpfenfänger-Sage uraufgeführt.

Die Karpfenfänger-Sage

Bekommen haben die Lichtenauer den Beinamen, weil laut Sage ein Bauer in Spangenberg Kalk kaufte und bevor er sich auf den Heimweg machte, trank er noch ordentlich einen über den Durst. Auf dem Heimweg begann es dann zu regnen und der Kalk wurde nass, der dadurch anfing, sich zu erhitzen, weswegen der Esel schrie.

Um das Tier abzukühlen trieb der betrunkene Lichtenauer den Esel zwecks Abkühlung in den Fischteich. Natürlich ertrank das Tier dabei. Später sollte der Teich dann im Rahmen des großen Fischfangtages leer gefischt werden.

Einer der Angler, ein Mann, der sich als unangenehmer Zeitgenosse einen Namen gemacht hatte, hatte etwas schweres am Haken und ließ gleich den Bürgermeister rufen, da sein Fang auch amtlich sein sollte. Doch als er den fang mit Hilfe zweier Männer aus dem Wasser zog staunte man nicht schlecht, denn der Kopf des Esels hing mit rausgestreckter Zunge am Haken. Und so kamen die Lichtenauer zu dem Beinamen "die Karpfenfänger".

Das Stück selbst stammt aus den Schriften des verstorbenen Konrad Schwalm bzw. Günter Vogt erweiterte das Stück. Vom Lichtenauer-Platt ins Hochdeutsche wurde das Ganze von Monika Walenta-Müller übersetzt.

Das Weinfest selbst geht noch bis Freitag 20 Juni.

Das gesamte Programm finden Sie hier: "Weinfest-Programm"

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Die Karpfenfänger Sage

Übersetzung Monika Walenta-Müller

Im Grunde genommen ist er nicht der Schlechteste und auch kein Faulenzer und schon gar nicht auf den Mund gefallen, aber eben so ein richtiger Lichtenau Bauerntrampel, dem es von Zeit zu Zeit immer wieder einmal am rechten Durchblick fehlt. An einem schönen Morgen eröffnet er seiner Frau, dass es höchste Zeit sei, im benachbarten Spangenberg Kalk für die hauseigene Grube, in welcher sich die Überreste der menschlichen Verdauung und des Abwassers befanden, zu holen. Denn zu jener Zeit gab es weder Toilette mit Spülung oder gar ein Bidet und schon gar keine Dusche oder Badewanne. Und mit dem gelöschten Kalk – dem Calciumoxid- wurde sowohl der Geruch weitestgehend neutralisiert und gleichzeitig eine desinfizierende Wirkung erzielt.So macht sich das Bäuerlein mit seinem alten Esel auf den Weg, über den Himmelsberg Richtung Schnellrode und von da aus weiter nach Spangenberg, wo sich ein Kalkbruch befindet. Gegen Mittag treffen sie dort ein und erledigen auch sofort den Kauf einiger Säcke Kalk, die dem Esel auf dessen Rücken geschnallt werden und sind nun eigentlich startklar für den Heimweg. Vor dem langen Heimweg widmet er sich noch seinen Proviant zu sich, der aus einem Schmalzbrot und einem ordentlichen Stück alter Wurst besteht, wovon er durstig wird. So kehrt er im nächsten Gasthaus ein und labt sich dort an einem großen Glas Bier. Nicht nur weil die Sonne in der Zwischenzeit ihren Zenit erreicht hat und unser Bäuerlein durchaus kein Kostverächter ist, geht sein Durst weit über ein Glas hinaus. Nun ist er ja tatsächlich ein ewig Durstiger, der dann auch entsprechend große Mengen zum Stillen seines Durstes benötigt. So vergeht die Zeit wie im Fluge und das Bäuerlein ist sternhagelbetrunken. Die Uhr zeigt bereits nach Vier als er sich auf den Heimweg begibt. Ausgerechnet, wie so oft in diesen heißen Sommertagen zieht nun auch noch ein mächtiges Gewitter auf. Bauer und Esel kommen nur sehr langsam voran, da der Esel eine schwere Last zu tragen hat und unser Bauer eher rückwärts als vorwärts läuft und die Strecke nun dreimal so lang wird. So ist es denn auch reichlich spät, als die beiden den Himmelsberg wieder erreichen und ein mächtiger Gewitterregen direkt aus dem Quenteler Loch die beiden überrascht, was besonders den Kalksäcken nicht gut bekommt. Nach einem physikalischen Gesetz entwickelt ungelöschter Kalk beim Zusammentreffen mit Wasser eine große Hitze und das Fell des armen Tieres  beginnt bereits zu dampfen, wie ein Kartoffelfeuer. Die Schreie des leidgeplagten Tieres dringen sogar bis in den Nachbarort Fürstenhagen. Das hat zur Folge, dass eine Beschwerde den Landgrafen erreicht, die die Störung ihrer ländlichen Nachtruhe durch Lichtenauer Bürger zum Inhalt hat. Was aber tut das arme Bäuerlein in seiner Not? Um dem Esel Linderung und Abkühlung zu verschaffen, treibt er ihn Kalk beladen direkt in den Teich. Durch die schwere Last auf seinem Rücken bleibt der Esel immer wieder im sumpfigen Untergrund stecken, versinkt am Ende ganz und kommt schließlich gar nicht wieder an die Oberfläche. Vor Schreck ist der Bauer wieder nüchtern und stellt entsetzt fest, was er angerichtet hat. Zutiefst beschämt erzählt er keiner Menschenseele, besonders nicht seiner dominanten Frau, von seinem haarsträubenden Missgeschick. Wird er später nach dem Esel gefragt, so spricht er von dessen unerwartetem Ableben, vermutlich auf Grund seines fortgeschrittenen Alters, und dass er das arme Tier direkt am Wegesrand bestattet hätte. Wie in jedem Jahr üblich, wird der Teich im Rahmen eines großen Fischfangtages abgefischt. Einer von den Anglern, der sich schon in der Vergangenheit durch Überheblichkeit und besondere Freundlichkeit als unangenehmer Zeitgenosse einen Namen gemacht hatte, ist auch wieder unter den Petrijüngern. Kurz nach dem Auswerfen seiner Angel bemerkt er bereits, dass da ein großer Fang angebissen haben muss.Wie man es von ihm kennt, gibt er schon an mit dem großen Fang, noch bevor man etwas davon gesehen hat. "Holt schnell den Bürgermeister und den Stadtschreiber herbei, damit dieser Sensationsfang in die Geschichte der Stadt eingeht!" Alarmiert von dem vermeintlichen Sensationsfang, sind die beiden auch schon zur Stelle. Der Fang ist so schwer, dass zwei weitere Angler tatkräftig bei der Bergung helfen müssen. Als nun der sensationelle Fang ans Licht kommt, staunt er nicht schlech und es entgleiten ihm sämtliche Gesichtszüge: Am Haken hängt der arme verendete Esel, dessen Zunge ihm sogar noch aus dem Maul heraus hängt. So kam es, dass die Lichtenauer seit dieser Zeit den Beinamen "die Karpfenfänger" tragen.

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